
Wer ist dieser Graf von Lindenau? Es ist Carl Heinrich August
Graf von Lindenau, der am 21. Februar 1755 im Schloss zu Machern geboren
wurde. Sein Vater ist Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau, Rittergutsbesitzer
von Machern, Zeititz und Gotha, Stallmeister im Torgauer Gestüt Graditz
(1759-1763) und danach Exzellenz und Churfürstlich-Sächsischer
Oberstallmeister (l763-1786) in Dresden, der seinem Sohn bestmögliche
Ausbildungen in Leipzig, Dresden und in der Schweiz zuteil werden läßt.
Frühzeitig schlägt dieser die militärische Laufbahn ein
und wird Offizier.
Von Jugend
an war er dem Gestütswesen zugetan und erweiterte seinen Gesichtskreis
durch Reisen nach Österreich, Ungarn, Siebenbürgen und England.
Hier erwarb er den Ruf eines ausgezeichneten Jagdreiters.
Seine Frau ist seit 1780 Christiane Henriette von Arnim (1762-1833)
aus Annaburg gewesen. Die Ehe blieb kinderlos.
Als 14jähriger wurde er in sächsischen Diensten Sous-Lieutenant
und 1775 Premierlieutenant, in österreichischen Diensten 1778 Adjutant
beim Herzog Albert von Sachsen-Teschen.
1786 tritt er in preußische Dienste beim Militär als Major
, wird 1789 Flügeladjutant und 1793 Generaladjutant der
Kavallerie sowie 1795 Oberst. Am königlichen Hof in Potsdam und Berlin
ist er außerdem von1786 bis 1788 Reise-Stallmeister und Vice-Oberstallmeister,
danach von 1789 bis 1806 Königlich-Preußischer Oberstallmeister
und damit Leiter sämtlicher preußischer Haupt- und Landgestüte.
Er wird in diesem Amt zum Begründer der preußischen Gestütsverwaltung
und Landespferdezucht, wobei seine Aktivitäten in den ost- und westpreußischen
Gestüten (Trakehnen u.a.) hervorzuheben sind, besonders aber die Schaffung
des Preußischen Friedrich-Wilhelm-Gestüts, des heutigen Brandenburgischen
Hauptgestüts, und des Landgestüts Lindenau, des heutigen Brandenburgischen
Landgestüts, beide in Neustadt/Dosse in den Jahren von 1788 bis 1791.
Mit zuweilen harter Hand modernisiert er das gesamte preußische Gestütswesen
und richtet es auf Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit aus.
Er ist der Begründer der staatlichen tierärztlichen Ausbildungsstätte
in Preußen, der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin(1790),
deren Generaldirektor er bis 1806 ist. Daraus entsteht in der Neuzeit der
heutige Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin.
Nach dem Tode seines Vaters 1789 ist er Erbherr auf Machern, wo er
in den Folgejahren am Schloss den berühmten Macherner Landschaftsgarten
mit den vielen interessanten Parkbauten, Pflanzungen und Statuen unter
Leitung von E. W. Glasewald anlegen lässt. Doch gibt er diesen Stammsitz
der Lindenaus 1802 auf und zieht mit seiner Frau auf das neu erworbene
Gut Klein-Glienicke bei Potsdam.
1808 scheidet er vollens aus preußischen
Diensten aus. Er wird, wie er einmal selbst schreibt, nun ein um eine moderne
Landwirtschaft bemühter Krautjunker und lebt nach Klein-Glienicke
erst in Büssow in der Neumark und danach in Bahrensdorf bei Beeskow
auf Gütern, die er jeweils aus dem Verkaufserlös der alten neu
erstanden hat.
Von Büssow aus nimmt er 1813, wieder aktiviert, im Charakter
eines Generalmajors als Divisionär der Neumärkischen Landwehr
an den Freiheitskriegen teil. Ab 1815 ist er Inspekteur der Landwehr im
Regierungsbezirk Frankfurt/Oder und wird 1817 zum Generallieutenant befördert.
1820 quittiert er diesen Dienst und ist dann in Bahrensdorf nur
noch Landwirt und Pferdeliebhaber. Als solcher schreibt er 1831 das
Buch "Bemerkungen eines Veteranen über edle Pferde". Er erhält
in all den Jahren seines Lebens hohe Auszeichnungen, so den Orden "Pour
le Merite", den russischen St. Annen-Orden, den Rothen Adler-Orden und
das Eiserne Kreuz. 1790 wird er in der Ordenskirche zu Sonnenburg zum Ritter
des Johanniter- Ordens investiert und verändert mit einem Johanniterkreuz
in seinem WappenschiId das Lindenauische Grafenwappen.
Der vom Vater geerbte Auerbachs Hof in Leipzig bleibt bis zu seinem
Tod am 11. August 1842 in seinem Besitz. Da er keine Nachkommen hat, stirbt
mit ihm auch die Lindenau- Grafenlinie aus, die aus ihm und seinem Vater
besteht. Diesem wird 1999 auch noch eine besondere Ehrung zuteil. Seinen
ehemaligen Besitz an Auerbachs Hof in Leipzig würdigend, ist sein
Konterfei auf dem Historien-Gemälde von Volker
Pohlenz "Mephisto am Kaiserhof" mitabgebildet, das im August anläßlich
Goethes 250. Geburtstages im Auerbachs Keller zum dortigen Verbleib erstmalig
enthüllt wird. Zweitmalig geschieht es am 12. April 2000 anlässlich
von 475 Jahren seit dem ersten Weinausschank in diesem Traditionskeller.
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Machern, 04. 01. 2001 /Prof.
Dr. Heinz Mielke
Last updated: 04. 10.2004