Am 21. Februar 2005 jährt sich der Geburtstag von Carl
Heinrich August Graf von Lindenau zum 250. Male (Bild). Er ist der
Schöpfer des berühmten Macherner Landschaftsgarten, was
für
Machern Anlass sein sollte, dieser hervorragenden Persönlichkeit
würdig
zu gedenken, und zwar zusätzlich zu seiner vor zwei Jahren am
neuen
Macherner Brunnenensemble erfolgten historischen Hervorhebung mit der Bronzetafel,
die sein Abbild und seinen Namen mit dem Hinweis trägt: "begann
1782 den Landschaftsgarten zu Machern anzulegen".

Dieses Bild von Carl Heinrich August Graf von Lindenau diente als
Vorlage
für sein Abbild auf der Bronzetafel am Historischen Brunnen
von Machern (s. o.)
Das sächsische Machern hat mit dem Landschaftsgarten ein besonderes Naturschmuckstück erhalten. Die Gemeinde ließ dem Park in den letzten 20 Jahren eine ausgezeichnete Pflege und umfangreiche Restaurierungen angedeihen, ganz zur Freude der vielen Parkbesucher. Der Landschaftsgarten beginnt unmittelbar am Schloss seiner Vorfahren, des hochadligen Geschlechts derer von Lindenau, wo einst auch seine Wiege stand, und breitet sich von dort mit dem 5,7 ha großen Schwemmteich als Schwanenparadies über 35 ha aus. Neben der vielartigen Flora und Fauna, einschließlich eines gegenwärtig mit 9 Stück Damwild besetzten Hirschgartens, darunter der Platzhirsch John und der weiße Hirsch Schimmel, sind vor allem die Parkbauten wie die Ritterburg als künstliche Ruine und die große Pyramide als gedachtes gräfliches Mausoleum hervorhebenswerte Sehenswürdigkeiten.
Sein Vater ist Heinrich Gottlieb Graf von Lindenau (1723-1789), der Besitzer der Rittergüter Machern, Zeititz, Raschwitz, Gotha und Kossen, der von 1759 bis 1763 Stallmeister (Leiter) des Graditzer Gestüts bei Torgau und danach bis 1786 Churfürstlich-sächsischer Oberstallmeister am Dresdener Hofe war. 1764 wurde er Reichsgraf (sein gräfliches Wappen) und 1780 der Begründer der Churfürstlichen Thierarzneischule zu Dresden, die ihm als Leiter des Oberstallamtes unterstand und später vom 1. 10. 1923 ab als Veterinärmedizinische Fakultät an die Universität Leipzig kam. Er ließ seinem Sohn eine ausgezeichnete Erziehung und Bildung zu Teil werden. Als 10 Jähriger war dieser bereits als Student an der Universität Leipzig eingeschrieben, wo er in den ersten zwei Jahren durch Freundschaften seiner beiden Hofmeister zum jungen Goethe selbst öfters mit diesem zusammen traf. Der Sohn erbte 1789 den lindenauischen Besitz in Machern und Zeititz, von dem er aber schon 1802 nach voherigem Verkauf Abschied nahm. Das 1770 von Anton Graff auf Kupfer gemalte lebensgroße Gemälde des Vaters erbte er ebenfalls. Er übergab es wenige Jahre vor seinem Tode 1838 der Macherner Kirche, wo es seit 1843 in der Nähe des Altars steht: ein Andenken an seinen Vater.
Seine Mutter ist Augusta Charlotta von Lindenau, verwitwete von Kühlewein, geborene von Seydewitz (1729-1764). Sie hatte im Jahre 1754 durch diese zweite Heirat den schon damals sehr berühmten Auerbachs Hof in Leipzig (heute Auerbachs Keller) als Erbteil in den Lindenau-Besitz eingebracht. Später ging dieser auch im Erbe an den Sohn über, der ihn bis zu seinem Tode in Besitz hatte. Nur während der Napoleonzeit war er von 1806 bis1812 in andere Hände gegeben worden. Wie sein Vater saß er des öfteren im Paradesaal dieser Gaststätte unter dem großen, vom Gothaer Hofmaler Heinrich Ritter gemalten Deckenfresko "Helios im Sonnenwagen" mit den dahin rasenden Pferden, das 1912 bei den Umbauarbeiten zur Mädlerpassage an einen anderen Ort verlagert wurde, nämlich an die Decke des Ladens rechts am Ausgang der Passage zum Neumarkt. Man kann es heute dort noch bewundern (Bild u.).

Teilansicht des Deckenfresko "Helios im Sonnenwagen", einst im
Paradesaal
des Auerbachs Hofes, heute im Geschäft am Ausgang der
Mädlerpassage/Neumarkt
14 in Leipzig.
1784 am 20. Todestag seiner geliebten Mutter ließ Carl Heinrich August Graf von Lindenau ihr zum Andenken ein Monument mit großer Urne und lateinscher Inschrift auf einem Steinsockel in dem gerade entstehenden Macherner Landschaftsgarten errichten. Nach notwendigem Ortswechsel in den 1930er Jahren steht es weiterhin in diesem Park, aber jetzt an der Kastanienallee.
Im beruflichen Standesleben führten seine hohe Bildung, ein stark ausgeprägter Kampfgeist und unnachgiebige Strenge zu großen Leistungserfolgen besonders seit er von 1786 bis 1808 unter den Königen Friedrich Wilhelm II. und III. in Berlin und Potsdam diente. Als Königlich-preußischer Oberstallmeister hatte er die hohe Verantwortung über alle königlichen Gestüte, von denen unter seiner Leitung 3 neu eingerichtet worden waren, nämlich das "Friedrich-Wilhelm-Gestüt" und das 1. Churmärkische Hengstdepot, auch "Landgestüt Lindenau" genannt, beide noch heute in Neustadt/Dosse als "Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt" existent, sowie bei Liebenwalde das 2. Churmärkische Hengstdepot, das "Landgestüt Bischofswerder", das heute nach wechselvoller Geschichte als Etappenort und Lazarett, Championzüchterei, Reichsfachschule des Schumacherhandwerks und Parteischule zum Club und Tagungshotel "Preußischer Hof" umfunktioniert wurde. 1999 erhielt das neu erbaute Reit- und Veranstaltungszentrum in Neustadt/Dosse ihm zu Ehren den Namen "Graf-von-Lindenau-Halle" (s. Bilder u.). Ebenso wie das Gestüt befindet sich auch diese Halle in dem nach dem Grafen benannten Stadtteil "Lindenau".


Außen- und Innenansichten der "Graf-von-Lindenau-Halle" des Reit-
und Veranstaltungszentrums von Neustadt/Dosse
Gut durchdachte und konsequent ausgeführte Maßnahmen
machten
ihn zum
Begründer der preußischen Landespferdezucht, wobei
die geregelte und gelenkte Landesbeschälung der Stuten mit
staatlichen
Hengsten von entscheidender Bedeutung war. Später, 1831, schreibt
er
76jährig das höchst interessante Buch "Bemerkungen
eines
Veteranen über edle Pferde", in dem er sich mit nicht annehmbaren
Auffassungen über Pferde und Pferdezucht auseinandersetzt.
Er wurde 1790 der Begründer und Generaldirektor der Königlichen Thierarzneischule zu Berlin, die nach über 200 Entwicklungsjahren heute im Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin weiter existiert.
Auf militärischem Gebiet stieg er bis zum preußischen Generalleutnant auf und nahm als Divisionär der Neumärkischen Landwehr an den Freiheitskriegen gegen Napoleon teil. Er war Träger des Ordens Pour le Merite, des Eisernen Kreuzes II., des Rothen Adler-Ordens und des russischen St. Annen-Ordens und wurde 1790 als Johanniter-Ritterin der Ordenskirche zu Sonnenburg bei Küstrin investiert. Er änderte daraufhin das reichsgräfliche Lindenau-Wappen (s. o.) in sein gräfliches Wappen mit achtzackigem Johanniterkreuzauf dem nun zweigeteilten Schild.
Als Krautjunker, wie er sich einmal nannte, besaß Carl Heinrich August Graf von Lindenau in seinem langen Leben nacheinander fünf Rittergüter: die in Machern und Zeititz bei Leipzig, in Klein-Glienicke bei Potsdam, in Büssow bei Friedeberg/Neumark und in Bahrensdorf bei Beeskow. In Büssow nannte er zum Andenken an die sächsische Heimat sein 3 km entferntes Vorwerk: Machern. Später entwickelte sich daraus unter dem Namen Machern in der Neumark ein selbständiger Ort mit Rittergut, der seit 1945 in Polen liegt und von da ab auf Polnisch Machary heißt.
Seine Frau ist seit 1780 Christiane Henriette von Arnim (1762-1833) aus Annaburg gewesen. Ihre Ehe blieb kinderlos. Am 11. August 1842 verstarb er im Alter von 87 Jahren in Bahrensdorf. Die von ihm einst in Rußland gekauften 5 schwarzen Orlow-Traber zogen seinen Sarg in das 24 km entfernte Lieberose, wo er auf dem Städtischen Friedhof neben seiner Frau und dem dortigen Freundespaar, dem Grafen Friedrich von der Schulenburg (gest. 1847) und Frau Auguste (gest. 1838), zur letzten Ruhe begraben liegt. Auf der gemeinsamen Grabstätte stehen nebeneinander 4 große eiserne Kreuze mit ihren Namen (s. Bild u.).

Die Grabstätte derer von Lindenau und derer von der Schulenburg
in Lieberose (die Anlage wurde 2008 restauriert):