Wappen
derer von Lindenau (1):
das älteste, jüngste und schönste
Die
Edlen von Lindenau gehören dem Meißnerschen Uradel an und leiten
ihren
Namen
von dem Ort Lindenau bei Leipzig ab,
der als ihr Stammsitz angesehen wird. Weitere
Stammsitze waren Machern bei Wurzen, Polenz
und Ammelshain bei Grimma sowie Schmorkau bei Altenburg. Dort
besaßen sie Rittergüter und engagierten sich über die Jahrhunderte
oft
in
exponierter Stellung für ihre
Landesfürsten (so
als Ritter,
Offiziere, Kammerherren, Kammerjunker, Amtshauptmänner,
Staatsminister,
Oberhofmundschenk, Stall-, Oberstall-, Oberforst-, Oberwild-,
Oberfisch- und
Oberküchenmeister u. a.).

Die von
Lindenau führten ein Ritterwappen mit
einem
entwurzelten Lindenbaum und drei Rosen im Triangel
auf dem Wappenschild,
der geschmückt
war mit einem geöffneten Turnierhelm,
zwei Kelchen mit Straußenfedern und
Helmdecken.
(Siebmachersches Wappenbuch:
Sächsischer Adel, Bd. II, 3, 1765)
Anknüpfend
an das Lindenau-Wappen, nutzt die (christliche) Gemeinde Lindenau ein
ähnliches Schildsymbol auf ihrer Flagge mit
griechischen Kreuzen wie ihre früheren Herren, die Lindenaus, und weist
damit ebenfalls wie diese auf den Lindenwuchs
in ihrem Auenwohnort hin (Bild u.).

Nathanaelkirche
Lindenau:
Wappenfahne in
derAusstellung
"800
Jahre
Lindenau" (Leipzig 2002).
Das ältestes Lindenau-Wappen
(als
Ritterwappen in der Kirche von Machern)

Im jar 1536
ist in
Gott vorschiden der gestrenge und vest
wolff von lind
enaw der elter ---
----------------ist alhie begraben dem Gott
gnedig sei .
Diese Grabplatte wurde schon einmal 1898
in dem
Buch "Bau- und Kunstdenkmäler des
Königreichs Sachsen" von Cornelius
Gurlitt beschrieben und fast ebenso gedeutet, nur ohne
"der
elter" und mit einem "und" vor dem "ist".
Zu der
damaligen Zeit lebte in Machern noch ein anderer Wolff von
Lindenau (1519-1589), der 1561 als Nachfolger
von Heinrich von Lindenau
der Erb- und Lehnsherr von Machern wurde.
Er war der jüngere Stiefbruder von
Wolff und Heinrich von Lindenau und stammte aus der zweiten Ehe
ihres Vaters Albrecht von Lindenau (M. Samuel Schneider, Pastor
von Gerichshayn: "Nachrichten von dem adlich Lindenauischen
Geschlechte, ältere Linie, zu Machern" in G. I. Grundig : "Sammlung
von
vermischten Nachrichten zur Sächsischen Geschichte" 6. Band, 1771,
Chemnitz).
Das jüngste Lindenau-Wappen
(als Ritterwappen am Treppenturm von
Schloß Machern)
Es befindet sich außen über der Tür zum Innenhof und ist die
Sandsteinkopie des
vormals stark verwitterten Lindenau-Wappens. Der Bildhauer Fritz
Böhme
aus Hohndorf fertige diese Kopie 1991 nach
einer Fotografie an (siehe Bilder). Sie stellt das jüngste eherne
Lindenau-Wappen
dar.

Das jüngste
Lindenau-Wappen ist eine Kopie von 1991
(l.) des alten, verwitterten
Wappens (r.)
Das schönste Lindenau-Wappen
(als Grafenwappen über dem
Eingangsportal von Schloß
Machern)
Das Lindenauische
Grafenwappen in Stein am Schloß zu Machern (l.) und als farbiges
Papierbild in
der Beilage zum Gnadenbrief im Thüringischen Staatsarchiv Altenburg
(s.u.)
In
der Beilage
zum Gnadenbrief Kaisers Franz I. vom 8. 8. 1764 zur Erhebung in den
Reichsgrafenstand von Heinrich Gottlieb von Lindenau,
Kurfürstlich-Sächsischer Oberstallmeister und Erb-, Lehn- und
Gerichtsherr auf
Machern (1723-1789) heißt es:
"...Wir obenerwehnten Heinrich
Gottlieb des
heiligen Römischen Reichs Grafen von Lindenau die besondere Kaiserliche
Gnade
gethan, und ihn sein bisher geführtes alt adliches Ritter und
turniermäßiges
Wappen nicht nur bestätigt sondern auch vermehret, und hierfüro zu
allen Zeiten
zu führen und zu gebrauchen gegönnet und erlaubet haben."
Diese
„Vermehrung“ erstreckt sich auf die Grafenkrone
über dem Schild mit den 9 Edelsteinen an den Zacken, auf die beiden
geöffneten
und geschmückten Turnierhelme mit den Pfauenfedern und den
Büffelhörnern mit
gekreuzten Lanzen sowie auf die oben
zentrierte Rose, auf den geschmückten Stechhelm an der rechten Seite
des
Schildes und auf den Löwen mit Lanze als Schildhalter auf der anderen
Seite.
Mit der
kaiserlichen Vermehrung des Grafenwappens
hat die am Steinwappen unten
angebrachte Darstellung eines Ordens nichts zu tun. Es handelt sich um
den russischen
Alexander-Newski-Orden, dessen Träger Heinrich Gottlieb Graf von
Lindenau diese
seine Auszeichnung auf diese Weise zur öffentlichen Kenntnis gibt.
Drei
weitere dieser Grafenwappen existieren noch,
und zwar zwei aus Stein , jeweils eins am Altan von Schloß
Machern und eins im Kulturhistorischen
Museum von Wurzen als geborgener, aber beschädigter Türschlussstein der
1919
abgebrannten Wurzener Stadtmühle, deren Besitzer der Graf war, und das
dritte
als gusseisernes Relief am Ofen in der Patronatsloge der
Kirche zu
Machern.
Wappen derer von Lindenau
(2):
das größte, kleinste und härteste
Das größte Lindenau-Wappen
(als
Teil des Allianzwappens auf dem Treppenpavillon
von Schloß Vitzenburg)
Im Jahre 1748 heiratete der Hofrath Friedrich Moritz von Heßler aus Vitzenburg bei Nebra an der Unstrut die 23-jährige Christiane Elisabeth von Lindenau,Tochter des Macherner Rittergutsbesitzers Gottfried Anshelm von Lindenau. Sie war die jüngere Schwester des späteren Grafen Heinrich Gottlieb von Lindenau. In den Jahren 1764 bis 1767 errichtete Heßler auf alten Fundamenten das neue Schloß Vitzenburg im Barockstil mit einem Treppenpavillon, auf dessen Dach sich eine große Skulpturengruppe aus Sandstein ausbreitet. Ihren Mittelpunkt bildet das große Allianzwappen mit den beiden Schilden der Wappen derer von Heßler und derer von Lindenau , das von einer fünfzackigen Adelskrone überspannt wird.

Die Ehe
der Heßler/Lindenau blieb kinderlos. Das
Schloß Vitzenburg erbte 1803 Heßlers
älteste Schwester. Die
Besitzer hießen nun von der Schulenburg-Heßler,
danach ab 1930 von Münchhausen. 1947 erfolgten Enteignung und
Bodenreform. Das
Schloß Vitzenburg wurde auf verschiedene Weise weiter genutzt, anfangs
als Landwirtschaftsschule mit Schulgut,
die der
Autor dieser Zeilen 1948/49 als
Internatsschüler ("Schloßbewohner") absolvierte. Das
Allianzwappen mit dem
Lindenauischen
Wappenschild hatte er damals allerdings
auf dem Treppenpavillon des Schlosses nicht wahrgenommen.
Erst 2002 erhielt er erstaunt davon Kenntnis.
Das kleinste Lindenau-Wappen
(als Teil eines Allianzwappens auf einem Goldring in
den USA)
Wappendarstellung
auf dem Goldring direkt (Bild l.) und als fiktiver
Siegelabdruck (Bild r.) horizontal
gespiegelt, mit anderer
Aufnahmentechnik

Wappen der im Bild benannten Adelsfamilie
*Ergänzung zu von Trebra-Lindenau:
Felicie
von Petrikowski-Lindenau, Enkelin von
Gottlob
Heinrich von Lindenau (1755-1830) und Erbin seines Rittergutes
Polenz, heiratete
1841 Johannes von Trebra. 1854 wurde die
königlich-sächsische Namensvereinigung
zu von Trebra-Lindenau erlaubt, nicht aber die Vereinigung ihrer
Wappen. Die Familie der Felicie von
Petrikowski-Lindenau hatte schon seit 1825 ein vereinigtes Wappen mit
Stern, Fuchs und Mauer (Petrikowski) sowie mit entwurzeltem Lindenbaum
und 3 Rosen
(Lindenau) (s. u.). Ihre
Eltern waren August Gottlieb von
Petrikowski und Sidonie geborene von Lindenau (Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der
Adligen Häuser.1904).

