Machern hat's weiterhin in sich
1. Ehrwürdiges, Künstlerisches und Erfreuliches
Der Titel dieses Beitrages lehnt sich an den von Georgine Hammer
an: "Machern hat's in sich".(Dank an Harald Blei aus Machern
für den Hinweis). Sie wohnte im Macherner Waldwinkel und wurde gebeten,
für den "Heimatkalender der Kreise Wurzen, Oschatz, Grimma 1965" einen
Artikel zu schreiben mit der Vorgabe: "Machern mal anders, mehr so,
wie eine Künstlerin es sieht". Sie schaffte es gut und fügte
ihm 4 ihrer Federzeichnungen bei. Zwei werden wiedergegeben und können
39 Jahre später als bildliche Remeniszenzen mit Bildern von Heute
verglichen werden (s. aber auch Machern
im Internet).
Da ist als erstes das Bild mit den Schwänen vor der Tür zum
Kellergewölbe an der Südostecke des Macherner Schlosses.Das Kellergewölbe
diente damals den Schwänen als Überwinterungsquartier wie schon
früher auch, so vor 1838, als der Wallteich sein Wasser noch an die
Schlossmauern plätschern ließ und fasst bis an diese Tür
trat. Jetzt ist es dort trocken. Früher wurden die Flügel der
Schwäne beschnitten, um ihr Hierbleiben zu veranlassen. Sie
mussten aber dann in der Winterzeit von den Menschen gefüttert
werden, so wie vor 7-9 Jahren der Schwan
Hans-Heinrich vom Mühlteich bei Familie Sack im Winterquartier
auf dem Lanz-Bulldog-Hof in Machern. Durch einen Schwungfederschaden war
er flugunfähig gewesen (s. LVZ/Mulden-spiegel 18.5.1998).
Schwäne am Macherner Schloss
(von Georgine Hammer, 1965)
Wichtiger als die Schwanengeschichte ist die historische Bildaussage,
die das Baujahr des Schlossgewölbes mit 1566 nennt. Auf diesen
Türsturz mit dieser Inschrift verweisen schon Dr. Christoph Bormann
1991 in der Broschüre "Schloß und Landschaftsgarten Machern"
und Roland Dix 1995 in "Der Landschaftsgarten zu Machern" , allerdings
ohne Angabe des genauen Ortes seiner Befindlichkeit.
Das Bild zeigt den heutigen, leider sehr schlechten Zustand dieses historisch
wertvollen Türsturzes am Schloss Machern mit der durch Sandsteinverwitterung
und unaufmerksame Verputzungsarbeiten kaum noch lesbaren Jahreszahl
1566.
Eine erfreuliche Kunde für viele ist die Rückkehr des Schwanenpaares
Romeo und Julia aus ihrem Überwinterungsort am 24. 3. 2004 und
die erfolgreiche Bewältigung ihres Brutgeschäftes. Am 19. Mai
kreuzte es erstmalig mit seinen 5 Dunenschwänchen Jahrgang 2004, gerade
2-3 Tage alt, auf dem Schwemmteich (Bild u.):
Schloss Machern im Mai 2004
Eingerahmt links von der großen Platane und rechts von dem wieder
fulminant blühenden Blauglockenbaum (Paulownia tomentosa) sowie davor
von
verschiedenfarbigen japanischen Azaleen.
Am Schloss unter dem voll blühenden Blauglockenbaum waren fleißige
"alternative moderne Schafe" mit der Wiesenpflege zur Platzvorbereitung
für die Pfingstfestlichkeiten zum 125 jährigen Gründungsjubiläum
der Freiwilligen Feuerwehr Machern beschäftigt.

Auf dem Bild (o.) ist die Kaminhalle des Macherner Schlosses im Osterschmuck
2004 zu sehen mit dem Portrait des Grafen Heinrich Gottlieb von Lindenau.
Er ist der Besitzer des Schlosses von 1749 bis zu seinem Tod 1789 gewesen.
Das Portrait ist eine Brustbildkopie von dem lebensgroßen Grafenbild
in der Macherner Kirche, die Volker Pohlenz, ein Tübke Schüler,
1996 gemalt hat.
Ritterburg im Schlosspark zu Machern
Fast 15 Jahre dauerten die Restaurierungsarbeiten an der Ritterburg im
Macherner Landschaftsgarten, ehe sie 2003 mit einer Reihe wesentlicher
Neuerungen im Sanitär-, Elektro- und Sicherheitsbereich weitgehend
abgeschlossen werden konnten. Nun harrt sie, erbaut 1795/96 unter Carl
Heinrich August Graf von Lindenau, dem Sohn des oben genannten Grafen,
ihrer weiteren Aufgaben im Kultur- und Veranstaltungsbereich. Der Grafen-Sohn
wird dort im Kamin- bzw. Balkonzimmer (4. Etage) mit Portrait und Wappen
geehrt ( Bild o.). Am 21. Februar 2005 jährt sich sein Geburtstag
zum 250. Male.
2. Schönes, Neues und Interessantes
Die zweite Federzeichnung
von Georgine Hammer zeigt das alte Fachwerkhaus der Bauernfamilie
Schumann im Jahre 1964/65 (s/w Bild u.). Der Bauernhof gehörte
zuletzt der Familie Karl Schumann und wurde bewohnt von der Famile seiner
Schwester Elsa Härtel. Nach dem Verkauf des Anwesens an die ZBO Machern
wurden um 1970 das Fachwerkhaus und später auch die Scheune aus Altersgründen
abgerissen. Nach 1990 erwarb die Sparkasse Wurzen, die spätere Sparkasse
Muldental, das gesamte Bauernhofgelände und errichtete auf dem Platz
des Fachwerkhauses ein neues Gebäude, äußerlich
dem alte Fachwerkbau nachempfunden, aber in den Ausmaßen größer.
Das zeigt der Bildvergleich der Häusergiebel (s. o.). Das untere
Bild wurde am 2. 4. 2004 aufgenommen.
Die Bauehrung des prachtvollen neuen Hauses und die Eröffnungsfeier
der Sparkasse fanden am 7. Juli 1993 statt. Bis 2003 war im 1. Stock noch
die Gemeindebibliothek von Machern untergebracht gewesen. Beide Bildmotive
vom alten und neuen Haus sind durch die gegebene Nachbarschaft zur Kirche
und zum Pfarramt besonders reizvoll anzusehen.
Andere neue und erneuerte Gebäude und Gebäudewandkunst in Machern
2002/2003 wurde der Gebäudekomplex der Orangerie mit Gemeindebibliothek,
Seniorentreff, Sportgaststätte mit Freisitz, Kegelbahn (im Bild
o.l.) und Wohnungsteil mit Dachterrasse umfassend renoviert und
zusätzlich 4 große Garagen an der Nordwand der Orangerie
für den Fuhrpark der Gemeinde angebaut (im Bild o. r.). Das Bild (o.)
zeigt den Orangerie-Komplex von der Nordseite, das Bild (u.) von der Südseite:
Kommt man in Machern von der Püchauer Straße aus die Bergstraße
herauf, so löst dort seit kurzem das neue Straßen-
und Häuserbild (Bild u.) ein wahrhaft positives Erstaunen aus:
Zum geschmackvollen Eingangsbereich des Wohnparks Kirchgasse, der auf dem
vormaligen Gelände der Schäferei erbaut wurde, ziehen, neu gemacht,
die Straße und der Fußweg mit der begrenzenden niedrigen Sichtmauer
entlang, links daneben ein Parkplatz, wo bis 2002 die alte Kantorei
stand, die auch einmal Schule und zuletzt Recyclinghof war. Auf der rechten
Seite steht das Haus der Familie Schmidgen und "grüßt" mit neuem
Dach und Terrakotta-Hahn.
Das 1996 erbaute Haus der Familie Goritzka in der Goethestraße
erhielt
straßenseitig an der Giebelwand ein keramisches Kunstwerk
(Bild u.).
Es bezieht mehrere expressionistische Darstellungen auf schönen und
farblich gut abgestimmten Fließen ein, auch Handformfließen
sind darunter, und besteht aus vier Teilen. Mit ihm hat der Leipziger
Künstler Frieder Heinze, einst Student bei Tübke, Heißig
und Mattheuer, einen sehenswerten zeitlosen "Hingucker" geschaffen.
Die beiden Ohrmuschelbilder verweisen andeutungsweise auf die berufliche
Tätigkeit des Hausherrn, auf die "goritzka akustik". Der fischtragende
Adam kommt dem Wunsche der Hausherrin nach, keinen ganz entblößten
Mann in voller Größe zu präsentieren.
Die Kindertagesstätte "Märchengarten" in Gerichshain, einem
Ortsteil von Machern, besitzt seit 1993 das große Wandgemälde
"Fest der Märchenfiguren", das Volker
Pohlenz, ein Schüler von Tübke, gemalt hat (Bild u.).
10 Märchen verbergen sich zum Raten für die Kinder und Erwachsenen
hinter den Figuren, deren Anordnung der Künstler dem berühmten
Bellini-Gemälde "Fest der Götter" nachempfunden hat (LVZ/Wurz.
Tageblatt 1. 11. 2001).
2001 wurde die Giebelwand des Reisebüros Manig & Co.in der
Dorfstraße zum unten angegebenen Thema von Fischer
art Leipzig neu gestaltet (Bild u.). Da im Dezember 2003 das Reisebüro
neue Geschäftsräume auf dem Schloßplatz bezog und das Dienstleistungszentrum,
das die Räume in der Dorfstraße übernahm, an dem Wandbild
nicht interessiert war, wurde es im Mai/Juni 2004 blaugrau überstrichen.
"Von Machern an die Meeresstrände der weiten Welt!"
Giebelwandbild in der Dorfstraße 2001 bis 2004
Am Wirtschaftsgebäude im Hof des früher neubäuerlichen
Anwesens von Reinhard
und Maritta Schulze in der Brandiser Straße befindet sich
seit 2003 ein großes
Wandbild zum Thema "Wildtiere in Teich- und Waldlandschaft"
vom Otterwischer Maler und Grafiker Thomas Nevrly.
Es drückt eine große und liebevolle Verbundenheit zu der
Machern umgebenden Natur aus. Auf ihm sind als Hauptfiguren Wildenten,
Fischotter und Fuchs zu sehen (Bild o.).
Einst Brauerei der Lindenaus, dann Brennerei der Schnetgers
auf
dem Ökonomiehof des Macherner Rittergutes, dann volkseigenes
Wirtschaftsgebäude mit Waschstützpunkt auf dem August-Bebel-Platz,
dann gemeindeeigenes Wirtschafts- und Geschäftsgebäude auf dem
Schloßplatz, nun "Schnetgers Hof", das auf den alten Grundmauern
neu erbaute Wohn- und Geschäftshaus von J. Wilms (MTL Immobilien
Wurzen) auf dem Schloßplatz (Bilder u.):
Schloßplatzseite
Dorfstraßenseite
Einst Wirtschaftsgebäude des Rittergutes der Lindenaus und
Schnetgers, dann teilweise genutzt als Schule, Neubauernstelle, Elektogeschäfts-
und Sparkassenräume sowie Wohnung, wurden sie in den Jahren
ab 2002 renoviert. Jetzt ab Dezember 2004 dort das Restaurant "Zum
alten Zollhaus" mit Eiscafé und Vergnügungssaal. (Der Restaurantname
hat keinen geschichtlichen Bezug zu Machern.)
Restaurant mit Eiscafé "Zum alten Zollhaus"
3. Farbiges (Nachtrag)
Hier und dort begegnet man in Macherns Öffentlichkeit
immer wieder weitere naturell, technisch oder künstlerisch entstandene
Farbflecken, oft in phantastisch leuchtenden Farben, die große Freude
und gute Stimmung auszulösen vermögen. Auch der futurisch anmutende
Gaense-Further Colani-Aktion-Truck vor dem Konsum in der Ortsmitte zählt
dazu (s. Bilder).
Gelber Raps und grüne Bäume
vor den weißen Häusern der Polenzer Straße (18. 5. 2005)
Rotes und grünes Weinlaub an Wagners
Marstallwand am Bahnweg:
Rot (25. 10. 2004)
Grün (18. 5. 2005)
Blau und Grün auf Greilings Garagenwandbild
in der Schloßgasse (9. 10. 2004)
Blau und Silber vom Colani-Truck vor dem Dachrot
der
Verkaufsstelle des Konsums, der den 155. Geburtstag der ersten deutschen
und gleichzeitig seiner Konsumgenossenschaft Eilenburg mit Aktionen feierte
und hier die Gaense-Further Schlossquelle feil bot.
(11. 7. 2005) (Foto: Konsum)
Machern, 06. 08. 2004/ Prof.
Dr. Heinz Mielke
Nachtrag: 24. 08. 2005