Von 1806 bis 1945 waren die Schnetgers die Besitzer des Rittergutes
Machern und auch die Patronatsherrschaft des Ortes. 1906 feierte die
Familie
von Paul und Hildegard Schnetger den 100-jährigen Familienbesitz.
Während der Feierlichkeiten wurde im Park gegenüber vom
Schloss ein großer Gedenkstein mit einer Bronzetafel
enthüllt.
Auf ihr war das Wappen der Schnetgers und die Aufschrift angebracht:
1806-1906:
100
Jahre Familie Schnetger auf Machern April 1906. Diese Tafel
ging
1945 in Verlust, als die Schnetgers durch die Bodenreform enteignet
wurden.
Ihr Enkel, Prof. Dr. Jochen Schnetger, ließ die Tafel mit der
gleichen
Aufschrift neu gießen, zusätzlich mit dem Vermerk:
Erneuert
1991.
Aus demselben Anlass schenkten Paul und Hildegard Schnetger der
Macherner
Kirche für die Patronatsloge zwei Buntglasfenster: das eine mit
dem
Wappen
der Schnetgers, das andere mit dem Konterfei ihres Macherner Urahns
Gottfried Wilhelm Schnetger (Bild).

Gottfried Wilhelm Schnetger (1770-1861) war ein reicher Leipziger
Kaufmann,
der 1797 Henriette Charlotte Hansen (1771-1830), die Tochter des
Leipziger
Ratsherrn und Baumeisters Justus Heinrich Hansen geheiratet
hatte.
Er kaufte 1806 das Rittergut Machern und bewirtschaftete es
erfolgreich,
wie es auch seine 3 Nachfahren taten.
Das
farbige
Konterfei des Buntglasfensters in der Macherner Kirche ist eine
Teilreplik
des Porträtgemäldes, das Johann Friedrich August
Tischbein
1802
von Gottfried und Henriette Schnetger malte und das sich bis 1945/46 im
Schloss zu Machern befand (Bild). Der Replikkünstler des
Buntglasbildes
ist nicht bekannt.
Johann Friedrich August Tischbein ist einer der drei aus der
Tischbein-Künstlerdynastie,
denen das Museum der bildenden Künste Leipzig von März bis
Juni
2006 die Sonderausstellung "3x Tischbein" gewidmet hatte. Johann
Friedrich
August Tischbein (1750-1812) wirkte viele Jahre in Leipzig und wird
auch
"der Leipziger Tischbein" genannt. 1800 trat er die Nachfolge von Adam
Friedrich Oeser als Direktor der Zeichen- und Malakademie von Leipzig
an.
In seiner Porträtmalerei hebt er mit großer Empfindsamkeit
Charakter
und Stimmungswerte hervor. Er wird mit über 180 Gemälden zu
den
produktivsten und beliebtesten Porträtisten des Leipziger
Bürgertums.
Neben dem Gemälde des Ehepaares Schnetger malte er u. a. die
Familie
des Bankiers Löhr, Familienbilder des Kaufherrn Dufour-Feronce und
mehrfach seine eigene. Auf der Sonderausstellung wurden etwa 15
Gemälde
von ihm gezeigt, darunter die hier genannten und das von Friedrich
Schiller.
Allerdings nicht dabei war das von den Schnetgers. Deshalb kann
Machern
stolz sein, zumindest die hier vorgestellte Teilreplik "Gottfried
Wilhelm
Schnetger" eines Gemäldes vom "Leipziger Tischbein" als
Buntglasfenster
in der Kirche zu besitzen.