
Während der Heimatverein Ablaß/Grauschwitz (Vorsitzender
S. Kretschmar) bisher nichts über die von Schellenberg in
Grauschwitz
auffinden konnte, erhielt der Autor dieses Artikels von den
Augustusburgern,
von Dr. R. Wirth, eine spezielle Anfrage zum Lindenau-Wappen. Er wollte
wissen, ob das Lindenauische Ritterwappen mit dem entwurzelten Baum und
den 3 Rosen etwa durch die Heirat von Heinrich von Lindenau und Gertrud
von Schellenberg enstanden ist. Denn im Ritterwappen der Schellenbergs
sind allein 3 Rosen enthalten. Er fragte an, ob das Wappen der
Lindenaus
mit Baum und 3 Rosen früher vielleicht nur den Baum allein im
Schild
hatte (s. beide Wappenbilder aus "Siebmachers Wappenbuch").
Das konnte auf die Zeit der genannten Heirat bezogen aber eindeutig
verneint
werden anhand der Wappenbildern in der Lindenau-Ausstellung im
Schloss
zu Machern, wo das Wappen von Ritter Albrecht von Lindenau aus
Machern
schon 1453 auf dem Schild den Baum und die roten 3 Rosen aufweist.
Im Zusammenhang mit dieser genannten Wappennachfrage aus Augustusburg
erinnerte sich der Autor an die von ihm vor 11 Jahre
fotografierten
5 Grabplatten der Lindenaus aus dem 16. und 17. Jahrhundert in und an
der
Kirche von Machern, von denen Gurlitt nur 4 in seinem Buch "Beschreibende
Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des
Königreichs
Sachsen" 1898 beschrieben hatte. Eine Grabplatte von
1549
aus Rochlitzer Porphyr fehlt in Gurlitts Beschreibungen. Sie wurde
daher
auch vom Autor nicht weiter beachtet, zumal das Wappenbild nur 3
Rosen und keinen Baum aufwies und die In- oder Umschrift schwer lesbar
ist (s. Bild). Jetzt aber gab es einen Grund zur Nachforschung, die
dann
zu der Erkenntnis führte, dass es die Grabplatte von Gertrud von
Schellenberg
ist, die 1524 mit Heinrich von Lindenau die Ehe einging. Gurlitt
konnte diese Grabplatte damals vor über 100 Jahren nicht
beschreiben
und in sein Buch aufnehmen, da sie sich noch unentdeckt im Erdboden
unter
der Kirche von Machern befand.
Die Enträtselung:
Nach Aussagen des heute in Chemnitz im Ruhestand lebenden und
vormaligen Pfarrers in Machern, Harry Bachmann, wurde 1970 bis 1974
eine
umfassende Innenrenovierung der Macherner Kirche durchgeführt.
Neben
der Rückversetzung der Patronatsloge wurde neben anderen
Maßnahmen
vor allem der Fußboden des Kirchenschiffs gründlich
erneuert.
Bei der Entfernung der alten Dielen stieß man 1971 auf eine
Grabplatte
aus Rochlitzer Porphyrtuff mit den Ausmaßen von 75x 165 cm, die
gereinigt
und neben den schon vorhanden 3 alten als 4.Grabplatte der Lindenaus an
der
Westwand im Innern des Kirchenschiffes aufgestellt und befestigt wurde
(s. Bild).
Meldungen an den Denkmalschutz und die Enträtselung der Inschrift und des Wappens waren wohl nicht veranlasst worden. Eine lapidare Erwähnung dieser Grabplatte findet sich im Buch von Manfred Müller "Von Dorf zu Dorf im Muldentalkreis" (2004, Bd. 2, S. 87). Dort heißt es auf die Macherner Kirchen bezogen: "Epitaph aus Rochlitzer Porphyr von 1549 ".
Eine
Auswertung
der Umschrift direkt an der Grabplatte am 14. 2. 2006 durch den
Autor
ergab:
Randzeile oben: Im iar 1549 im 15
Randzeile rechts: des mertzen ist in Gott vorschiden
die erbare und tugend
Randzeile unten: same fraw geberofern
Randzeile links: im shlagehaus fraw gerud
von lindenaw der Gott gnedig sei
Nicht eindeutig lesbar sind die Wörter geberofern,
shlagehaus
und gerud, wobei das letzte Wort auch als herud
gelesen werden könnte. In
späteren
Schriften liest man dann für diese 1549 Verstorbene nur noch
Gerdrudi (Mencke), Gertaut, (Schneider), Gertraud
(Beyreuther) und Gertrud (Köhler).
Das Wappen derer von Schellenberg stellt sich auf der Grabplatte sehr
deutlich dar mit 9 + 2 gestiehlten Sternen und anderweitig
geschmücktem
Ritterhelm über einem Schild mit 3 Rosen (s. Grabplattenbild). Im
Vergleich mit der entsprechenden farbigen Wappendarstellung (s. Bild)
sind
dort anstelle der beiden langgestiehlten Sterne zwei gestiehlte
Rohrkolben
vorhanden.
Auf der Grabplatte ist der 4-Zeilentext
unter dem Wappen jetzt auch enträtselt.
Die enträtselte Grabplatte ist das Epitaphium von Gertrud
von Lindenau geborene von Schellenberg, aus deren Ehe mit Heinrich
von Lindenau 2 Töchter entstammen, wie vom Heimatverein
Augustusburg
in Erfahrung gebracht werden konnte: Sibylle von Lindenau, verheiratet
mit Christoph von Minckwitz, und Margarethe von Lindenau, verheiratet
1551
mit Balthasar von Taupadl, gestorben 1552 im Kindbett.