Bericht zur
Enträtselung des Epigramms auf dem Epitaph
von Ivo
Gottwald
"Danke für die
Puzzel-Aufgabe, die
mich aus Ihrer Hand über Prof. Dr. Joachim Schulz, den
stellvertretenden Vorsitzenden der
Deutsch-griechischen Gesellschaft „Griechenhaus Leipzig“, erreicht
hat.
Was die Inschrift
in der Kirche von Machern auf dem Epitaph von 1549 betrifft, so ist sie
einerseits nicht sonderlich spektakulär, andererseits aber ziemlich
interessant. Sie lautet ediert und übersetzt nach meiner Ansicht so:
Die Inschrift in der
Transkription und im Lesetext:
Zeile
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Transkription
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Lesetext
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1
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HOSSVBIITTVMULOSIN
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Hos subiit tumulos in
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2
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CHRISTOMORTVACŌIVNX
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Christo mortua co(n)iunx.
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3
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SICVTADEXTREMŪ
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Sicut ad extremu(m)
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4
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SITREDIVIVADIEM
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Sit rediviva diem.
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Übersetzung
ins Deutsche:
In dieses Grab ging die in
Christus verstorbene Ehefrau ein.
Möge sie gleichsam am Jüngsten Tag
auferstehen.
Insoweit
also eine freundliche Grabinschrift. Interessant macht sie, dass die
Worte der Grabinschrift, das
Epigramm, ein Versmaß ergeben, und zwar ein so genanntes elegisches Distichon (elegischer
Zweivers) mit einem Hexameter- plus
einem Pentameter-Vers.
Dieses Versmaß verwandten die
Griechen und Römer zu einem für ihre
Elegien (Klage-Gedichte). In solchen Klage-Gedichten ging es häufig um unglückliche Liebe, was
zur Folge
hatte, dass die Römer schließlich das elegische Distichon für jede Art
der
Liebesdichtung nutzten: wo ein römischer Leser ein Gedicht in
elegischem
Distichon vorfand, durfte er annehmen, irgendetwas (Schönes, Lustiges,
Trauriges, Deprimierendes, Launisches, Belehrendes...) über die Liebe
zu
erfahren.
Dem
elegischen Distichon ward aber noch eine andere Aufgabe zu teil: Es war
das Versmaß für Epigramme, also für die Weih- und Grabinschriften. Als
es
nun in
der Renaissance und
im
Humanismus zur
Wiederentdeckung der Antike kam,
erlebten die Epigramme im besagten Versmaß ihre Wiedergeburt. So auch
in der
vorliegenden Grabinschrift, deren Verse so gelesen werden müssten, wie
es die
angegebenen Betonungszeichen anzeigen:
Hós
subiít tumulós in Chrísto mórtua cóniunx.
Sícut
ad éxtremúm sít redivíva diém."