Einige besondere
Beobachtungen an
den Sonnen- und Turmuhren in der Gemeinde Machern
Gegenwärtig
gibt es in der Gemeinde Machern mit ihren 7 Ortsteilen (Machern,
Gerichshain,
Posthausen, Püchau, Plagwitz, Lübschütz und
Dögnitz) zwei Sonnen- und
vier
große Turmuhren. Anlass zu besonderen Beobachtungen war in diesem
Sommer die
Beschäftigung mit der Püchauer Sonnenuhr, die
sich
neben der dortigen Kirche befindet und die seit ihrer Restaurierung
1992/93
die Zeit falsch anzeigt. Die Ursache dafür wurde gefunden, der Weg der
Beseitigung noch
nicht, aber dafür ein neues Problem. Auf dem Sandstein-Zifferblatt
dieser
Sonnenuhr wurden unerwartet sowohl eine richtige
römische IV, als auch eine "falsche" römische IIII entdeckt, ohne bisher deren Sinn
und Zweck herausgefunden zu haben. Vielleicht sind es nur
Designprobleme
(Bilder).

Horizontalsonnenuhr: Postament mit
Zifferblatt, 51,3°-Pol- bzw. Schattenstab und senkrechter
Haltestab, beide aus Eisen, die bei der Restaurierung falsch im
Zifferblatt
lokalisiert wurden.
Der
Polstab muss schräg von Süd nach Nord
gerichtet sein, und zwar von dort, wo jetzt
der senkrechte Haltestab ausgeht (Bilder).
Ein
Experiment mit Zollstock als
51,3°-Schattenstab
zeigt mit seinem Schatten auf 13:30 Uhr und damit auf die
richtige Mitteleuropäische Zeit (MEZ), die
der
aktuellen Sommerzeit (MEZS) von 14:30 Uhr
entspricht. Dagegen zeigen die
Schatten der beiden Eisenstäbe in
Richtung 16:00 Uhr, also auf eine falsche Uhrzeit, bedingt
durch ihre falsche
Lokalisierung (Bilder).
Die
"falsche"
römische IIII ist für die meisten Menschen hier als weitgehend
fremd oder
als unbekannt zu bezeichnen, obwohl viele von ihnen öfter, ohne es wahr
zu
haben, also unbewusst, Sichtbeziehungen zu so einer "falschen"
römischen IIII herstellen, z.
B.
beim Blick auf die Turmuhren der drei Kirchen und des Schlosses in der
Gemeinde
Machern oder auf eine der teuren Armbanduhren in Schaufensterauslagen
in
Städten Brandis oder Leipzig.
Im
Gemeindeblatt Machern Nr. 97 (2002/2003) veröffentlichte der Autor das
Bild
(s. u.) eines der vier Zifferblätter der Machern Kirchturmuhr, die
1998
restauriert wurde. Von 1906 bis 1998
waren diese Zifferblätter der sichtbare Ausdruck der
Kirchturmuhr, die
ebenso wie deren heutige Nachfolgezifferblätter
alle die "falsche" römische IIII tragen.
sDamals bemerkte der Autor diese
Besonderheit
am Zifferblatt nicht. Auch die "falsche" römische IIII
auf der Uhr in seinem
Wohnzimmer entdeckte der Autor erst
kürzlich: C´est la vie - So ist das
Leben !
Die
Hauptdeutung dieser "falschen" römischen
IIII bezieht sich auf Symmetrie-
und Designfragen
und wird im Internet von Wolfgang Hoffmann beschrieben: "Ist
es IIII Uhr oder
IV
Uhr ?"( http://www.uhrenhanse.de/sammlerecke/wissenswertes/hoffmann.htm
)
Vertikalsonnenuhr
in Gerichshain: Die
besonderen Beobachtungen an der
Horizontalsonnenuhr in Püchau führten
zur Kenntnisnahme der
seit 1785 an der
Kirche von Gerichshain befindlichen Vertikalsonnenuhr. Sie
zeigt mit nord-süd gerichtetem 51,3°-Schattenstab bei Sonnenschein die
MEZ
weitgehend genau an auf dem exakt ost-west ausgerichteten Zifferblatt
mit
richtiger römischer IV.

Kirche in Gerichshain mit Turm- und
Sonnenuhr
Die Sonnenuhr von Gerichshain
Zusatzbemerkungen
zur Sonnenuhrthematik:
Neben
den
beiden beschriebenen Arten von Sonnenuhren gibt es noch eine weitere,
die Äquatorialsonnenuhr.
Sie zeigt die Stundenzeiten mit dem Schatten
des Polstabes, der den
Breitengradwinkel des Ortes berücksichtigt,
in gleichmäßigen 15°-Abständen auf einem metallischen
Kreisband
(Äquatorband) an. Eine solche Sonnenuhr wurde in der Gemeinde Machern
bisher
noch nicht gesichtet. Ein
guter
Platz für sie wäre am Wegesrand zwischen Schloss und großer
Schlosswiese. Als
weitere Anregung dazu sollen die beiden
Darstellungen der Äquatorialsonnenuhren
aus Sachsen und Westfalen dienen (Bilder).
Leipzig
(Sachsen): auf der Dahlienterrasse des
Clara-Zetkin-Parkes Holtwick
(Westfalen): auf einem Gartenplatz
Äquatorialsonnnenuhren
Eine
neue Sonnenuhr in Machern könnte gut
die Erinnerungen an den früher schon
einmal vorhandenen Parkschmuck in Form einer Sonnenuhr wecken und
bewahren. Es
ist
bekannt, dass im Englischen Dreieck des Macherner
Schloßparks schon vor mehr als 200 Jahren
eine Sonnenuhr
gestanden hat. Dazu schreiben: 1.
Andreae
1796 in "Machern.
Für Freunde der Gartenkunst" "Über
das Anlitz der Denkenden
Muse ist ernstes
Nachdenken verbreitet, und ihre Augen
scheinen sich nach einer nicht weit entfernten Urne zu wenden, an der
eine Universalsonnenuhr
angebracht ist." (Vergleiche im Bild u.). 2.
Glasewald 1799 in "Beschreibung des
Gartens zu Machern mit besonderer Berücksichtigung auf die in demselben
befindlichen Holzarten", bezogen auf
das Englische Dreieck im Park von Machern: "Links
befindet sich auf einem achteckigen Postamente eine Urne, auf welcher
an 4
Seiten Sonnenuhren
angebracht sind, zwischen
welchen sich Flügel befinden,
um
die Schnelligkeit der Zeit anzuzeigen".

Englisches Dreieck im Schloßpark zu
Machern 2011: Reste
des möglichen Postaments, das die Urne
mit 4 Sonnenuhren trug (vorn), die Denkende Muse (Polyhymnia) (rechts),
der
Springbrunnen und Parkbänke (links) (siehe Text).