Die von Carl Graf von Lindenau in Machern geschaffenen Park- und
Schloßsehenswürdigkeiten
und ihre möglichen Vorbilder an anderen Orten:
1. Der Schwemmteich mit Schneckenberg und Gotischer
Brücke
Einleitung
Der Schloßpark von Machern gehört mit zu den
schönsten
Landschaftsgärten in Sachsen. Er wurde in der Zeit von 1782 bis
1798
durch Carl Heinrich August Graf von Lindenau (1755-1842) geschaffen,
und
zwar im Gegensatz zum französischen Barockgarten als englischer
Landschaftsgarten,
der damals gerade in Mode kam. Dieser ist gekennzeichnet durch
geschlängelte
Wege im belassenen Gelände, Wasserflächen mit natürlich
geschwungenen Uferkanten, ohne axiale, aber mit malerischen
Sichtbezügen
auf eingestreute Bauten. Obwohl der Graf selbst nichts über
Pläne,
Arbeiten, Zielstellungen und Ergebnisse seines großzügigen
Gartenbauprojektes
berichtet hat, sorgte er jedoch mit einer gewissen Akribie für die
Veröffentlichung umfangreicher Beschreibungen und vieler Bilder
von
verschiedenen Autoren und Künstlern über seinen englischen
Landschaftsgarten.
Genannt seien nur die ausführlich bei Berit Ruge in ihrer
Magisterarbeit
am Berliner Kunsthistorischen Institut zum Thema „Der Landschaftsgarten
Machern“ (2000) zusammengestellten Bilder und Werke von Lange
(1795)
bei/und Andrae (1796), Döring (1796), Müller (1797),
Senff/Klinsky
(1799) sowieKlinsky/Darnstedt bei/und Glasewald (1799).
Zum besseren Verständnis des hier zu beschreibenden
Leipziger Vorbildes für die Anlage des Macherner
Landschaftsgartens
seien die guten Kenntnisse des Grafen über die Messestadt
Leipzig
genannt, wo er in den 1760er Jahren einige Zeit als Student
verbrachte,
wo seine Eltern und er selbst dann, ab 1789, alleiniger Besitzer des
berühmten
Auerbachs Hofes waren und wo er in diesem Zusammenhang zwischen 1780
und
1786, also zwischen Beendigung seines
kurfürstlich-sächsischen
und dem Beginn seines königlich-preußischen Militär-
und
Hofdienstes öfter in Vertretung seines Vaters in Leipzig zu tun
hatte.
Die Sehenswürdigkeiten
Heute gibt es im Macherner Park wie früher den 5,7 ha
großen Schwemmteich und die Brücke über den
Kanalzufluß.
Mehrfach erneuert, erinnert die Brücke in ihrer Gestalt heute
nicht
mehr an die Gotische Brücke, die wie die runde
Brücke
in Leipzig auch eine Stufenbrücke war (Bilder u.). Sie wird jetzt
Weiße oder Schwarze Brücke je nach ihrem renovierten
Anstrich
genannt. Die hier abgebildete Teilansicht (Bild u.) aus dem

"PLAN von denen Engl. neuen Garten Anlagen beym Graefl.
Lindenauschen
Rittergute Machern" von Lange (1795),
so der Titel im Original, zeigt die Lage des
Schwemmteiches,
der Gotischen Brücke und des Schneckenberges sowie der
damals
dort als Staffagen positionierten antiken Skulpturen, die alle als
Abgüsse
in der Rostischen Kunsthandlung zu Leipzig gekauft wurden. Auch
die
des Wäldchens mit dem Monument als Andenken an die Mutter des
Grafen
ist darauf gekennzeichnet. Zusammen mit den dort aufgestellten Skulpturen
Apollo, Amor, Caunus und Biblis sowie Silen (hinzu kam 1797
am
Südufer des Schwemmteiches noch die Skulptur der Göttin
Hygieia mit Tempel) erkennt man darin die
Genialität
des Carl Grafen von Lindenau, mit der er seine Kenntnisse über die
Schwanenteichanlage des englischen Gartens vor den Toren
Leipzigs
bei sich in Machern am Schwemmteich zu erweitern und umzusetzen
verstanden
hat in ein antikes griechisch-römisches Areal mit neogotischen
Zügen
(Gotische Brücke) in englischer Gartenanlage.

Gotische Brücke

Schneckenberg mit Aeolus-Tempel
Der in den 1780er Jahren errichtete Schneckenberg am
Ostufer
des Schwemmteiches ist schon lange nicht mehr vorhanden. Wann und wie
er
gebaut wurde, ist ebenso wenig bekannt, wie sein Verschwinden, wohl
aber
der Grund, den der Kantor und Oberlehrer Beyreuther 1938 in seinem Buch
"Machern - im Wandel der Zeit" anführt: "In der Nähe des
Schießhauses stand früher der Schneckenberg, der
gekrönt
war mit dem Aeolus-Tempel. Der Tempel glich mehr einer
Feldhütte
(Bild o.). Der Berg mußte später abgetragen werden, da er
von
Kaninchen vollständig unterwühlt war." Heute weist eine
Parktafel
mit Schrift und Bild auf den Schneckenberg mit dem Aeolus-Tempel,
dem Turm der Winde, hin, zu dem früher von vielen Uferstandorten
des
Schwemmteiches aus malerische Sichtbeziehungen bestanden.
Mögliche Vorbilder
Schwanenteichanlage mit
Schneckenberg
und runder Brücke in Leipzig
Nach dem Hubertusburger Frieden von 1763 (Ende des
Siebenjährigen
Krieges) hatte der Leipziger Rat vom Kurfürsten den Auftrag
erhalten,
die städtischen Wehranlagen abzutun. Als Baudirektor verwandelte
Johann
Carl Friedrich Dauth in den Jahren um 1784 den zugeschütteten
Wehrgraben
zwischen Hallischem und Grimmaischem Tor in die
Schwanenteichanlage,
die man mit dem Prädikat "Englischer Garten" versehen hat (s.
Topfstedt
u. Zwahr: "Leipzig um 1800" , Sax-Verlag S.143-162). Die
colorierte
Radierung "Der Schneckenberg von der runden Brücke" von Carl
Benjamin
Schwarz (Bild u.) spiegelt das mögliche Vorbild für die
beiden
Anlagen am Macherner Schwemmteich (Schneckenberg und Gotische
Brücke)
treffend wider. Man sieht auf dem Bild rechts vom Schneckenberg die
Universitätskirche
und hinter der runden Brücke weitere
Universitätsgebäude.
Sie gehört zur Folge "Romantische Gemählde" von 1784/85 und
befindet
sich im Kunstbesitz der Universität Leipzig. Erwähnt sei
noch,
dass das Gellert-Denkmal (Bild mit den 3 Putten; Kunstbesitz der
Universität
Leipzig) zwischen 1842 und 1864 auf dem Schneckenberg am Leipziger
Schwanenteich
stand und ihn krönte, wie auch der Aeolus-Tempel den
gleichnamigen Berg in Machern . Das Gellert-Denkmal mußte dem
Neubau des Neuen Theaters
(der heutigen Oper) weichen, das dort 1864-67 auf dem Gebiet des
abgetragenen
Schneckenberges errichtet wurde. Das Denkmal befindet sich seit 1911
als
Kopie im Lenné-Park an der Schillerstraße in Leipzig.

Leipzig: Schwanenteichanlage, Schneckenberg und runde Brücke
1784

Gellert-Denkmal auf dem Schneckenberg
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Machern, 22. 11. 2007/Prof.
Dr. Heinz Mielke