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Für die Ritterstube aber prägend sind die auf die Ritterzeit bezogenen Darstellungen zum Gedenken an die Vorfahren des Grafen, besonders die unter den 4 Schildbögen aber auch an anderen Stellen zu sehenden Ritter sowie die mittelalterlichen Waffen wie Hellebarden, Lanzen, Axt, Morgenstern, Keule, Schilde und Schwerter.
Teilansichten der Ritterstube

Der Gewölbeteil "südost" mit Fensternischen

Die Gewölbeteile "nordwest" (v.) und "nordost" (h.) mit Bildern
an denWandschilden
Diese beiden Fotos zeigen die durch die Grisaille-Technik erzielte plastische Scheinarchitektur an den Gewölbebögen und -kappen und die scheinbar reliefartig hervorspringenden gotischen Verzierungen. 2 von den 3 großflächigen sentimental-romantischen farbigen Darstellungen in illusionistischer Ideallandschaft, nämlich die mit der Burg (v.) und die mit dem Schloß (h.) sind auf dem zweiten Bild (o.), die mit dem Schloß und der Bergkapelle auf den beiden nachfolgenden Bildern (u.) zu sehen.

Das Schloß

Die Bergkapelle

Ritterschlag

Drei geharnischte Ritter zu Pferde und zu Fuß bei
einer
Wegpause

Ritterliche Brautwerbung

Belehnung eines Ritters bei Anwesenheit seiner Frau

Ritter im Harnisch mit Schild
Mittelaltl.
Waffen Heiliger Benedikt mit Rosenkranz und Kreuz
Die Szene mit dem Ritterschlag wird verständlich durch
den
genealogischen Bericht „Qui Transtulit“ über die
Stammreihe
derer von Rohr aus der Priegnitz. Darin befindet sich eine
Tatsachenschilderung
über die Prozedur des Ritterschlages zur Aufnahme neuer
Rechtsritter
in den Johanniterorden,
in den ältesten deutschen Orden. Obgleich der Bericht aus
dem
Jahre 1764 stammt und die Person Otto George Albrecht von Rohr
(1736-1815)
betrifft, so dürfte der beschriebene Ritterschlag in
ähnlicher
Weise auch 1790 bei der Aufnahme von Carl Graf von Lindenau in den
Johanniterorden
in Sonnenburg bei Küstrin stattgefunden haben, aber auch
schon
zur "wahren" Ritterzeit. Carl Graf von Lindenau knüpft in tiefer
Verehrung
mit den Bildern der Ritterstube an die Ritterzeit seiner Vorfahren an:
Die Ritterszene im ersten Schildbogen der Ritterstube, die als
„Ritterschlag“
zu deuten ist und wohl Albrecht von Lindenau für die Teilnahme an
der Schlacht bei Brüx (1438) ehrt, zeugt davon: der Anwärter
kniet nieder und bittet um den Ritterschlag (Bild).
Der genannte Bericht bezieht sich auf Otto George Albrecht von Rohr
und lautet: „Am 1. Oktober 1764 bewegt sich im märkischen
Städtchen
Sonnenburg (heute poln. Slonsk) vom Ordensschloß (1976
vorsätzlich
abgebrannt) zur Kirche (zur evangelischen Ordenskirche bis 1945, danach
poln. katholische K.) unter Glockengeläut ein feierlicher Zug.
Pauken
und Trompeten voran; dann paarweise achtzig Fürsten, Adlige,
darunter
Otto George Albrecht – alles Ordensanwärter, in der Reihenfolge
des
Loses. Darauf Ordensritter in schwarzen Mänteln mit achteckigem
weißem
Kreuz. Kommendatoren, Marschälle. Der Herrenmeister selbst, Bruder
des Königs, mit weißen Federn am Hut. Der Hauptmann mit
erhobenem
Schwert, der Kanzler mit dem Ordenssiegel im Beutel. In der Kirche
singen
sie „Allein Gott in der Höh sei Ehr. .“. Dann knien die
Anwärter
nacheinander vor dem Herrenmeister nieder, bitten um Aufnahme in den
Orden
und schwören auf die Bibel in der Hand des Meisters den Rittereid.
Musik! Dreimal schlägt der Meister mit dem Schwerte jedem Knienden
über den Rücken und sagt dabei „Besser Ritter als Knecht“.
Wieder
Pauken und Trompeten: Der Meister hängt einem jeden Mantel mit
Kreuz
um. Dann verliest der Kanzler die Ritterpflichten: Ein Ritter muß
altadligen Standes sein und gottseligen Lebenswandels; die Kirche
schützen;
fürs Vaterland kämpfen, im Kriege dem Kurfürsten
dienen,
sich nie gefangen geben bei Strafe der Ausstoßung; Witwen,
Waisen,
Betrübten helfen; keusch leben, nach diesem Ritterschlag sich von
niemand mehr schlagen lassen, die vier mittelalterlichen
Kardinaltugenden
hoch halten: prudentia, fortitudo, modestia, justitia – Klugheit,
Tapferkeit,
Bescheidenheit, Gerechtigkeit; dem Orden gehorchen; öffentlich
immer
das Kreuz tragen – bei 60 Taler Strafe. Zurück geht die Prozession
zum Schlosse. Dort unterschreiben die neuen Ritter ihre Investitur und
drücken ihre Siegel bei. Die Ordensmäntel werden ihnen zur
Aufbewahrung
im Ordensarchiv abgenommen. Dann geht es recht vergnügt zur Tafel.“

An den Gewölbedecken neben den 4 Evangelisten sieht
man
8 Blattrosetten aus 6 Akanthusblättern,
4
haben ein naturelles, unauffälliges Mittelteil (Bild o.)
und
4 an dieser Stelle aber ein auffälliges Mondgesicht (Bild
u.
l.). An anderer Stelle blickt eine Art Kobold hinter
einer
Lanze hervor (Bild u. M.), und an der Mittelsäule und den
Wandsäulen
erkennt man 8 nicht deutbare, fast "dämonenhafte" Gesichter,
die von Blattwerk wie von Schlangen umwunden sind (Bild u. r.).

Mori Ogai, ein japanischer Militärarzt, nahm mit
Erlaubnis des Sächsischen Königs 1885 an den Manövern im
Raum Grimma teil und bezog am 27. August zusammen mit weiteren
Offizieren
Quartier im Schloss zu Machern. Später wurde er ein
berühmter
Dichter und Schriftsteller, der Goethe ins Japanische übertrug und
in Japan hochverehrt wird. In Machern wird er seit 2002 am
historischen
Brunnen vor dem Rathaus auf einer Bronzetafel
mit
Konterfei, Namen und Machern-Bericht geehrt. Im seinem
„Deutschlandtagebuch“
beschreibt er seine Eindrücke beim Betreten des Schlosses und
der
Ritterstube wie folgt: „Das Haus ist im Innern reich
geschmückt,
es schwebt ein Hauch kriegerischer Atmosphäre in ihm. An dem
Deckengewölbe und an den vier Wänden sind Dämonen,
Drachen und Schlangen gemalt und in die Pfeiler Waffen und
Tierköpfe
geschnitzt.“ Es ist ein beachtenswerter Zeitbericht, der
schon
vor über 100 Jahren auf die Ritterstube im Schloss zu Machern
aufmerksam
machte. Allerdings war und ist dort nichts Geschnitztes an den
Pfeilern.
Einiges Festgestellte ergibt sich aus Deutungsmängeln,
anderes
einfach als Effekt der Grisaille-Malerei.
Carl Graf von Lindenau hatte als
Königlich-preußischer
Oberstallmeister und Generaldirektor der Königlichen
Thierarzneischule zu Berlin entscheidenden
Einfluss auf den Bau und die Gestaltung der Gebäude der 1790
eröffneten
Thierarzneischule zu Berlin in einem engen Miteinander mit dem
Oberbaudirektor
Carl Gotthard Langhans und dem Maler Christian Bernhard Rode
(1725-1797),
dem Direktor der Preußischen Akademie der Künste
ausgeübt.
Die Grisaille-Technik eines Künstlers wie Rode beeindruckten ihn
sehr,
und er setzte sie wenig später als geeignete
Technik
bei der Ausgestaltung der Ritterstube in seinem Schloss zu Machern ein
(s. o.).
Die Bilder im Kuppelsaal der Zootomie mit der sich als
Scheinarchitektur
präsentierenden Kastendecke und mit dem Freskenzyklus zwischen
den Tambourfenstern zum Thema "Huldigung der Haustiere durch
den
Menschen" zeigen Rodes kunstvolles Arbeiten in der Urform (Bild von
1890) und dann nach einer Restaurierung in den 1950er Jahren
(Bild von 2007),
wo bei einem Vergleich geringfügige Änderungen der
Huligungsbilder zu erkennen sind.
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Der Freskenzyklus von Ch. B. Rode: "Huldigung
der Haustiere durch den Menschen"
(Bildbenennung: H. Mielke und Fotos: H.-W. Fuchs)

Ziegenzüchter mit Hirtenstab und
Panflöte

Schafzüchter mit Schurschere und
Spinnrocken

Schweinezüchter mit Ast und Eichenblättern

Parforcejäger mit Jagdhorn und
Spieß

Milchkuhbauern mit Hirtenhorn und Pflug

Rinderschlachter mit Keule und Messer

Kavalleristen mit Helm und Lanze

Rossebändiger mit Decke auf
gebändigtem