Sehenswürdigkeiten
Der Tempel und die Statue der Hygieia, der griechischen Göttin der Gesundheit
In seinem Buch „Beschreibung des Gartens zu Machern“ würdigt
E. W. Glasewald 1799 den Tempel der Hygieia mit folgendem Bericht:
„Ein kleiner Bach kommt aus einer Quelle, über welcher im Schatten
eines dunklen Haines der Göttin der Gesundheit ein offener Tempel
erbaut ist, als Anspielung auf die Quelle, deren Wasser mineralische
Teile enthält. Stufen führen zum Eingang, den zwei Pilaster und
zwei freistehende, gereifte dorische Säulen bilden. Über dem
Hauptgesimse findet sich eine Nische und in dieser steht ein Opfergefäß,
in Form einer verschlossenen Vase, die Schlangen als Handhaben (Henkel)
hat. Das Innere des Tempels ist ein Viereck. Der Quellbrunnen befindet
sich in der hinteren Wand. Er ist von einem Drahtgitter geschützt.
Über ihm steht in einer Nische die Statue der Göttin. Sie ist
als schönes Mädchen dargestellt, mit sanften Ernst im Blick.
In der linken Hand hält sie die heilbringende Schale, aus der eine
Schlange trinkt, ihr gewöhnliches Attribut. Neben ihr sind zwei kleine
Nischen in der Wand für Vasen angebracht. Von den Stufen dieses Tempels
hat man eine vortreffliche Aussicht auf den Schwemmteich.“ (so etwa,
wie beim „Gartensitz“ s. u., H. M.).
Nach langer Abstinenzzeit erfolgte 1987 die Aufstellung einer
neuen, rekonstruierten Statue der Hygieia, deren Original wohl schon im
19. Jahrhundert in Verlust geraten war. 1987 war auch die
Tempelanlage saniert worden. Leider sind inzwischen wieder
vandalische Beschädigungen an der Statue und am Opfergefäß
entstanden.
Tempel der Hygieia (Senff 1799)
Tempel der Hygieia (Foto: H. Mielke 1999)
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Tempel der Hygeia (Foto: H. Mielke 2007)
"Gartensitz am See" (Zeichnungsausschnitt von Siegel 1792)
Die Neugierde in Glienicke
Der Tempel der Hygieia in Machern steht mit dem Parkbauwerk "Neugierde" im Park des Gutes von Glienicke (heute Klein-Glienicke) bei Potsdam durch bauliche Analogie in Verbindung. Das Gut war von Carl Graf von Lindenau 1796 erworben worden (letztes Bild). Bald nach dem Kauf dieses Gutes begann Carl Graf von Lindenau dort mit Umbau- und Erweiterungsarbeiten. Unter der Leitung von E. W. Glasewald wurden in der Nähe der vorbeiführenden Chaussee die Neugierde und eine Orangerie errichtet. Leider gibt es im Schriftum zur Neugierde keine Hinweise über mögliche Zusammenhänge mit dem Bau des Tempels der Hygieia in Machern, zu dem gestaltungsmäßig große Ähnlichkeiten bestehen, wie auch beide zur gleichen Zeit von ein und demselben Bauherrn und Baumeister errichtet wurden.
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Die Sphinx auf dem Architrav der Neugierde hat ihr Vorbild im „ägyptischen Portal“ der Orangerie des Neuen Gartens in Potsdam, die von Langhans entworfen und von Krüger 1791 erbaut wurde (Bild).
Das „ägyptische Portal“ der Orangerie in Neuen Garten zu Potsdam
(Ausschnitt aus Foto: M. Becker 2005)
Die Neugierde ist ein Teepavillon mit zwei Fenstern zur Chaussee zum ungesehenen Beobachten des Verkehrs auf ihr. In der Bauart ist sie ein dorisierender Antentempel mit Hauptraum und offener Vorhalle zum Garten (Bilder o. und u.).
Blick auf das Anwesen des Grafen von Lindenau um 1805 von der Chausseeseite
aus, der späteren Königsstraße, die von Potsdam nach Berlin
führt.
(Kupferstich von W. Jury, gezeigt auf der Ausstellung
„Schloß Glienicke. Bewohner, Künstler, Parklandschaft.“
- Berlin 1987).
In Glienicke wohnte die Grafenfamilie von Lindenau von 1802 bis 1812. Dann übernahm der Staatsmann und spätere Fürst Carl August von Hardenberg das Anwesen, das nach dessen Tod 1822 zum Sommersitz des Prinzen Carl von Preußen wurde. Schinkel und Linné begannen nun zu Wirken. Eine Große Neugierde wurde gebaut und der Glasewald-Bau der Neugierde zur Kleinen Neugierde 1825 umgestaltet (Bilder o.).