
Schießwand (r.) und Zielerhaus (l.) in Machern (1792)
Das Bild stammt von Klinsky als Zeichner und Darnstedt als Kupferstecher aus dem Jahre 1792 und wurde 1799 von Glasewald veröffentlicht. Es zeigt links das Zielerhaus und rechts die Schießwand oder Zielmauer als künstliche Ruine einer gotischen Kirchenwand, wobei die davor stehende Zielscheibe zum Vergleich mit dem Bild vom Peter-Schießgraben von 1775 (s. u.) beachtenswert ist. Dort sind Schießstand mit Schützen, Schießwand mit Zielscheibe, Zielerhaus und signalisierender Zieler zu erkennen. 1998 wurde symbolisch an alter Stelle eine neue Schießwand (Bild u. l.) errichtet (LVZ/Muldenspiegel 14.12.1998), die aber ihr Aussehen durch Beschädigung schon verändert hat (Bilder u.).
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Der Macherner Willi Schmidt (1913-2000) hatte in seinem Nachlass ein Foto vom Schießsalon, das wahrscheinlich aus den 1930er Jahren stammt. Da wurde der Salon in Macherner Schriften (Beyreuther 1938 und Gartenstadt Machern GmbH 1933) als Schießhaus bezeichnet, wie es Glasewald 1799 in einer Erstbeschreibung tat und folgende Beschreibung gab: "...eine alte Hütte. Sie hat die Form eines irregulairen Achtecks, und ruht auf Säulen von natürlichen Baumstämmen. Ihre Wände und ihr pyramidalisches Dach sind mit Baumrinde bekleidet. Sie hat drey Eingänge. Vor dem einen nach der Wiese hin findet sich ein hervorspringendes Dach, das auf zwey Baumstämmen ruht. Der Fußboden ist mit Steinpltten belegt. Sie dient zum Schießhause, weswegen sie auch offene Fenster und Türen hat."


Die Platzkennzeichnung des ehemaligen Schießsalons mit
Schießrichtungspfeil
auf die neue Schießwand
(Foto: Heinz Mielke)

(Kupferstich 1775, Stadtgeschichtl. Museum Leipzig)
Der Peter-Schießgraben am Petersteinweg in Leipzig könnte das mögliche Rahmenvorbild für die Schießanlage in Machern gewesen sein (Bild von 1775). Heute scheint es als sehr ungewöhnlich, wenn man ließt, dass vor ca. 210 Jahren in der Ruhe der englischen Gartenanlage von Machern, also in einem sentimental-romantischen Park, mit Vorderladern „geballert“ wurde. Vorderlader waren damals die modernen Steinschlossgewehre, auf deren Pfanne das Zündkraut durch Funken von der Metallklappe bei der Feuersteinreibung (wie beim Feuerzeug) entflammt wird, nachdem der Abzug den Auslösemechanismus mit Öffnung der Pfanne freigibt. Durch das Zündloch gelangt die Flamme im Lauf des Gewehres zum Treibpulver (Schwarzpulver), dessen Zündung eine Explosion auslöst: die Kugel wird mit lautem Knall abgefeuert (Bilder u.).
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Französisches (l.) und sächsisches (r.) Steinschlossgewehr
(Kulturgeschichtliches Museum Wurzen); Erläuterungen zum
Steinschloss
und zur Ladung im Lauf (erweitert aus Wikipedia)
Wie viele Schüsse auf die Schießwand abgegeben wurden, ist nicht bekannt. Bekannt ist nur, dass Anfang 1945 kurz vor Ende des 2. Weltkrieges bei unsinnigen Volksturmübungen, es waren auch Jugendliche dabei, der Abschuss einer auf die Schießwand gerichteten Panzerfaust diese vollkommen zertrümmerte.