--
--
Außer der Ritterburg selbst (l.) sind heute noch
weitere Wahrzeichen dieser zurückgeholten Ritterzeit vorhanden und
hervorzuheben: im unterirdischen Gang die Relief-Steinplastik Betender
Ritter vor einem Kreuz (M.) und das Lindenauische Ritterwappen
am Balkon des Balkonzimmers mit geschmücktem Turnierhelm und Schild,
darauf der Lindenbaum und 3 Rosen (r.).
Der einzig Zutritt zur Ritterburg ist ein Säuleneingang in der Art eines dorischen Portikus (Bild o.). Bei ihm nimmt der 36 m lange unterirdische Gang (8.) in einer Grote seinen Anfang . Er endet in der unterirdische gotischen Vorhalle mit 4 achtkantigen Säulen. Von ihr kommt man in den Turm, und zwar über ein Vorgewölbe in das Burggefängnis und in die Obergeschosse des Turmes. Der Turm der Ritterburg besitzt einen Treppen- und einen Raumteil sowie ganz oben eine Aussichtsplattform (1.). Der Raumteil umfasst: zuunterst das Verlies (7.) im Burggefängnis, das im Erdgeschoss ein Raum mit Netzzellengewölbe und Kamin ist (6.), im 1. Obergeschoss den einfachen Raum (5.), im 2. Obergeschoss den Rittersaal (4.), im 3. Obergeschoss das Balkonzimmer mit Kamin und Balkon (3.) und im 4. Obergeschoss den anfangs vorhandenen Regenwasserablaufraum, dessen Decke und damit auch die Aussichtsplattform unter Beteiligung von Maurern und Leipziger Pfadfindern 1924 um 60 cm angehoben wurde und so das neue Zimmer (2.) ergab, die Hildegardkemenate, benannt nach der Schirmherrin der Pfadfinder und Besitzergattin Hildegard Schnetger. Bei den Pfadfindern waren (3.) der Rittersaal, (4.) das Rotes Zimmer, (5.) der Schlafsaal und (6.) die Küche. (Die Zahlen hinter bzw. vor den Räumen, der Aussichtsplattform und im unterirdischen Gang auf den beiden Bilder sind als Raumerkennung und –zuordnung gedacht.)
--
Zeichnungen
über die Innengestaltung der Ritterburg aus Veröffentlichungen
von E. W. Glasewald (1799) (l.)
und von Leipziger Pfadfindern (1928), die von 1924 stammt
In den Jahren 1998-2003 wurde die Ritterburg aus Mitteln des Denkmalschutzes
restauriert und, was die Sanitär-, Elektro- und Sicherheitsbereiche
betrifft, auch trefflich modernisiert.
Carl Graf von Lindenau hat den Bau der Ritterburg in einer vorstellbaren
ersprießlichen Schöpfungsphase nach dem Bau der Pyramide (1792)
und der Einrichtung der Ritterstube im Schloß (1794) wohl als krönende
Staffage in seinem englischen Landschaftsgarten in Angriff genommen. Neben
den künstlerischen Teilen am neogotischen Bau selbst, wie Buntglasfenster
und Türen mit verschiedenen Schmuckelementen sowie Malereien, lassen
die Inventarlisten beim Verkauf des Macherner Besitzes 1802 erkennen, dass
die Ritterburg für ihn nicht nur als eine Art Privatmuseum und Aussichtswarte
fungieren sollte, wie B. Ruge in ihrer Magisterarbeit „Der Landschaftsgarten
Machern“ (Berlin,2000) vermerkt, sondern auch mit Hochachtung und
tiefer Verbeugung dem Andenken an seine Ahnen aus der Ritterzeit geschuldet
ist, ganz im Sinne seiner Mitgliedschaft im Johanniterorden.
Im Rittersaal (4.) waren anfangs Ritterrüstungen und eine Waffensammlung
ausgestellt sowie ein großer Eichentisch mit einem Armstuhl und 10
Stühlen vorhanden. An der Decke kämpfte in farbiger Darstellung
der Heilige Georg mit dem Drachen, und an den Wänden sah man Rittermotive,
in Grisaille-Technik gemalt. Leipziger Pfadfindern durften in den 1920er
Jahren die Ritterburg als Landheim nutzen, wobei ihnen die Zimmer
zu anderen Zwecken als zu Lindenaus Zeiten dienten (s. o.). Heute nach
der Restaurierung ist das Balkonzimmer (3.) eingerichtet mit
einem soliden Tisch, stabilen Stühlen, einer schweren Truhe
und einem Schrank sowie mit funktionsfähigem Kamin und hat einen betretbaren
Balkon mit Lindenau-Wappen. Ein Bild von Carl Graf von Lindenau hängt
an der Wand, und ein Harnisch ist am Eingang postiert. Das beschädigte
Relief „Johannes der Täufer, Kruzifix und Maria“ über der Tür
ist jedoch restaurierungsbedürftig geblieben (Bild u.).
Zustandsansichten der Macherner Ritterburg im Wandel der Zeit
-
-
Die Verkehrsbetriebe der Stadt Leipzig führten 1951 am Fuße der Ritterburg ein Kinderferienlager in einem errichteten Barackenlager durch. Wie die Pfadfinder 1924 hissten auch sie eine Fahne auf der Ritterburg, deren Betreten aber den Kindern damals aus Gefahrengründen verboten war.
Mögliches Vorbild
Vom Leipziger Siegel erdachtes Bild einer Ritterburg
1792 veröffentlichte Carl August Benjamin Siegel die Sammlung „Sechs mahlerische Ansichten vom Garten zu Machern bei Leipzig“ mit Zeichnungen von ihm, die zwei Kupferstecher grafisch für den Druck umgesetzt hatten. Darunter waren die Bilder „Die Ritterburg“ und „Der Gartensitz am See“ . Über alle 6 Bilder urteilt Berit Ruge (2000) im Hinblick auf den Garten von Machern: „Keine der dargestellten Gartenarchitekturen wurde in der vorliegenden Form realisiert. Auch zeigen sie eine andere örtliche Einbindung in die Gesamtanlage.“ Diese Behauptung besteht zu recht, allerdings wurde möglichen doch vorhandenen Bezügen nicht weiter nachgegangen, was hier nun erfolgt: Siegel (1757-1832) war von 1785 bis 1823 als Lehrer an der Kunstakademie und als Universitätsbaumeister in Leipzig tätig. Später wirkte er dann als Professor an der Kunstakademie in Dresden. Ihm waren die Bemühungen um die Gestaltung eines Landschaftsgarten in Machern bestimmt bekannt. Mit seinen Bildern wollte er wahrscheinlich fördernde Hinweise geben. Siegels 6 mahlerische Ansichten, vermehrt um weitere 22 Kupfer der vielfältigsten gartenbezogenen Art , erschienen 12 Jahre später noch einmal im dem Buch von Christian Ludwig Stieglitz „Gemählde von Gärten im neuern Geschmacke“, in dem zwei fiktive Gartenanlagen in englischen Stil künstlerisch, mit dichterischen Einkleidungen und unter Einbeziehung der Zeichnungen von Siegel, umfassend beschrieben werden.
Bezüglich Siegel äußert sich Stieglitz, dass dieser die Pläne für die beiden Gartenanlagen entworfen hat und das die meisten der Gebäude auf den Bildern Erfindungen von Herrn Siegel sind, einige aber auch aus englischen Werken entlehnt wurden. Es ist anzunehmen, dass Carl Graf von Lindenau und sein Baukondukteur E. W. Glasewald die 6 malerischen Ansichten Siegels von 1792 in den Händen gehabt haben und ihnen das Bild „Die Ritterburg“ (Bild) nicht nur namensmäßig sondern auch mit seiner Ruinenarchitektur im neogotischen Stil entscheidende Anstöße zum Bau der Ritterburg im Macherner Landschaftsgarten gegeben hat, der dann 1795/96 verwirklicht wurde.