Schildau - Wiege der Schildbürger, des Generalfeldmarschalls von Gneisenau und des FCS

Schildau - ein kleines Landstädtchen, am Nordrand der Dahlener Heide im Kreis Torgau-Oschatz gelegen, trägt seit 1958 den Namen Gneisenaustadt Schildau. Im Jahre 1995 feierte es sein 825jähriges Bestehen. Der Geschichtsverein Schildau e.V. hatte aus diesem Anlaß ein informatives Büchlein herausgegeben. In einem großen Festumzug wurde in mehr als 25 Bildern die interessante und wechselhafte Geschichte Schildaus dargeboten. Es war ein frohes Fest mit großartiger Beteiligung und aktiver Mitwirkung seiner Bürger, Schüler und Vereine zur eigenen Freude und zu der vieler Gäste.
Über Schildau gibt es eine Masse interessanter und wissenswerter Dinge zu berichten. Drei davon sind hier für kurze Betrachtungen ausgewählt. Zwei sind schon lange landesweit und allgemein bekannt. Das dritte Ding wird es mit der Zeit auch noch werden.


Die Schildbürger

In seiner Schrift unter dem Titel "Hans Friedrich von Schönberg, Verfasser des Schildbürgerbuches und des Grillenvertreibens" hat der Literaturhistoriker Ernst Jeep 1890 sehr beweiskräftig nachgewiesen, daß der Handlungsort der urwüchsigen Schildbürger-Geschichten nur das alte kursächsische, südlich von Torgau liegende Schildau ist, das früher auch Schilda genannt wurde.
Das Schönbergsche Schildbürgerbuch von1598 und die darin aufgeschriebenen unsinnigen Taten der Schildbürger wurde 1953 neu bearbeitet und gedeutet, und zwar von der gebürtigen Schildauer Schriftstellerin Ruth Kraft-Bussenius. Die letzte Ausgabe des Schildbürgerbuches ist datiert von 1993.
Das alte blieb auch das neue Motto:

"Es gab viele schlaue Leute vordem im deutschen Reich,
den Bürgern Schildaus aber, kam niemals einer gleich."

In neuester Zeit wurden in Schildau zur Kennzeichnung der Spuren dieser Schildbürger 12 sehr ansprechende Bildtafeln auf einem touristischem Schildbürgerpfad aufgestellt. Auf eine soll bildlich und auch kurz inhaltlich hingewiesen werden. In ihrer "Dummheit" testeten hierbei die Schildbürger schon vorweg unbewußt - auch Schönberg hatte es so nicht bedacht - die genialen Gedanken des Agrochemiker Justus von Liebig (1803-1873) über den großen Wert des Kunstdüngers:

"Sie brauchten für Notzeiten das wertvolle Salz und wollten es nach der Aussaat wachsen lassen und dann reichlich ernten, wie sovieles andere auch. Nach der Salzaussaat dauerte es nicht lange, und der Acker fing aufs allerschönste an zu grünen. Je mehr es wuchs, um so mehr wuchs der Schildbürger Hoffnung, daß ihnen diese Sache geraten wäre.Und im Stillen schleckte jeder bereits einen ganzen Scheffel Salz für sich allein aus."

August Wilhelm Anton Graf Neidhardt von Gneisenau

Generalfeldmarschall, Militätreformer und Theoretiker des
Volksaufstandes
(27.10.1760 - 23.8.1831)

Er wurde in Schildau mit dem Familiennamen Neidhardt geboren und nannte sich ab 1780 Neidhardt von Gneisenau nach dem Schloß Gneisenau der Neidhardts bei Efterdingen in Össterreich.
In seinem Geburtshaus ist heute ihm zu Ehren eine Gedenkstätte als Gneisenau-Museum eingerichtet. Es besitzt eine informative Ausstellung über Leben und Zeit des in seiner Kindheit in Schildau Gänse hütenden und späteren verdienstvollen Marschalls. Schildau wurde geehrt durch die Verleihung der Trägerschaft seines Namens und ehrte ihn besonders durch die Errichtung(1904) und Wiedererrichtung( 1960) eines Denkmals
Eine Tafel im Gneisenau-Museum weist über ihn aus:
1806: Major und Kommandant der Festung Kolberg. 1808: Inspekteur der preußischen Festungen und Chef des Ingenieurkorps. In diesem Jahr Beginn der Heeresreform. 1809: Auf Betreiben Napoleons Abschied aus dem Heeresdienst. 1811: Wiederberufung als Staatsrat ins Preußische Kriegsministerium. 1812: In diplomatischer Mission auf Reisen (Wien, London, Stockholm, Petersburg). 1813: Stabsmajor und Generalquartiermeister im Blücher-Korps. 1812/13: Organisator der Schlesischen Landwehr. Nach dem Tode Scharnhorsts Generalstabschef der Schlesischen Armee.

Aus der  Homepage über das Leben des Grafen Neidhardt von Gneisenau  erfährt man noch vieles andere mehr über ihn. 

Im Festumzug zur 825-Jahrfeier Schildaus ehrten auch die Gneisenau-Reiter der "Privilegierten Schützengilde Schildau e.V." in originalgetreuen Uniformen das Andenken an Gneisenau.

Der FCS - der Faschingsclub Schildau e.V.

Der FCS ist 1968 im Ursprung entstanden als Sektion des Schildauer Turn- und Sportvereins "TSV 1862 Schildau". Er hat sich von Jahr zu Jahr weiterentwickelt und viele tolle Faschingsveranstaltungen organisiert und durchgeführt, 1996 die 29. und wohl eine der besten.



Der Faschingsclub Schildau e.V., der FCS, begrüßt alle Närrinnen und Narren im Kulturhaus Torgau mit einem 3fachen "Schildau - Hellau!" Ebenso begrüßen wir unsere Fünkchen und Funkengarde sowie unseren Elferrat und unsere Prinzenpaare:

Wir freuen uns, hier soviel närrisches Volk begrüßen zu können,
heut woll`n wir uns Jubel, Trubel und Heiterkeit gönnen,
so wie`s in Schilde Jahr für Jahr,
28 mal schon üblich war.

Vor einem Jahr um diese Zeit, wer hätte das gedacht,
daß unser Saal im Tiffany verschwindet über Nacht.
Das Feuer brannte - und noch zur Stunde
machte eine Frage hier die Runde:

Was wird mit unserm Fasching geschehen?
Wird der Fasching mit diesen Flammen untergehen?
Wir sagten - nein!
Das soll`s noch nicht gewesen sein!

Wir schauten uns nach einem Saale um
für unser hochverehrtes Publikum.
Eine Lösung brauchte man hier bald,
denn wenigstens einmal im Jahr wollen tanzen jung und alt!

Gelungen war am 11.11. in jedem Falle
der Faschingsauftakt in Schildaus Turnhalle.
Die 29. Faschingssaison feiern wir heute im Februar `96 hier,
der Leitung des Kulturhauses und dem Torgauer Carnevalsclub danken wir dafür.

So ging das närrische Volk von Schildau nach Torgau auf Reisen.
Wir danken dem Reiseverkehr Schulze für die Fahrten zu Sonderpreisen.

Weiterhin trafen wir auf offene Ohren
bei unseren zahlreichen Faschingssponsoren.
Ohne sie wären wir bestimmt blank,
auch dafür sagen wir vielen Dank!

Wir haben - meinen wir - für alle eine gute Lösung gefunden,
und hier im "Kreisi" werden es sicherlich stimmungsvolle Stunden.
Doch wenn der FCS das 30. Jubiläum hat,
dann brauchen wir einen Saal in unserer Heimatstadt!

"Die Schildauer und ihre Olympiade" - das Thema für heute ist ja bekannt,
und nun wartet ein jeder darauf gespannt,
was die Schildschen so auf die Beine stellen - und vor allen Dingen
was Olympiarechte so alles mit sich bringen.

Eine Olympiade zu eröffnen ist man ohne Frage
nicht alle Tage in der Lage.
Jetzt werden wir hier drinnen
mit einer zünftigen Eröffnungszeremonie beginnen.

So können wir Euch berichten,
wir konnten einen "Nachwuchssänger" verpflichten.
Es kostete zwar `ne Kleinigkeit,
doch er war sofort bereit.

Wir sind sicher, ist er erst populär,
wollt Ihr von ihm noch viel mehr.
Zur Zeit reist er solo umher.

Heute aber hat er auch ein paar Jungen dabei,
für Michael Jackson - die Bühne frei!

Nun wollen wir die Sportler seh`n,
die nachher an den Start hier gehen.
Die Schildsche Olympiade, die wird sich lohnen:
Wir begrüßen Sportler aus 13 Nationen.

Ihr Schildauer werdet wohl entzückt sein zu sehen,
daß am Ende des Einzugs als "13. Nation" 3 Schildbürger gehen.

Unsere Sportler machen sich bereit,
und wir haben etwas Zeit,
um mal in der Zeitung zu lesen,
was übers Jahr so alles gewesen.
Wer eignet sich besser als ein schneller
stadtbekannter Post- und Zeitungszusteller.
Er kennt sich bestens in dem Wirrwarr hier aus,
das uns täglich flattert ins Haus.

Der Deutschen Lieblingssport
betreibt man leidenschaftlich auch in unserem Heimatort.
Ob es draußen heiß ist oder eisigkalt,
Fußball spielen jung und alt.

Die jüngste Manschaft in dieser Runde
trainiert sogar zu dieser Stunde.
Hier wird nicht lange rumprobiert,
hier werden Volltreffer markiert.

Die Ruderregatta wird nun manifestiert,
3 Mannschaften haben sich qualifiziert.
Die erste, die russische Mannschaft mit ihrem Boot
überstand schon so manche Not.

Da kommt auch schon das zweite Team für dieses Rennen.
Die Amerikaner wird bestimmt jeder kennen.

Oh, dort drängt sich in den Saal hinein,
das muß die dritte Mannschaft sein.
Ja, auch für dieses Boot wurde nicht gespart.
Für wen gehen sie denn an den Start?

Das muß ein Außenseiter sein!
Ah, jetzt bin ich im Bilde,
das ist ein Boot aus Schilde.
Das Schildbürgerboot - ich hab es erkannt
an der Kerbe in der Bootsaußenwand.

Das hätte hier wohl keiner gedacht,
das Schildbürgerboot hat den Ersten gemacht.

Eine neue Sportart schließt sich an.
Sie ist mehr für den kleinen Mann.
So mußte hier eine zweite Bühne sein,
weil die Sportler sind soo klein.
Sie tanzten sich auf die Siegertreppen,
denn sie können vorzüglich steppen.
Wir begrüßen die 3 Steppkes
vom FCS!

Will man sportlich werden oder bleiben,
so muß man einen Sport betreiben.
Das kann man auf Plätzen, Straßen, Wegen,
in Hallen, im Walde auch meinetwegen.

Doch mancher traut sich da nicht raus,
macht`s lieber ungesehen zu Haus:
sie springen und tanzen zur Musik
bis der Nachbar klopft zurück.

Doch weiter geht es mit mehr Mut,
man fühlt sich dabei richtig gut.
Und mit viel Training tanzt man so
wie unsere Mädels von derAerobic-Show.

Karate - eine der neuen Olympiadisziplinen -
soll auch zur Selbstverteidigung dienen.
Wenn man diese Kampfart richtig betreibt,
vom Gegner nicht viel übrig bleibt.
Doch beim Sport mal so mal so,
da ist der Kampf auch mal wie Show.
Also braucht hier keiner bangen,
wenn die Karatekämpfer sich zu drehen anfangen.

Die nächste Mannschaft, da staunt man nur,
ist die tanzende Müllabfuhr.
Bei dem, was sie hier werden uns vorführ`n,
wundern keinem mehr die steigenden Müllgebühr`n.

Nun zu fortgeschrittener Stunde
geht gleich ein Raunen durch die Runde.
Denn als Wettkampf ganz zuletzt
haben wir den Boxkampf angesetzt.

Die Boxkämpfer trainierten enorm
und zeigen sich heute in Spitzenform.
Zu einem Boxkampf ohne Makel
gehört auch immer Showspektakel.
Die Stimmung steigt hier drinnen,
die Kämpfer boxen wie von Sinnen.

So, verehrtes Publikum, vergessen Sie in Ihrem Leben nie,
diese Schildschen Olympischen Spiele waren für sie.
Nach der Brandkatastrophe im Oktober im vergangenen Jahr
glaubte wohl keiner, daß sie werden wahr.
Bei dieser Olympiade gab es keine Verlierer,
nur den Schildauer Fasching als Sieger

Der Schildauer Faschingsfan weiß es schon,
es fehlt noch was zur Tradition.
Das sind die Schildauer Frauen von der Muttigruppe,
doch denen ist Olympia heute Schnuppe.
Ich sag es Euch ganz offen:
Diesmal hat sie das Schicksal hart getroffen.

Sie bekämpfen es als Sträflinge mit schwerer Kugel am Bein
und ziehen dabei siegreich den bösen Aufpasser zum Guilliotinieren in ihre Zelle
herein.

Zum Schluß noch ein Blick auf unsere Zukunftspotenzen,
auf unsere Fünkchen, die heute besonders gut glänzten.


Nun hoffen wir auf allseitige und vielfältige Initiativen und Unterstützung, besonders von seiten der Stadt Schildau zur Realisierung des gewünschten Neuaufbaus eines Saales in unserer Heimatstadt:

"Schildau - Hellau!"


Die Faschingsverszeilen stammen vom Sprecherpaar Catrin und Peter Orlowske,
die Faschingsfotos von Petra Meumann.

Schildau, 28.2.1996 /Prof.Dr.Heinz Mielke/