Zitat aus "Wilhelm Tell" von Friedrich Schiller zeitweise
auf dem Schnetger-Gedenkstein im Macherner Park
Zum "Wilhelm Tell"
in Schillers
gesammelten Werken griff der Autor, als er 2007 im "Macherner
Parkarchiv" bei
der Firma "Grünprofi" zufällig auf 3 Dias mit dem
Schnetger-Gedenkstein
stieß. Zwei
von ihnen wiesen eine ihm nicht bekannte Schrifttafel auf, die zu
Nachforschungen angeregte und zur Aufdeckung eines Schiller-Zitats auf
der
Tafel führten.
Der Gedenkstein steht
seit 1906 auf dem Englischen Dreieck an der Wallwiese vor
dem Schloss
Machern. Über diesen Gedenkstein veröffentlichte der Autor früher schon zwei Beiträge (LVZ/Wurzener
Tageblatt 3. 3. 2001 und Gemeindeblatt Machern Nr. 76/2001 ), ohne aber etwas von diesem Schiller-Zitat in
Goldschrift auf der Tafel gewusst zu
haben.
Zwei
der Dias stammen aus den
1950/60er Jahren und wurden von Günther
Rehnert, dem damaligen Leiter der Parkpflegeabteilung
aufgenommen. Beide zeigen auf dem Stein eine schwarze Tafel mit Goldaufschrift, die
aber nur auf
einem Bild gerade noch lesbar ist:
Zu Eurem Volke steht
und Eurem Lande
und kämpft für Euer
heilig Recht
Auf dem
1. Dia sind unter dem Vers noch Angaben vorhanden, die man deuten kann
als: Wilh. Tell,
III/2. Das ist die Stellenangabe im
"Wilhelm Tell", wo Berta zu Rudenz sagt:
Wozu die
herrliche Natur Euch machte!
Erfüllt
den Platz, wohin sie Euch gestellt,
Zu Eurem Volke
steht und
Eurem Lande,
Und kämpft für Euer heilig
Recht.
Über die
Ursache des Fehlens dieser
Stellenangabe auf dem wahrscheinlich
später aufgenommenen 2. Dia liegen
keine Kenntnisse vor. Das 3. Dia ist mit 9/89 beschriftet und stammt
also von
September 1989, als in Machern die Parkdirektion unter Dr. Bormann mit
Kathrin
Franz tätig war. Das Bild lässt erkennen, dass
die Tafel mit dem Schiller-Zitat auf dem Stein nicht mehr
vorhanden war. Sie soll irgendwann zerschlagen worden sein.
Nachfolgend
sind
die Bilder der drei Dias zu sehen (1., 2. und 3. Dia v. l. n.
r.):

Der Gedenkstein in den 1950/60er Jahren
(Dias: Rehnert)
und
in den 1980er Jahren
Im
Gemeindeblatt Machern Nr. 76/2001wird unter der Überschrift "Die großen
Erinnerungs- und Gedenksteine von Machern" berichtet: Zur
Erinnerung an den
100-jährigen Rittergutsbesitz der Familie Schnetger auf Machern wurde
am 22.
April 1906 auf einem Ziegelsteinsockel im englischen Dreieck des
Schlossparks
ein großer Stein mit einer Bronzetafel enthüllt. Der damalige Besitzer
war von
1903 bis 1945 Paul Schnetger. Die Bronzetafel geriet nach 1945 in
Verlust. Sie
wurde 1991 von seinem Enkel Prof. Dr. Joachim Schnetger erneuert und
trägt
unter dem Wappen der Schnetgers die Inschrift:
1806-1906
100 Jahre Familie Schnetger auf Machern. April 1906
Erneuert 1991
2007 hat ein
Schriftstück von der ehemaligen Parkdirektion Machern unter der
Bezeichnung "Denkmalpflegerische Teilzielstellung Englisches Dreieck
1991" mit
freundlicher Unterstützung durch Kathrin Franz noch Folgendes offenbart:
"Die
Inschrift des Gedenksteines der Familie
Schnetger (s.o.) wurde nach dem Krieg vermutlich entfernt und eine
Marmortafel
mit einem (oben genannten) Zitat von Schiller angebracht. Bisher konnte
keine
Abbildung der alten Schnetger-Gedenktafel gefunden werden. Die Umrisse
der
Tafel sind am Stein noch ungefähr zu erkennen, erhalten sind die vier
Befestigungspunkte. Nach Angaben von älteren Macherner Bürgern war die
Tafel
ein Bronzeguss. Außerdem war auf der Tafel das Schnetgersche
Familienwappen
dargestellt mit Schwan, Pflug und Handelsschiff. 1956 wurde durch die
Firma
Mehlhose aus Machern der Gedenkstein
instand gesetzt. Eine neue, ovale Tafel aus schwarzem Marmor mit einem
(oben
schon genannten) Zitat aus "Wilhelm Tell" von Schiller wurde
angebracht. Die Tafel wurde später zerschlagen. Aus den Bildern der
1950/60er
Jahre wird deutlich, dass nur die
oberste Schicht des gemauerten Sockels zu sehen war und der
aufgeschüttete
Hügel eine ähnliche Form wie der jetzt noch vorhandene Hügel an der
großen
Eiche in der Nähe der Lindenallee besaß. In Anlehnung an diese
Abbildungen sollte der Hügel wieder bis
auf die letzte
Ziegelschicht des Sockel erhöht werden.
1991 wurde
von der Familie Schnetger der Wunsch
geäußert, die alte Tafel auf eigene Kosten zu rekonstruieren. Dafür
wurde als
Grundlage von der Parkdirektion ein Entwurf mit dem alten, von der
Familie
Schnetger zur Verfügung gestellten Tafeltext erarbeitet, der dem
historischen
Text Rechnung trägt und zusätzlich die Worte "Erneuert 1991" enthält.
Die
Abmessungen der Tafel wurden nach den
erkennbaren Umrissen der ursprünglichen Tafel festgelegt. Unklarheiten
gab es
bei dem unteren Abschluss, der wahrscheinlich ebenfalls geschwungen
war. Da
dies jedoch im Gegensatz zu den anderen Begrenzungen auf dem Stein
nicht mehr
ablesbar war, wurde darauf verzichtet. Den Bronzeguss und das
Gipsmodell
fertigte die Firma Noack, Leipzig, Kochstraße. Die neu gefertigte Tafel
wurde
im Oktober 1991 angebracht."
Es gibt
bis heute keine bekannt gewordenen Hinweise auf Gründe für diesen
"Öffentlichen
Schillerbesuch in Machern" mit dem Zitat aus "Wilhelm Tell".
Die
späte Wiederentdeckung von Schillers Zitat im
Park von Machern sollte hier aber noch
Anlass sein zur Nennung weiterer kluger Worte aus dem "Wilhelm
Tell", so genannter Geflügelter Worte:
|
-Tell:
Der
brave Mann denkt an sich selbst
zuletzt.
-Gertrud: Der
kluge Mann baut vor.
-Tell:
Die Schlange sticht nicht
ungereizt.
-Tell:
Früh übt sich, was ein Meister werden
will.
-Tell:
Ich hab' getan, was ich nicht lassen
konnte.
-Rudenz: Allzu
straff gespannt zerspringt der Bogen.
|
-Tell:
Die Axt im Haus erspart den
Zimmermann.
-Tell:
Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig
leisten.
-Tell:
Durch diese hohle Gasse muss er
kommen.
-Melchtal: Wer Tränen ernten
will, muss Liebe säen.
-Tell:
Ein furchtbar wütend Schrecknis ist
der Krieg,
die Herde schlägt er und den Hirten auch.
-Rudenz: Und
frei erklär' ich alle meine Knechte. |
Machern, 07. 01. 2009/ Prof.
Dr. Heinz Mielke