1. Gottfried Wilhelm Schnetger (1770-1861) und Henriette Charlotte geb. Hansen (1771-1830),
2. Wilhelm Eduard Schnetger (1799-1873) und Agnes geb. Hennig (1803-1888),
3. Wilhelm Eduard Heinrich Schnetger (1825-1903) und Leopoldine geb. Kabitzsch (1832-1902),
4. Paul Theodor Schnetger (1859-1952) und Hildegard geb. von Buxhövden (1872-1944).
Über das Leben von Gottfried Schnetger gibt ein von ihm verfaßter Lebenslauf Auskunft. Es ist eine aus dem Gedächtnis heraus im Dezember 1847 aufgeschriebene Vita, an deren Anfang er seine Lebensphilosophie kund tut:
"Mein lieber Sohn! Die Lebensgeschichte eines Menschen hat immer etwas Interessantes auch wohl Belehrendes, selbst dann, wenn der selbe uns auch nicht nahe steht. Destomehr wird es dich hoffentlich erfreuen, wenn Du den ganzen Lebenslauf Deines Vaters erfährst, den ich Dir hiermit überreiche. Dabei muß ich bedauern, daß ich nie ein Tagebuch gehalten, - was ich Jedem empfehle - und alles aus dem Gedächtnis entnommen habe, was in meiner 77jährigen Laufbahn vorgefallen. ... Treu geleistete Dienste meinen Vorgesetzten, strenge Rechtlichkeit,Thätigkeit und Häuslichkeit sowie eifriges Bestreben nach Selbstbildung durch Umgang mit älteren, erfahrenen, gebildeten Männern und guten Büchern, haben dazu beigetragen. Unterricht in höhern Wissenschaften ist mir nicht zu Theil geworden. Die wenigen Kenntnisse, die ich besitze, habe ich mir durch Fleiß selbst erworben. Auch jetzt in meinem hohen Alter setze ich meinen Selbstunterricht fort und ergreife jede Gelegenheit, die sich mir darbietet, noch zu lernen. Vielleicht würde dies nicht der Fall sein, wenn ich wohlhabende Eltern und von diesen eine Erbschaft zu erwarten gehabt hätte. Möge doch dieses meinen Enkeln als Beispiel dienen und sie beherzigen, daß das, was man sich selbst erwirbt, sei es Kenntniß oder Vermögen, immer Segen und gute Früchte bringt und angenehme Erinnerungen, zeitlebens, erweckt."
Gottfried Schnetger hatte seine Schwiergertochter Agnes, die Frau
von
seinem Sohn Wilhelm, wahrscheinlich besonders ins Herz geschlossen.
Bescherte
sie ihm doch 1825 den Enkel Eduard. Wie anders wäre es
zuverstehen,
dass der am Nordufer des Macherner Schwemmteiches von Schnetger
errichtete
Pavillon den Namen "Agnes
Tempel"
erhielt, den er noch heute trägt, und er den auf den
Zeititzer
Ländereien 1840 ins Leben gerufenen Untertageabbau von Braunkohle
mit "Grube Agnes" benannte. Letztere Namensgebung könnte
aber
auch mit der Geburt von Agnes Victoria am 15. 9. 1840 im Zusammenhang
stehen,
dem 11. Kind seines Sohnes Wilhelm. Sie verstarb später als
verheiratete
Demiani in Seelingstädt bei Trebsen, worauf an der dortigen
Kirche eine Totengedenktafel
aus Marmor hinweist.
Die "Grube Agnes" existierte 68 Jahre. In dieser Zeit florierte auch
Schnetgers
berühmt gewordene Schafzucht, der Eisenbahnbau in Machern war
abgeschlossen,
man feierte mit vielen Zugereisten 100
Jahre Kartoffelanbau, und der Obstbau entwickelte sich rasant. Erst
mit 88 Jahren übergab Gottfried Schnetger seinem Sohn Wilhelm die
Leitungsverantwortung für seine beiden Rittergüter Machern
und
Zeititz.
Beyreuther erinnert 1938 in seinem Buch "Machern im Wandel der Zeit"
an den Kirchenpatron Wilhelm Schnetger, der 1865 die
gesprungene
kleine Kirchenglocke auf seine Kosten umgießen und etwas
vergrößern
ließ. Diese Glocke erhielt von den dankbaren Einwohnern Macherns
den Namen "Agnes-Glocke", den Namen der Gattin des
Kirchenpatrons.
Als dieser 1873 starb, übernahm sein Sohn Eduard Schnetger den Besitz. Zuvor hatte dieser als Pächter das Mühlbacher Rittergut 17 Jahre verwaltet und bewirtschaftet, das sein Schwiegervater Friedrich Wilhelm Kabitzsch, ein Mühlenbesitzer aus Großzschocher, 1856 gekauft hatte. Eduard Schnetger und seine Frau Leopoldine stifteten als damalige Patronatsherrschaft der Macherner Kirche 1898 das große farbige Altarbildfenster. Es stellt Christus mit Kelch und Hostie dar. 1891verkaufte Eduard Schnetger das Rittergut Zeititz an den Kammerherrn Wolf von Arnim.
Nach seinem Tod lenkte und leitete sein in Mühlbach
geborener
Sohn Paul Schnetger, Urenkel von Gottfried Schnetger, das
Rittergut
Machern von 1903 bis ins hohe Alter von 86 Jahren, bis er 1945 durch
die
Geschehnisse nach dem 2. Weltkrieg enteignet wurde und das Rittergut
unter
die Bodenreform fiel und das Schloss Gemeindeeigentum wurde. Er
verstarb
1952 im Alter von 93 Jahren im Altersheim Streitwald bei Frohburg.
1906 zum 100jährigen Jubiläum des Schnetger-Besitzes
an Schloss und Rittergut Machern schenkte Paul Schnetger der Macherner
Kirche eine neue Wetterfahne,
darauf
diese Jahreszahl und ein Salpinx blasender Triton (oder ein Posaune
blasender
Engel mit Fischleib). Diese Wetterfahne wurde 1998 von Seiten der
Kirche
durch eine neue ersetzt, die nun die Zeitaufschrift 1753-1998
trägt
und damit an den Umbaujahr des Kirchturmes von 1753 in seine
heutige
barocke Gestalt durch Heinrich von Lindenau, dem damaligen
Patronatsherrn
und Rittergutsbesitzer, erinnert.

Paul Schnetger und seine Frau Hildegard hatten drei Kinder:
Tochter Agnes (1891-1944) war mit Rudolf von Schönberg
verheiratet. Sie lebten auf Schloss Purschenstein in Neuhausen
(Erzgebirge)
und hatten zwei Töchter. Christa verstarb im Alter von 74 Jahren
unverheiratet
1998 im Diakonissenhaus Borsdorf. Sybille ist verwitwet und trägt
den Namen Kötz. Ihr Sohn ist verstorben.
Sohn Gottfried (1892-1967) heiratete Ella Bueb. Sie hatten drei
Söhne: Horst, Dietrich und Jochen. Gottfried lebte als Landwirt
bis
Anfang der zwanziger Jahre mit seiner Familie im Kavalierhaus in
Machern,
dann auf einem Gut in Mecklenburg und nach 1945 auf einem Bauerhof in
der
Pfalz. Im 1. Weltkrieg war er ein hochdekorierter Flugzeugführer
und
im 2. Flugplatzkommandant in Bremerhaven. Ihr Sohn Horst
fiel
1944 im Alter von 23 Jahren. Der 1926 geborene Dietrich ist
verheiratet
und Landwirt, jetzt im Ruhestand. Er hat 2 Kinder und 5 Enkel. Der 1937
geborene Jochen ist verheiratet und hat keine Kinder. Er ist
promovierter
Chemiker, jetzt pensionierter Hochschullehrer, der aber
noch
weiter Lehrtätigkeiten im Fach Kautschuktechnologie an der
Fachhochshule
Würzburg wahrnimmt. 1991 gab er das 846 Seiten umfassende Lexikon
der Kautschuk-Technik heraus.
Der 1894 geborenen Sohn Alexander hatte frühzeitig ein
Augenlicht verloren. Später nach 1930 war er für seinen Vater
Paul Schnetger wegen gewisser Unredlichkeiten nicht mehr existent.


Bei Paul Schnetger in Diensten: Macherner Rittergutsarbeiter in
Sonntagskleidung
mit einem geschmückten Ochsenwagen vor einem Erntedank-Festumzug
1933.
(Der Junge im weißen Hemd ist Kurt Hennemann, im August
2000 wurde er 80 Jahre.)


Die Gedenktafel verschwandt nach 1945 unbekannterweise. 1991 wurde sie von Professor Dr. Jochen Schnetger erneuert. Er ist ein Enkel des letzten Macherner Rittergutsbesitzers Paul Schnetger, der 1906 den Gedenkstein setzen ließ. Im oberen Teil der Gedenktafel befindet sich in Kleinformat das Familienwappen der Schnetgers mit Schiff, Pflug und Schwan.
In der Herrschaftskapelle der Macherner Kirche gibt es zwei Buntglasfenster:
eins mit dem Konterfei von Gottfried Schnetger, dem ersten
Schnetger
in Machern, und eins mit
dem Wappen der Schnetgers. Man kann sie von außen
an der Südseite nur andeutungsweise erkennen. Einen schönen
farbigen
Anblick ergibt ihre Betrachtung von innen:


Diese beiden Buntglasfenster und zwei weitere große, heute nicht mehr aus Buntglas existente Fenster hatte Hildegard Schnetger 1806 ihrem Gatten zum 100jährigen Schnetger-Besitz in Machern für die Kirche geschenkt. Kürzlich stellte Jochen Schnetger ein farbiges Wappenbild der Familie Schnetger zur Verfügung, das sich auf einem Zierteller befindet und dem Wappen in der Kirche entspricht. Zusammen mit einer gekürzten Form des Gedichtes, das "des Wappens tiefen inhaltsreichen Sinn klarlegt", wird es nachfolgend wiedergegeben .

Ein neuer Stamm zog in die alten Mauern
ein neuer Geist auch mit dem neuen Stamm.
Gerechtigkeit und Güte ward den Bauern
zu teil. Durch kräft'ges Schaffen, arbeitsam
erblühten Äcker, Fluren, Felder, Wiesen,
erstand die Ordnung, fröhlich zu genießen.
Ei, was ist das für ein Wappen?
Ein Schiff? Ein Pflug? Ein Schwan?
Was soll das Schiff? Woher? Wozu? Wohin?"
In dem Wappen ist ein Schiff.
Selbst auch will es dran erinnern,
was wir unseren Schiffen danken,
Handel und Verkehr erschließen
sie uns mit den anderen Welten.
Wollen, wie das Schiff im Meere,
wirken, schaffen ohne Ruh:
Fleiß und Arbeit bringt uns Ehre,
Redlichkeit schafft süße Ruh!"
Laßt uns dann auch so im Wappen
unsren Schwan ein Zeichen sein,
daß die Träger ohne Scheelsucht,
daß von Neid und Falsch sie rein."