Das obskure Objekt
der biologischen Begierde in Machern im Jahre 2009:
ein
unbefruchtetes Schwanenei
1.
Vorgeschichte
Im
Frühjahr 2007 nahm das Schwanenpaar
Tristan und
Isolde den Schwemmteich von Machern als
Brutrevier in Besitz, der zuvor zwei Jahre lang
"schwanenleer" geblieben war. In den
vorangegangenen Jahren hatten sich hier
aber schon seit 1998 die Schwanenpaare
Paul und Paula und dann Romeo und Julia mit biologischer
Nachwuchsarbeit
erfolgreich betätigt und insgesamt 15 Jungschwäne aufgezogen.Tristan
und Isolde brüteten 2007 vier
Schwänchen
aus. Drei konnten aufgezogen werden
und
flogen mit ihren Eltern im Herbst in ein Überwinterungsgebiet. Die
Schwaneneltern kehrten im Frühjahr 2008 auf den
Schwemmteich
zurück, brüteten 6 Schwänchen aus , zogen sie alle auf und flogen dann mit ihnen zusammen im Herbst infolge des
Fischzucht-bedingten Wasserablassens
wieder in ein unbekanntes Überwinterungsgebiet
(Bild).

Tristan und Isolde (vorn) mit ihrem Nachwuchserfolg 2008
(Fotomontage: H. M.).
2. Rückkehr von Tristan und Isolde auf den
Schwemmteich 2009 und versteckte Brutzeit
Am 1. 3. 2009 meldeten Parkjogger und -spaziergänger das Zurückkommen
der 2 Schwäne auf den Schwemmteich, die dann durch
Verhaltensbeobachtungen auch als Tristan und Isolde erkannt wurden
(Bild). Das weiße Paar machte die Macherner Parkidylle sofort wieder
attraktiver. Das grau-braune, dichte und hohe Schilf am Südwestufer des
Teiches verbarg im April öfter die beiden Schwäne. Man sah nichts, aber
ahnte doch, dass da ein Nestbau in vollem Gange war. Ab 24. 4.
trat dann immer nur einer der beiden Schwäne auf dem einsehbaren
Teichareal in Erscheinung, sodass der andere Schwan,
versteckt, da vom Ufer nicht einsehbar, mit dem Brüten begonnen
haben musste.
Welcher Schwan als der Nestbewacher und welcher als Brüter
schwamm, war nicht
differenzierbar. Abwechslungen beider waren möglich. Nur am
8.
6., das war der 46. Bruttag, wurden beide einmal
kurzfristig gemeinsam auf dem Teich vor dem Schilfgürtel gesehen.
Danach schwamm einer der Schwäne weitere 11 Tage wieder
allein, der andere brütete.

Tristan und Isolde 2009 nach der Rückkehr auf den Macherner
Schwemmteich.
3. Das obskure Objekt der biologischen Begierde
Erklärungen für
ausgedehnte Brutzeiten sind folgende: Eier auf dem Nest "zwingen" Vögel
aus purer Brutlust biologisch "begierig" zum Brüten. Die Vögel sitzen
dann auf dem Nest und warten bis sich in den Eiern etwas regt und das
Schlüpfen in Gang kommt. Zwischenzeitlich werden die Eier von ihnen
regelmäßig gewendet. Sind die Eier aber obskure (fragwürdige,
unklare) Objekte, also vielleicht mit nicht befruchtetem oder sogar mit
fruchttotem Inhalt versehen, dann bewegt sich nichts, die
"Brutzeit" dauert weiter an, und das Scheinbrüten geht weiter. Es sei
denn, die Eier gehen durch Verwesung zu Bruch.
Über das biologische Wie und Warum dieses sinnlos erscheinenden
Weiterbrütens ist nichts bekannt. Die normale Brutzeit beträgt bei
Höckerschwänen 35 bis 40 Tage. Als am 19. 6., am berechneten nun
schon
57. Bruttag, das Schwanenpaar immer noch nicht mit Nachwuchs
aufgetaucht war, wurde die "Expedition
Schwanennestkontrolle" mit
freundlicher Unterstützung durch und in enger Zusammenarbeit mit dem
Chef der
Macherner Teichwirtschaft Heiko Walther gestartet (Bild).

Heiko Walther, Ingenieur der Binnenfischerei aus Machern, mit dem Kahn
im
Schilfgürtel.
In einem stabilen Kahn, der zur
Fischfütterung dient, gelangte die zweiköpfige Expedition vom Ostufer
des Schwemmteiches zum Schilfgürtel am Südwestufer. Schon der zweite
Aufspürversuch im dichten, grünen Schilf war erfolgreich. Es wurde ein
großes Schwanennest gefunden, das aber nur ein einzelnes Ei
enthielt (Bild). Beide Schwäne waren vorher aus Nestnähe
geflüchtet,
sodass keine Angriffsgefahr bestand.

Das obskure Objekt der biologischen Begierde der Schwäne Tristan und
Isolde: ein einzelnes Ei auf dem Nest.
Was nun das einzelne Ei auf dem Schwanennest betrifft, das von der
Expedition nicht berührt wurde, könnte unbeweisbar angenommen, also
postuliert werden, dass ein vorher großes Eigelege (2008 waren es 6
Eier) in der normalen
Brutzeitspanne durch äußere oder Natureinflüsse (Nesträuber)
total vernichtet wurde und der weibliche Schwan in "Erzeugernot"
schnell ein Ei "nachgelegt" hat. Wahrscheinlich war das aber ein
nicht
befruchtetes Ei. Die Schwäne brüteten weiter, da immer nur einer von
ihnen auf dem Teich sichtbar wurde (Bild).

Während nach dem 19. 6. ein Schwan auf dem Nest weiter brütete,
bewachte der andere das Revier.
Ab 25. 6. waren dann beide Schwäne
wieder ständig zusammen auf dem Schwemmteich zu sehen: ohne Nachwuchs.
Dieser Tag ist als Ende dies langwierigen Scheinbrütens mit
seinen vielen, leider nicht bekannt gewordenen Zusammenhängen
anzusehen. 2009 gibt es also auf
dem Schwemmteich in
Machern keinen Schwanennachwuchs. Auch bei den Stockenten
und Blesshühnern ist der Nachwuchs stark eingeschränkt. Die 4
Damtiere im benachbarten Hirschgarten des Parkes legten nur ein
einziges Kalb ab.