Jenseits von Schloß und Park:
Villen-Geschichten von Machern und nächster Umgebung
Bemerkenswertes und Interessantes gibt es in Machern und nächster
Umgebung nicht nur vom dortigen Schloß und Park , also von den
Lindenaus
und den Schnetgers, zu berichten sondern auch von schönen alten Villen
und
ihren Besitzern.
So werden nachfolgend Geschichten von 6 alten Villen wiedergegeben, die
auf
schon Geschriebenem und auf Berichten und Erzählungen alteingesessener
Macherner und anderer basieren.
Die gewählte Reihenfolge ist einem Wanderweg zu Fuß oder per Rad
angepaßt, der am Eingang in das neue Macherner Wohngebiet
"Schloßblick"
beginnt. Denn schräg gegenüber im Zeititzer Weg 40 wird im gelben
Anstrich
schon die erste Villa gesichtet. Weiter in Richtung Zeititz befindet
sich gleich
daneben die zweite Villa. Zwischen beiden liegen das "Gärtnerhaus" der
ersten und das "Kutscherhaus" der zweiten . Der weitere Wanderweg führt
nach Zeititz, also in die nähere Umgebung von Machern, geradewegs über
die Kreuzung bis kurz vor Leulitz. Man sieht schon bald die
dritteVilla,
daneben die leuchtend weiße "Fachwerk"fassade des früher zur Villa
gehörenden "Gesindehauses". Danach geht es zurück
zur Kreuzung.
Hier könnte man eine Wanderpause einlegen und sich nach
rechts zum berühmten "Zeititzer Gasthof " der
Jutta Berger nebst Familie
begeben. Es lohnt sich wirklich: deftige Hausmannskost, weiß gedeckte
Tische und eine phantastische Bedienung durch "Herzel-Andrea" sind
garantiert. Oder
man wendet sich nach links, dann liegt rechts im Wald verborgen die
vierte
Villa mit ehemaligen "Stallungen und Försterhaus". Zur fünften Villa
führt der
Weg auf der Straße weiter in Richtung Brandis zum Flugplatzgelände fast
bis
zur Kreuzung Polenzer Straße, wo sie das erste nördlichst gelegene
Gebäude
des Flugplatzes Brandis ist. Hinter ihr stehen die drei
"Offizierswohnhäuser".
Auf der Polenzer Straße kommt man dann rechts wieder nach Machern zur
Einmündung des Eichenweges und auf ihm zur sechsten Villa. Daneben
befindet sich das früher dazugehörige, dann zum Wohnhaus umgebaute
"Wirtschafts- und Stallgebäude".
Erbauer und Besitzer der Villa war um 1905 der Leipziger
Verlagsbuchhändler
Robert Voigtländer (1849-1935), "einer der bedeutensten
deutschen
Buchhändler", so steht es im Macherner Kirchenbuch. Vor 1900 war dieser
sechs Jahre lang der Vorsitzende des Börsenblattausschusses und somit
Chefredakteur von "Börsenblatt" und "Nachrichten aus dem Buchhandel"
gewesen. 1925 übernahm sein Sohn Otto die väterliche
Verlagsbuchhandlung
in Leipzig als Geschäft und bezog auch die Villa in Machern als
Familienwohnsitz.
Otto Voigtländer unterstützte mit seinem Verlag uneigennützig
und großzügig
die Welteislehre (WEL) und deren Vertreter, die WELfreunde, zu
denen er
selbst wohl auch gehörte, also zum Kreis der Mitarbeiter des
"Schlüssels zum
Weltgeschehen" oder "der Bewegung als Grundlage einer deutschen
Zukunft". Das geht aus der Gedenkschrift der WELfreunde zu seinem
tragischen, selbstgewählten Ableben 1931 hervor, wohl wegen
wirtschaftlicher
Schwierigkeiten.
Nach der Welteislehre ist die Welt aus dem Zusammenschluß
verschieden
großer Eisklümpchen entstanden. Diese Glacialkosmogenie hat zwar
wissenschaftlich keine Anerkennung gefunden, in Deutschland aber eine
ganze Gruppe von WELfreunden zusammen gebracht. Aufgestellt hat die
Lehre der österreichische Ingenieur Hanns Hörbiger, der Vater von den
beiden
bekannten Schauspielern Paul und Attila Hörbiger.
Einer der WELfreunde brachte in der Gedenkschrift zum Ausdruck, daß
wahrhaftig ein nicht gewöhnlicher Mut dazugehörte, etwas so "Unernstes"
wie
die Welteislehre mit allen verlegerischen Mittel zu fördern und dabei
auch
"ernste" Wissenschaft im Verlag zu haben. Ein anderer bemerkte lobend
zu
Machern und bedauernd zugleich, daß die anregenden Gespräche im
schönen, gastlichen Heim der Familie Voigtländer in Machern, an die die
WELfreunde mit Dank zurückdenken werden, nicht wiederkehren."
1935 übernahm eine Voigtländer bezogene Erbengemeinschaft den
Villenbesitz mit der Witwe Gertrud Pantenius als Bewohnerin.
Sie war die
Tochter von Robert Voigtländer, eine talentierte Zeichnerin und
Malerin.
Von 1954 bis 1965 gab es einen neuen Eigentümer der Villa (Willi
Müller, genannt Hähnchen-Müller), bis sie dann
von der Deutschen Reichsbahndirektion Halle gekauft und als
Schulungs-
und Erholungsheim eingerichtet wurde. In dieser Zeit war die Oberliga-
Mannschaft des FC Lok Leipzig öfter hier anwesend zur entspannenden
Vorbereitung auf die nächsten Punktspiele. Jetzt gehört sie der
Eisenbahnwohnungsgesellschaft Nürnberg, Zweigniederlassung Leipzig,
und
dient dem Muldentalkreis im Mietverhältnis als Aussiedlerheim.
Bis zum "Last-updated 2002" ergaben sich folgende
Veränderungen: 2000/20001 bezog die Familie Poppe die Villa und
übernahm den hinteren Gartenteil. Herr Poppe ist in der Firma Baitz
& Co Hausverwaltung Leipzig tätig.
Das Baujahr dieser Villa liegt im Dunkeln. Es ist möglich, daß sie von
Moritz
Baeßler zwischen1906 und 1908 erbaut wurde, der von 1909 bis 1914
im
Adreßbuch als Villenbesitzer auftaucht. Im November 1914 ist er in
Belgien im
37sten Lebensjahr als Gefreiter gefallen. Danach war der Referendar
a.D.
Hans Baeßler ihr Eigentümer und ab 1925 zehn Jahre lang der
Kapellmeister
und spätere Musikdirektor Arno Fix. Dieser wirkte in Leipzig im
Panorama und
im Varieté Battenberg.
1933 zog Anton Löhr (1882-1963), Geschäftsführer und
kaufmännischer
Direktor, später Generaldirektor der Leipziger "Allgemeinen
Transportanlagengesellschaft" (ATG), in die Villa ein. Seine Tochter
Marga-Maria war sehr sangesfreudig, nicht nur im Haus sondern auch
auf dem
Balkon, in Wald, Feld und Flur. Sie starb 1982 als 70jährige und wurde
auf
dem Neuen Friedhof in Machern neben ihrem verstorbenen Vater
beigesetzt.
Mit dem Namen Löhr verknüpfen sich zwei Assoziationen, deren
Wahrhaftigkeit noch nicht überprüft beziehungsweise nachgewiesen werden
konnte: Die erste betrifft mögliche verwandschaftliche Beziehungen zu
dem
Leipziger Ratsherrn, Bankier und Kaufmann Eberhardt Heinrich Löhr, der
vor
etwas mehr als 200 Jahren am heutigen Tröndlinring ein klassizistisches
Palais errichten und dahinter großflächig bis zur Parthe ( Uferstraße)
einen
Landschaftsgarten im englischen Stil anlegen ließ. Aus ersterem ging
1889
das Hotel "Fürstenhof" hervor, und auf Abschnitten des letzteren
entstanden
Gebäude der Gründerzeit, kürzlich dann der Finanzplatz "Löhr's-Carré"
mit
dem weithin sichtbaren Bankgebäude zwischen Löhr- und Nordstraße. Das
zweite betrifft seine etwaigen dienstlichen Beziehungen zum Flugplatz
Brandis, wo 1944 der Chefpilot der Leipziger ATG, Baltabol, das vom
Macherner Arthur Sack konstruierte "kreisrunde Flugzeug ohne Rumpf"
getestet hat.
Im weiteren übernahm dann nach 1948 die Gemeinde Machern die
Villa und
vermietete darin Wohnungen . Die letzten Mieter (Bergmanns) zogen 1996
aus. Der jetzige Eigentümer des nun denkmalgeschützten Gesamtanwesens
ist der Leipziger Immobilienhändler Prinz.
Vielleicht wird künftig die Villa wieder einmal von Musikbeflissenen
belebt.
Bis zum "Last-updated 2002" passierte folgendes: Adrian,
Landschaftsplanung Leipzig, wurde Besitzer, machte aber nicht viel an
Villa und Park, die dann 2000 wieder in den Besitz der Erbengemeinschaft
"Löhr Villa" zurückgingen. Seitdem zerfällt die Villa weiter und
der Park verwildert stäker.
Vom jetzigen Eigentümer wird auf Grund von Zeitungsfunden vermutet, daß
diese Zeititzer Villa und ihr schönes Gesindehaus
(jetzt Hof Schneider) schon 1872 erbaut wurde. Möglicherweise waren
auch
Adlige dort anwesend, worauf das ritterliche Wappen über dem
Säuleneingang hindeuten könnte. Im Wurzener Adreßbuch werden 1898
Cäsar Sonnenkalb, Besitzer der gleichnamigen Leipziger Firma
"Export und
Import" in der Jakobstraße und 1913 der Fabrikbesitzer Gustav
Hermann als
Villeneigentümer ausgewiesen. Wie lange Hermann und wer danach bis 1935
dort schaltete und waltete, ist weitgehend ungeklärt.
Zwischen 1935 und 1940 übernahm Hans Brockhaus, der Mitinhaber
des
berühmten Leipziger Lexikonverlages "F. A. Brockhaus" die Villa, die
später in
Gemeindeeigentum überging. Schon vorher beherbergte sie vor allem
Offiziere des nahe gelegenen Flugplatzes Brandis, nach Kriegsende dann
Zeititzer Bürger als Mieter.
Seit 1996 ist der Wurzener Immobilienhändler Jens Lehmann
Eigentümer der
denkmalgeschützten Villa, die wegen des in der Nähe gelegenen
Waldstückes auch Neuholzvilla genannt wird und sich gegenwärtig in
Renovierung befindet.
Bis zum "Last-updated 2002" ergaben sich folgende
Veränderungen: Abschluß der Renovierungsarbeiten und Einzug der Familie
von Jens Lehmann in die Villa.
Wolf von Arnim hatte 1892 vom Macherner Rittergutsbesitzer
Schnetger das
Rittergut Zeititz erworben. Beide Rittergüter, Machern und Zeititz,
waren bis
1802 im Besitz von Carl Graf von Lindenau. Dieser verkaufte sie, und so
kamen sie 1806 in den Besitz der Kaufmannsfamilie Schnetger aus
Leipzig.
Wolf von Arnim ließ 1893/94 im Zeititzer Wald eine schloßähnliche Villa
errichten, und zwar in der Nähe der Stelle, wo Förster Bruno Hühne
wohnte.
Nicht geklärt ist, ob er verwandtschaftliche Bindungen auch zur Familie
des
kurfürstlich-sächsischen Oberforst- und Wildmeister Carl Heinrich von
Arnim
aus Annaburg besaß, dessen Tochter Henriette seit 1780 die Frau von
Carl
Graf von Lindenau war.
Unter Wolf von Arnim und seinem Nachfolger florierte nicht nur das
Rittergut
sondern auch die industriellen Zeititzer und Altenbacher Betriebe wie
Ton- und
Ziegelwerk, Töpferei und Ofenfabrik sowie Braunkohlenwerk. Die
Braunkohle
wurde untertage gewonnen. Grube "Agnes" existierte von 1840 bis 1908,
die
Grube "Else" von 1907 bis 1925. Mit dem Schließen der letzten Grube
füllten
sich die in der Nähe befindlichen Tongruben mit Wasser an. Die
ehemaligen
Untertagegruben sind vor kurzem mit Braunkohlen-Elektrofilter-Asche zur
weiteren Sicherung von Einbrüchen und Erdbodenabsenkungen aufgefüllt
worden. Die letzte Auffüllung der ehemaligen Grube "Else" ist gerade
1996
von der "Bergsicherung GmbH Leipzig" abgeschlossen worden. Der Einstieg
in die Grube "Else" hinter dem Haus der Dorftstraße 1 in Zeititz ist
zugemauert und heute durch nichts mehr zu erkennen.
Als Wolf von Arnim 1904 starb, übernahm erst Frau von Arnim-Peres
den
Zeititzer Besitz, bald darauf Hanskarl von Arnim-Peres (Baron
und
sächsischer Kammerherr), der nach1919 auch auf dem Otterwischer Schloß
als dortiger Rittergutsbesitzer bis zu seinem Tode im Jahre1944
residierte.
Mehr eine Spielernatur, verschuldete er sich und mußte 1933 den
Zeititzer
und Altenbacher Besitz verkaufen. Die Villa ging an den Leipziger
Verlag
Köhler und Frenzel über. 1940 wohnte der Verlagsbuchhändler Volkmar-
Frenzel dort. Dann quartierten sich Offiziere des nahe gelegenen
Flugplatzes
Brandis vom SS-Nachtjagdgeschwader ein.
Nach 1945 wurde die Villa erst Tbc-Heilstätte, Waldkurheim
genannt, später
ein gern in Anspruch genommenes. Schwangerenerholungsheim.
Seit 1992 steht die Villa leer, nachdem sie zuvor anderthalb Jahre als
Asylbewerberheim fungierte. Ein zu hoher Preis des Leipziger
Liegenschaftsamtes
verhinderte den Erwerb der Villa durch die Betriebs- und
Verwaltungsgesellschaft mbH "Schloß Machern" als gedachtes Hotel zur
Erfüllung der anstehenden Bildungs und Kulturaufgaben. Der jetzige
Eigentümer Dr. Teller, ein Direktor bei "Quelle" in Leipzig,
hofft auf günstige
Bedingungen für die Vermarktung der unter Denkmalschutz stehenden Villa
als Hotel im Zusammenhang mit der Errichtung des
"Neurologischen Rehabilitationszentrums Leipzig" nebenan auf
Zeititzer Flur.Diese Bedingen kamen allerdings nicht.
Bis zum "Last-updated 2002" ergaben sich folgende
Veränderungen: 1998/99 kaufte Horst Reschka, Geschäftsführer
der Firma Allclean GmbH in Kühren bei Wurzen, das gesamte Anwesen mit
den 3 Gebäudekomplexen, renovierte und baute es um zu einem Wohnkomplex
mit 10 Komfortwohnungen, von denen er und seine Familie eine in der Villa selbst bewohnt.(Siehe dazu auch
seine neue Website zum Villenkomplex
Jagdschloss.)
Die Kommandanten Villa gehört zum Flugplatz Brandis, der
1934/35 als
Fliegerhorst für die Blindflugschule 1 errichtet wurde. Die
Flugzeuge dieser
Schule hatten an ihren Bugrumpfstammseiten als Staffelzeichen eine
"Blindekuh", das Bild einer schwarz-weiß gefleckten Kuh mit schwarz
verbundenen Augen.
Der erste Bewohner der Villa soll Major Sieber, der letzte Oberst Arndt
gewesen sein. Während des 2. Weltkrieges war der Fliegerhorst Brandis
Heimatflugplatz von Bomber-, Nachtjagd- und Jagdgeschwadern mit
Raketen-
und Düsenflugzeugen wie der ME 163 und Erprobungsplatz der Junkers AG
Dessau. So wurde auch der kreisrunde Nurflügler "Sack ASG", dessen
Konstrukteur der Macherner Arthur Sack (1900-1964) war, hier erprobt,
kam
aber nicht über die Erprobung hinaus. Bilder dieses an eine"fliegende
Untertasse" oder einen "Bierdeckel" erinnernden kreisrunden Flugzeuges
in
voller "militärischer Kriegsbemalung" von 1944 erschienen 1991 in der
Zeitschrift "Aviatik: Deutsche Fluggeschichte" Nr.3 und 1996 in dem
Buch von
Stephan Ramson "Zwischen Leipzig und der Mulde:Flugplatz Brandis 1935 -
!945". Die Bilder hatte alle Jürgen Sack, Sohn von Athur Sack, aus
dessen
Nachlaß bereitgestellt.
Nach Kriegsende 1945 ging der Flugplatz Brandis in die Nutzung der
Luftstreitkräfte der Sowjetarmee über. Die Villa diente nun als
Kindergarten
für Angehörige der auf dem Flugplatz stationierten sowjetische
Fliegeroffiziere.
Im August 1992 verließen laut Abkommen die letzten sowjetischen
Armeeangehörigen den Flugplatz. Danach erhielt die Stadt Brandis die
schwere finanzielle Last als Eigentümer dieses großflächigen Ojektes
aufgebürdet. Einiges ist heute vermietet und dient zivilem, meist
privatem
Luftverkehr.
Die denkmalgeschützte Villa steht wie andere Gebäude des Flugplatzes
leer.
Da der Flugplatz jetzt nicht mehr von dem Betonplattenzaun sondern von
grünem Maschendraht nach außen abgeschirmt wird, können von Machern
Kommende schon von weitem den Giebel der Villa mit dem markanten
Eingangsportal erspähen.
Bis zum "Lat-updated 2002" ergaben sich folgende
Veränderungen: Es wird zwischen verschiedenen Interessengruppen und auf
verschiedenen Ebenen heftig weiter um die Zukunft des Flugplatzgeländes
gestritten. Die Kommandanten Villa unterliegt weiterhin dem langsamen
Verfall.
1922 kam die fünfköpfige Familie Richard Sebecks von Chile nach
Deutschland zurück. Vorbereitet durch Vater Franziskus Sebeck, erwarb
der
zurückgekehrte Sohn Richard von Baron von Helldorf die Villa und
dazugehöriges Land, hauptsächlich Wald.
Die Villa war 1907 von dem damaligen Hauptmann und späterem Major
Hermann Wolf von Ehrenstein erbaut worden. Er hatte das Land von
seinen
Verwandten Schnetger günstig gekauft. Wie ein Gedenkstein auf dem
Friedhof in Machern ausweist,starb von Ehrenstein nach schwerer
Verwundung 1918 in der Ukraine. Das Anwesen ging an Kreßner, dann an
Baron von Helldorf über.
Richard Sebeck, der Forstwirtschaft und eine kleine Landwirtschaft
betrieb,
geht in die Macherner Geschichte ein durch den Waldverkauf für den so
benannten "Waldwinkel", zu dem ihn finanzielle Schwierigkeiten Anfang
der
30iger Jahre genauso zwangen wie nördlich der Bahnlinie die Schnetgers,
die
Land für eine "Gartenstadt Machern" veräußerten. Richard Sebeck hatte
sich
bei dem Waldwinkelprojekt auch um die Wege zu kümmern, die 1935 in
Plänen nur große Buchstaben von A bis D trugen und erst später die
Baumwege-Bezeichnungen Fichtengang, Buchenweg, Eichenweg und
Birkenweg erhielten. Heute ist der "Waldwinkel" zu einem
Vorzugswohngebiet
geworden. Auch Sparziergänger lieben ihn.
1944 mußte Richard Sebeck die Villa verkaufen und errichte sich ein
neues
einfacheres Haus am Eichenweg, wo noch heute seine Tochter Ingeborg
Noffz mit ihrem Mann und ihr Sohn mit Familie wohnen.
Neue Eigentümerin der Villa wurde Frau Hanemann,
Möbelhausbesitzerin in
Düsseldorf. Durch die Kriegsereignisse gezwungen, verlagerte sie ihr
Möbellager von dort in die Macherner Villa .
Nach Kriegsende 1945 übernahm diese durch Kauf die "Leipziger Zeitung GmbH", nach deren
Liquidation 1948 erhielt sie die Stadt Leipzig unter
Oberbürgermeister Erich
Zeigner. Nach dessen Tod 1949 machte die Stadt aus ihr in der schweren
Nachkriegszeit ein Kinderheim, das den Namen "Erich Zeigner"
erhielt. Seit 1974 fungierte die Gemeinde Machern als Betreiber
des
Kinderheims. Sie verkaufte es 1993 an eine Wurzener GBR, die es seit
1993 an
das "Kinderheim Machern gGmbH" vermietet hat. Gegenwärtig werden
dort 40
Kinder gemeinnützig betreut und versorgt.
Bis zum "Last-updated-2002" ergaben sich keine besonderen
Veränderungen.
Herzlichen Dank sagt der Autor seinen offenherzigen
Gespächspartnern, die
ihm als "Pfad- und Tatsachenfinder" für die "Villengeschichten"
außerordenlich viel geholfen haben. Es waren dies aus Machern: Gertrud
Hennemann, Regina Neels, Frau Schilde, Ingeborg und Bruno Noffs, Irma
Wolf, Frau Reinicke, Frau Dietrich, Frau Bergmann, Herr Dix, Herr
Börner,
Herr Schwarze, Jürgen Sack , Frau Dr. Heigel und Herr Heigel; aus
Zeititz:
Herr und Frau Gall, Herr und Frau Karnahl, Frau Berger und Frau Bielig;
aus
Leulitz: Herr Straßberger, aus Wurzen: Frau Wilhelm und Herr Lehmann;
aus
Leipzig: Frau Dr.Pantenius, Herr Prinz, Herr Ermisch und Herr Windisch;
aus
Otterwisch: Regina Doege und Frau Hielscher.
Anhang: Neue Macherner Villen ohne Geschichten
Nach 1990 herrschte im prosperierenden Machern auch eine rege
Wohnungsbautätigkeit, wobei schöne Einfamilienhäuser entstanden. Viel
zu jung an Jahren, weisen diese noch keine nennenswerten Geschichten
auf. Die Bilder einiger von ihnen
könne aber als interessanter, allerdings kommentarloser
Bauwerksvergleich mit denen der geschichtsbeladenen alten Villen
dienen.
Machern, 12.07.1998/ Prof. Dr.
Heinz Mielke
Last updated: 30. 07. 2002