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Die Deutsche Forschungsinitiative Eßstörungen e.V. (DFE)

Projekt: Beratungs- und Vermittlungsnetzwerk/ Qualitätsevaluation Versorgungsstruktur Essstörungen

Die Deutsche Forschungsinitiative Eßstörungen e.V. (DFE) gründete 1998 einen Beratungs- und Informationsserver zu Essstörungen, der unter den Adressen www.anorexia.de, www.bulimie.de und www.ab-server.de zu erreichen ist. Alle an diesem Projekt beteiligten, aktiven Mitglieder der DFE sind Mitarbeiter des Klinikums der Universität Leipzig (Ärzte, Psychologen), die im Bereich der Forschung und Therapie von Essstörungen langjährige Erfahrungen besitzen. Seit 1998 wurden auf dem ab-server über 2 Mio. Zugriffe registriert und über 3.000 E-Mail-Anfragen in der Online-Beratung bearbeitet. Das seit 2000 existierende Internetforum für Betroffene und Angehörige weist bisher über 70.000 Einträge auf.

Die aktuellen Aufgaben des ab-servers bestehen in:


Ein besonderes Anliegen der DFE ist es, Forschungsvorhaben zu allen Aspekten der Essstörungen zu unterstützen sowie neueste Erkenntnisse und Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zukommen zu lassen (z.B. die neuesten Ergebnisse zur Behandlung von Bulimie durch den Wirkstoff Spironolacton von Prof. Dr. Wernze aus Würzburg).

Neben den bisherigen Leistungen des ab-servers sollen im Rahmen des durch die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen geförderten Projektes folgende Teilprojekte durchgeführt und als ständige Aufgaben des Servers entwickelt werden:

1. Aufbau eines bundesweiten Online-Beratungsnetzwerks für Essstörungen

2. Aufbau eines überregionalen Online-Vermittlungsnetzwerks für Akutpatienten mit Essstörungen

3. Qualitätsevaluation der Versorgungsleistungen: Qualitative und quantitative Beurteilung der in Deutschland bestehenden medizinisch-klinischen Versorgungsstruktur für Patienten mit Essstörungen und deren Angehörige mittels Online-Fragebogenstudien

4. Interdisziplinäre Forschungsprojekte: Sozialwissenschaftliche Studien zu verschiedensten Aspekten der Internetnutzung und Behandlung von Essstörungen.



Teilprojekte
1. Aufbau eines bundesweiten Online-Beratungsnetzwerks

Die bisherige Beratungsleistung für Betroffene und deren Angehörige soll per E-Mail (auch telefonisch oder brieflich) im Rahmen eines deutschlandweiten Beratungsnetzwerks geleistet werden. Bisher ist dies eine Leistung, die ausschließlich durch das bestehende Beratungsteam der DFE realisiert wird. Geplant ist, die Beratungskompetenz durch eine Auswahl von Fachkliniken sowie von Vereinen und Selbsthilfegruppen zu integrieren, so dass die den ab-server erreichenden Anfragen von Betroffenen und Angehörigen im gesamten Bereich des Netzwerkes bearbeitet werden können. Hierdurch kann die Qualität und die fallspezifische Präzision der Beratungsaussagen deutlich erhöht werden.

Das Online-Beratungsnetzwerk hat insbesondere aufgrund seines Schutzes der Anonymität eine entscheidende Bedeutung für die Erstkontaktaufnahme von Betroffenen. Bisherige Analysen haben gezeigt, dass die sachkompetente Reaktion auf Erstkontakte wesentlich dazu beiträgt, bereits im frühen Erkrankungsstadium die Bereitschaft für eine Therapie bei den Betroffenen anzuregen. Obgleich gegenwärtig keine Vergleichszahlen vorliegen, zeigt doch die übergroße Anzahl von Erstkontakten, dass dieses Serverangebot einen deutlichen Beitrag zur Früherkennung der verschiedenen Erkrankungen leistet, insbesondere für Patienten mit Anorexia nervosa und Bulimia nervosa.

Ein Beratungsnetzwerk dient weiterhin der Qualitätssicherung der bundesweit wirksamen Beratungsaktivität des Servers und verhindert somit eine Einseitigkeit des Aussagenspektrums. Darüber hinaus kann die jeweilig spezifische Kompetenz der beiteiligten Partner in die Beratung einfließen.

Die ständige wissenschaftliche Analyse der Angebotsnutzung ergab einen überaus großen Bedarf an entsprechenden Informationen zu Essstörungen, vor allem bei betroffenen Jugendlichen und deren Angehörigen. Die Struktur der E-Mail-Anfragen hinsichtlich quantitativer und qualitativer Merkmale wurde analysiert und veröffentlicht in:

Grunwald, M., Busse, J. C.(2002 in press): Online consulting service for eating disorders - Analysis and perspectives. Computers in Human Behavior (PDF).
Grunwald, M., Busse, J. C. (2002): Online-Beratung bei Essstörungen. Chancen für eine bessere Versorgung. Deutsches Ärzteblatt/ Praxis Computer 2, 25-27.
Grunwald, M (in press 2002): Essstörungen: Wird das Internet als Informationsquelle von Betroffenen und Angehörigen genutzt? In: Klinische Psychologie --im Internet (Hrsg. B. Batinic, C. Eichenberg) Göttingen: Hogrefe Verlag.
Grunwald, M., Richter, T., Assmann, B., Ettrich, C., Gertz, H.-J. (1999): Internet-Nutzung von Patienten und Angehörigen: Beratung bei Eßstörungen. Deutsches Ärzteblatt/ Praxis Computer 4, 24-26.

In gleicher Weise sollen stets die Ergebnisse der wissenschaftlichen Strukturanalyse der Beratungsarbeit in das Beratungsnetzwerk Essstörungen einfließen und den Krankenkassen sowie anderen Organisationen (ggf. andere Beratungsnetzwerke) zur Verfügung gestellt werden.


2. Aufbau eines überregionalen Online-Vermittlungsnetzwerks für Akutpatienten

Bisher unterstützte der Internetserver klinische Einrichtungen bei der Vermittlung von Therapieplätzen für akute Fälle von Essstörungen, die sich z.B. in intensiv-medizinischer Behandlung befanden. Die Suche nach entsprechenden Partnern ist jedoch gegenwärtig pro Einzelfall sehr langwierig, da dem Server keine bundesweiten Informationen über aktuelle Kapazitäten zur Behandlungsübernahme vorliegen. In Zusammenarbeit mit Kliniken und anderen Therapieeinrichtungen soll ein Katalog der Kapazitätsauslastung zusammengestellt werden. Dieser Katalog soll die Überweisungswege entscheidend verkürzen und unnötig lange Wartezeiten verhindern. Ebenso soll damit erreicht werden, dass den Patienten innerhalb des Gesundheitssystems möglichst ohne Zwischenschritte die effektivsten therapeutischen Maßnahmen zugute kommen und somit ineffektive "Verlegenheitsbehandlungen" entfallen.

Entsprechende Informationen sollen in diesem Teilprojekt stets aktuell und online über den ab-server zur Verfügung gestellt werden. So hätten dann auch nicht medizinisch-psychotherapeutisch arbeitende Einrichtungen die Möglichkeit, alle relevanten Informationen schnell und aktuell zu erhalten, um Patienten ohne größeren Zeitaufwand an Fachkliniken und Spezialabteilungen überweisen zu können.

Dieser Informationspool würde eine wesentliche Entlastung der behandelnden Einrichtungen und Institutionen bezüglich langwieriger Informationsbeschaffung bedeuten. Die ermittelten Daten sollen der Öffentlichkeit und den Krankenkassen zur Verfügung gestellt werden.



3. Qualitätsevaluation der Versorgungsleistungen im Bereich Essstörungen

Die Analyse bestehender Versorgungsleistungen im Bereich der Essstörungen wird sich u.a. mit den folgenden Aspekten befassen, mit der:

Im Einzelnen sollen spezifische Problemfelder der Behandlung von Essstörungen untersucht werden:

Hier möchten wir die große Anzahl von Zugriffen und Patientenanfragen nutzen, um Online-Fragebogenstudien über den Server durchzuführen. Der Fragebogen sollte in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen erarbeitet werden. Die ermittelten Daten werden nach entsprechender Analyse in einer Wegweiserstruktur zusammengefasst und auf dem ab-server der Öffentlichkeit sowie den Krankenkassen zur Verfügung gestellt.


Vorstand:
Dr. Martin Grunwald, DP Bianka Aßmann, DP Angelika Dähne, Registergericht Leipzig VR 3096

Anprechpartner:
Dr. Martin Grunwald, Tel.: 0341-97 24 502, E-Mail: mgrun@medizin.uni-leipzig.de
Juliane Busse, Tel.: 0341-97 24 503, E-Mail: busj@medizin.uni-leipzig.de

Adresse:
Klinik für Psychiatrie der Universität Leipzig
DFE/
EEG-Forschungslabor
Emilienstraße 14
04107 Leipzig

Fax: 0341-9724305

URL: www.ab-server.de