E-Mail
- Alttestamentliches Esrabuch (auch als 1. Esra bezeichnet, Nehemia = 2. Esra)
- Apokryphes Esrabuch (gehört zu den deuterokanonischen Schriften; eine Auswahl aus 2 Chr;
Esr und Neh, erweitert durch drei weitere Texte)
- Viertes Esrabuch (jüdische Apokalypse, entstanden um 100 n. Chr., siehe Arbeitsblatt:
Einführung in 4. Esra)
- Fünftes Esrabuch (= 4 Esr 1-2; christl. Werk 2./3. Jh n. Chr., überliefert in Lateinisch,
Original vermutlich Griechisch): im Stil alttestamentlicher Prophetie gehalten; 2 Teile: A.
Drohrede gegen das jüdische Volk, das Gott untreu geworden ist, weswegen sich Gott ein
anderes Volk (die Christen) erwählt ("Weil ihr mich verlassen habt, will ich euch auch
verlassen"). B. Verheißung an Gottes neues Volk, die Christen.
- Sechstes Esrabuch (= 4 Esr 15-16; christl. Werk 3. Jh n. Chr., überliefert in Lateinisch,
Original vermutlich Griechisch): Es wird der Weltuntergang geschildert, verbunden mit
Drohungen gegenüber den Feinden des Gottesvolkes und Ermutigung für die Erwählten.
- Griechische Esraapokalypse (7 Kapitel; 2.-9. Jh. n. Chr.; christliches Werk): Esra möchte die
göttlichen Geheimnisse wissen und wird in den Himmel aufgenommen. Dort führt er einen
Disput mit Gott, in dem er mit Bitten und vorwurfsvollen Klagen an die Gnade Gottes für die
Sünder appelliert. Dies wird von Gott mehrfach abgelehnt. Esra bietet sich selbst Gott anstelle
der Sünder an. Gott nennt Esra die Zeichen des Endes, aber nicht den Termin des Gerichts.
Esra wird von Engeln in die Hölle geführt, wo er z.B. den Antichrist sieht. Schließlich wird er
wieder in den Himmel aufgenommen und sieht dort Henoch, Mose, Paulus, Petrus, Lukas u.a.
und erfährt Geheimnisse (z.B. den Aufbewahrungsort der Luft). Im Folgenden wird Esras
Feilschen mit dem Engel um seine Seele geschildert, ihm wird schließlich vom Gottessohn
selbst die Seele genommen. Am Ende steht ein letztes Gebet Esras, in dem er um den Segen für
diejenigen, die sein Buch bewahren, bittet und um Verderben für die, welche ihm nicht glauben.
- Vision Esras (66 Verse; 4.-7. Jh. n. Chr.; überliefert in Lateinisch, Original vermutlich
Griechisch; christlich): Esra wird in die Hölle geführt, wo er die Qualen der Sünder sieht. Auf
Anfrage erfährt er jeweils die Art der Sünde der Einzelnen und es folgt meist (nahezu
refrainartig) die Bitte um Gnade für die Sünder. Schließlich soll Esra in den Himmel geholt
werden, weigert sich aber zunächst, da er erst alle Qualen der Sünder kennenlernen will. Als er
dann im Himmel ankommt, bitten ihn die Engel für die Sünder Fürsprache einzulegen. Er tut
dies auch, doch Gott verweist auf die eigene Verantwortung des Menschen für seine Sünde.
Wer aber gut handelt, wird in das Himmelreich kommen.
- Fragen Esras (Datierung unklar; zwei armenische Versionen [40 bzw. 14 Verse],
Originalsprache unklar; christlich): aus denen beiden lückenhaften Versionen ergibt sich
zusammengenommen folgender Inhalt: In einem Dialog zwischen Esra und dem Engel geht es
um das Schicksal der Seelen nach dem Tod. Den Gerechten wird Freude und Licht verheißen,
den Sündern Finsternis und ewiges Feuer. Es sind doch aber fast alle Sünder, stellt Esra fest
und bittet deshalb um Gnade für sie. Die nächste Frage ist, was unmittelbar nach dem Tod
folgt. Die guten Seelen gelangen zu Gott, die bösen werden von den Dämonen gefangen
gehalten. Es folgt die Frage, wie Seelen aus der Hand des Satans befreit werden können (durch
Gebet). In Version B folgt die Ankündigung von Auferstehung und Endgericht.
- Offenbarung Esras (7 Verse; vor 9. Jh. n. Chr., Lateinisch; christlich): Es wird geschildert,
welchen Einfluß der jeweils auf den 1. Januar fallende Wochentag für den Verlauf des Jahres
hat. Ist der 1.1. ein Sonntag, gibt es z.B. einen warmen Winter, ist es ein Samstag, so folgt ein
schlechter Frühling etc. Esra war im Mittelalter ein beliebtes Pseudonym für Wahrsager.
- Sehr eng verwandt mit den pseudepigraphischen Esraschriften ist die Sedrachapokalypse (16
Kapitel; 2.-5. Jh. n. Chr,; Griechisch; christlich): Nach einem Lob auf die Liebe folgt die
Himmelfahrt Sedrachs (gegen dessen Willen). Ihm wird gestattet, mit Gott zu rechten. Es folgt
die Frage, warum Gott den Menschen dem Untergang überläßt, wo er doch für ihn die Welt
geschaffen hat. Gott verweist auf Adams Verantwortlichkeit für sein Vergehen, worauf die
Frage folgt, wieso Gott den Teufel gewähren ließ, gegen den man ja gar nichts ausrichten
könne. Wenn Gott sich nicht erbarmen wolle, dann will auch Sedrach zu den Sündern
gerechnet werden. Doch Gott wiederholt, daß sein Zorn über Adam gerechtfertigt war und daß
seine Liebe sich gerade in der Freiheit des Menschen zeigt. Schließlich wird Sedrach sein
begrenztes Erkenntnisvermögen vor Augen geführt. Es folgt auch hier ein Feilschen um
Sedrachs Seele (vgl. griech. Esraapokalypse), die ihm der Gottessohn nehmen will. Sedrach
bittet um Aufschub und stimmt ein Loblied auf den menschlichen Leib an, von dem er nun
Abschied nehmen soll. Er fragt, wie lange ein Mensch Buße tun muß, um vorherige Sünden
aufzuwiegen (3 Jahre für 80-100 Jahre sündiges Leben) und es gelingt ihm, die von Gott
genannt Zeit zu verkürzen (20 Tage). Danach erlaubt Sedrach, seine Seele von ihm zu nehmen.
Übersicht über die verschiedenen Bezeichnungen der Bücher Esra 1-6:
|
Vulgata |
LXX |
Lutherbibel |
engl. Bibel |
| 1. Esra |
1. Esra |
Esdras B,1-10 |
Esra |
Ezra |
| 2. Esra |
2. Esra |
Esdras B, 11-23 |
Nehemia |
Nehemia |
| 3. Esra |
3. Esra |
Esdras A |
----- |
I Esdras |
| 4. Esra (auch Esraapokalypse) |
4. Esra 3-14 |
---- |
---- |
II Esdras 3-14 |
| 5. Esra |
4. Esra 1-2 |
---- |
---- |
II Esdras 1-2 |
| 6. Esra |
4. Esra 15-16 |
---- |
---- |
II Esdras 15-16 |
Diese Datei wurde erstellt von: Thomas Knittel
E-mail: knittel@rz.uni-leipzig.de
Letzte Bearbeitung am: 8. Dezember 1999
Seitenanfang