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Arbeitshilfen für das Studium der Pseudepigraphen von Thomas Knittel, Christfried Böttrich und Jens Herzer |
Der Begriff "pseudepigraph" stammt von dem griechischen Wort "pseudepigraphos" (= fälschlich zugeschrieben) ab und bezeichnet eigentlich Schriften, deren Verfasser sich einen Autorennamen "geliehen" haben. Selbstverständlich haben sie sich damit nicht nur einen Namen "geliehen", sondern eine bestimmte Autorität, die sie sonst nicht hätten. Das Phänomen der Pseudepigraphie begegnet nicht nur im Bereich des frühjüdischen Schrifttums, sondern war in der Antike verbreitet. Man täte vielen Verfassern pseudepigrapher Schriften auch Unrecht, wenn man ihnen unlautere Absichten unterstellen wollte (natürlich gab es das auch, aber es war wohl nicht die Regel). Oft ist die Zuschreibung zu einer bestimmten idealen Figur des Altertums Ausdruck dessen, daß die Verfasser sich selbst als in Kontinuität zu jener Person stehend verstanden und der Meinung waren, deren Glaubenszeugnis für die eigene Gegenwart zu aktualisieren.
Allerdings sind keineswegs alle Schriften, die man unter dem Begriff Pseudepigraphen zusammenfaßt wirklich pseudepigraph. Oftmals wird gar kein Verfassername angegeben. Anderseits läßt sich Pseudepigraphie auch nicht auf die "Pseudepigraphen des Alten Testaments" begrenzen. Der Begriff "Pseudepigraphen des Alten Testaments" ist daher keineswegs geeignet, das Spezifische jener Schriften zu beschreiben, vielmehr wird er sozusagen aus "Gewohnheitsrecht" gebraucht.
Der Begriff "apokryph" (von griechisch "apokryphos" = verborgen) ist auf Grund seiner Geschichte heute doppeldeutig:
Heute hat es sich weitgehend eingebürgert, zwischen Apokryphen (in der unter 1. beschreibenen Bedeutung) und Pseudepigraphen zu unterscheiden. Allerdings findet man zuweilen auch die Bezeichnung Apokryphen auf die Pseudepigraphen angewandt. In der historischen Perspektive ist der Begriff "apokryph" für die hier zu behandelnden Schriften problematisch, da es für deren Entstehungszeit noch keine feste Grenze zwischen "kanonischen" und "apokryphen" Schriften gab.
Die Bezeichnung "Pseudepigraphen des Alten Testaments" ist ein Kunstbegriff, der sich seit J. A. Fabricius (Anfang 18. Jhd.) eingebürgert hat, der allerdings das Wesen jener Schriften nur schlecht zu beschreiben vermag. An Hand welcher anderer Kriterien kann das Spezifische der Pseudepigraphen beschrieben werden? J. H. Charlesworth nennt in der Einleitung seiner Textausgabe (Bd. I, S. XXV) fünf Merkmale, mit denen man jene Texte beschreiben kann, die aber genau genommen keine "Definition" bieten:
Wie Charlesworth selbst einräumt, können diese Kriterien nicht mehr sein als eine allgemeine Beschreibung der Pseudepigraphen. Wenn man sich die Vielfalt der zu den Pseudepigraphen gehörenden Texte anschaut, so ist deutlich, daß sich unter diesem Oberbegriff Schriften verschiedenster Gattungen und verschiedensten Inhalts vereinigen. Jeder Versuch, eine genauere Definition zu bieten, müßte den Kreis der zugehörigen Schriften zwangsläufig einengen. Meines Erachtens ist Charlesworth damit im Recht, daß er eine möglichst breit angelegte Definition und dementsprechend ein möglichst breites Spektrum an Texten bietet. So kann er der Vielfalt der jüdischen Literatur der hellenistisch-römischen Zeit Ausdruck verleihen und auch deutlich machen, daß die Grenzen zwischen jüdischem und christlichem Schrifttum jener Zeit zum Teil fließend waren.
Die Pseudepigraphen des Alten Testaments sind wichtige Zeugnisse für die Lebendigkeit und Vielfalt des frühen Judentums. Besonders an folgenden vier Punkten läßt sich nach J. H. Charlesworth die Bedeutung der Pseudepigraphen verdeutlichen (OTP I, XXVIII-XXIX):
Hinzufügen ließe sich meines Erachtens noch, daß die Pseudepigraphen mehr noch als die späteren rabbinischen Texte zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen frühem Judentum und frühem Christentum erkennen lassen, was sich nicht zuletzt an den Umstand zeigt, daß sie offenbar relativ problemlos von Christen rezipiert und weiterüberliefert werden konnten. Häufig ist es allein diesem Umstand zu verdanken, daß sie erhalten geblieben sind.
Seit 1974 erscheint in Gütersloh die Reihe "Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit" (= JSHRZ). Sie wird herausgegeben von Hermann Lichenberger (früher Werner Georg Kümmel) und ist auf fünf Bände konzipiert, die sich wie folgt gliedern:
Bislang ist lediglich Bd. IV komplett, die anderen sind zu großen Teilen in Einzellieferungen erschienen. Neben den Pseudepigraphen enthält JSHRZ auch die Apokryphen des Alten Testaments. Zur jeder Schrift wird eine Einleitung (Inhalt, handschriftliche Überlieferung, Entstehungsverhältnisse, theologische Grundgedanken, Literaturhinweise) und eine deutsche Übersetzung mit kommentierenden Anmerkungen geboten. Im deutschsprachigen Bereich ist JSHRZ die derzeitige Standardausgabe der Pseudepigraphen, beachten Sie aber, daß ihre englischsprachige "Zwillingsschwester" (von Charlesworth, siehe unten) weitere Schriften enthält, die nicht in JSHRZ aufgenommen wurden.
Neben der deutschsprachigen Reihe JSHRZ gibt es eine englische Ausgabe von James H.
Charlesworth in zwei Bänden: The Old Testament Pseudepigrapha (= OTP, erschienen in Garden
City 1983 bzw. 1985). Hier sind anders als in JSHRZ die Apokryphen des Alten Testaments nicht
enthalten, dafür sind allerdings einige Pseudepigraphen, die in JSHRZ fehlen. Auch hier werden
die Texte in Übersetzung mit kommentierenden Anmerkungen (knapper als in JSHRZ) geboten
und jeweils eine Einleitung (Inhalt, Entstehungsverhältnisse, historische und theologische
Bedeutung, handschriftl. Überlieferung,Bibliographie) vorangestellt.
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Für die Pseudepigraphen gibt es verschiedene Konkordanzen. Die wichtigsten sind:
Sehr hilfreich ist, daß beide Konkordanzen im Anhang die entsprechenden Texte in griechischer
bzw. lateinischer Sprache bieten.
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Neben den vorgestellten Textausgaben und Konkordanzen sind für den Einstieg in die Beschäftigung mit den Pseudepigraphen hilfreich:
Das Internet bietet mittlerweile eine ganze Reihe von nützlichen Hilfsmitteln für die wissenschaftliche Arbeit. Einige davon, die für das Studium der Pseudepigraphen hilfreich sind, werden im folgenden vorgestellt:
E-mail: knittel@rz.uni-leipzig.de
Letzte Bearbeitung am: 20. Juli 2002
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