Abstract:Zwischen
retinalen Neuronen und glialen Müllerzellen gibt es intensive
metabolische Interaktionen im Energiestoffwechsel und bei
der Signalverarbeitung (Abb. 1). Fehlfunktionen
innerhalb dieser Interaktionen können massive Störungen
der Signalverarbeitung und der metabolischen Homöostase
hervorrufen und zu neurodegenerativen Veränderungen in
der Retina führen. So wird zum Beispiel das von aktiven
Neuronen abgegebene Glutamat (Neurotransmitter) von den Müllerzellen
(durch hochspezifische Transporter) aufgenommen, mit Hilfe
des Enzyms Glutaminsynthetase zu Glutamin umgewandelt und
wieder in den Extrazellulärraum abgegeben, wo es von
den Nervenzellen aufgenommen wird und wieder für die
Herstellung von Glutamat zur Verfügung steht ("Transmitterrecycling").
Führen nun pathologische Veränderungen in der Retina
zu Änderungen der Müllerzelleigenschaften, die die
Aufnahme des extrazelluläre Glutamats vermindern, können
im Extrazellulärraum neurotoxische Glutamatkonzentrationen
erreicht werden (Glutamattoxizität). Diese Änderungen
der Müllerzelleigenschaften konnten in verschiedenen
pathologischen Situationen nachgewiesen werden und sind Gegenstand
weiterer Untersuchungen. Die Retina ist eines der metabolisch
aktivsten Gewebe und hat ein entsprechend hohen Sauerstoff-
und Glukoseverbrauch. Das setzt eine effiziente Abwehrmaschinerie
gegen oxidativen Stress voraus, welcher sonst zu massiven
Zellschädigungen führen würde. Glutathion ist
ein zentrales Molekül bei der Beseitigung von Radikalen
und reaktiven Sauerstoffspezies und kann in hohen Konzentrationen
in den Müllerzellen, nicht aber in den retinalen Nervenzellen
nachgewiesen werden (Abb.2). Das ändert
sich, wenn die Netzhaut oxidativen Stress ausgesetzt wird
(Abb.3); in den Neuronen
ist nun GSH nachweisbar und der GSH-Gehalt in den Müllerzellen
sinkt dramatisch. Dieser Transfer von Glutathion von den Müllerzellen
zu den neuronalen Zellen ist Gegenstand intensiver Untersuchungen
und die Beteiligung von spezifischen Transportmolekülen
(z.B. multidrug resistance proteins - MRPs) in diesem Prozess
ist sehr wahrscheinlich (Abb.4).