Abstract:
Eine Netzhautablösung (Amotio retinae; die sensorische Netzhaut
wird vom retinalen Pigmentepithel getrennt,
Abb. 1 oben) löst massive Neurodegeneration aus und kann
zur Erblindung führen, wenn die Netzhautablösung unbehandelt
bleibt. Die Inzidenz der Netzhautablösung in der Gesamtbevölkerung
liegt etwa bei 1:10000. Eine Komplikation der Amotio stellt
die sogenannte proliferative Vitreoretinopathie (PVR) dar.
Hierbei migrieren verschiedene Zelltypen auf die Netzhautoberfläche,
proliferieren dort und bilden zelluläre Membranen, die Zugkräfte
auf die noch gesunde Retina ausüben und diese weiter ablösen
(Abb.1 unten). Um diese pathologischen
Prozesse zu untersuchen, nutzen wir ein Tiermodell, bei dem
die Netzhaut des Kaninchens durch eine chirurgische Operation
abgelöst wird (Abb. 2) oder eine PVR induziert
wird. Einer der reaktiven Zelltypen ist die gliale Müllerzelle.
Als Zeichen einer reaktiven Gliose kann die Expression des
sauren gliafibrillären Proteins (GFAP) in den Müllerzellen
und die Aktivierung der retinalen Mikrogliazellen gewertet
werden (Abb. 3). Die Müllerzelle ändert
dabei ihr typisches Strommuster (dominierende Ein- und Auswärtsleitfähigkeiten
für Kaliumionen); die Kaliumeinwärtsleitfähigkeit wird reduziert
und das Ruhemembranpotential depolarisiert (Abb.
4). Das muß Konsequenzen für die Homöostase des extrazellulären
Milieus haben, welche von der Müllerzelle bedeutend beeinflußt
wird. So werden die von aktiven Neuronen abgegebenen Kaliumionen
und Neurotransmitter nicht mehr oder nur noch eingeschränkt
in die Müllerzelle aufgenommen und können extrazellulär neurotoxische
Konzentrationen erreichen. Des Weiteren reagieren mehr Müllerzellen
der pathologischen Netzhaut auf extrazelluläres ATP mit einem
Anstieg des intrazellulären Kalziums als in den Kontrollnetzhäuten
(Abb. 5). Pathologische Mechanismen, Signalkaskaden
und therapeutische Beeinflußbarkeit dieser Prozesse ist Gegenstand
weiterer Untersuchungen.