Universität Leipzig

Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung

 
Startseite | Historisches | Lehre | Veranstaltungen | Links | Kontakt |

Müllerzelle und Netzhauterkrankungen

Bearbeiter:
Mike Francke, Thomas Pannicke
Doktoranden:
Iwona Goczalik, Elke Ulbricht
Kooperation:
Bringmann, Peter Wiedemann, Susann Uhlmann (alle Augenklinik Leipzig)




Abstract: Eine Netzhautablösung (Amotio retinae; die sensorische Netzhaut wird vom retinalen Pigmentepithel getrennt, Abb. 1 oben) löst massive Neurodegeneration aus und kann zur Erblindung führen, wenn die Netzhautablösung unbehandelt bleibt. Die Inzidenz der Netzhautablösung in der Gesamtbevölkerung liegt etwa bei 1:10000. Eine Komplikation der Amotio stellt die sogenannte proliferative Vitreoretinopathie (PVR) dar. Hierbei migrieren verschiedene Zelltypen auf die Netzhautoberfläche, proliferieren dort und bilden zelluläre Membranen, die Zugkräfte auf die noch gesunde Retina ausüben und diese weiter ablösen (Abb.1 unten). Um diese pathologischen Prozesse zu untersuchen, nutzen wir ein Tiermodell, bei dem die Netzhaut des Kaninchens durch eine chirurgische Operation abgelöst wird (Abb. 2) oder eine PVR induziert wird. Einer der reaktiven Zelltypen ist die gliale Müllerzelle. Als Zeichen einer reaktiven Gliose kann die Expression des sauren gliafibrillären Proteins (GFAP) in den Müllerzellen und die Aktivierung der retinalen Mikrogliazellen gewertet werden (Abb. 3). Die Müllerzelle ändert dabei ihr typisches Strommuster (dominierende Ein- und Auswärtsleitfähigkeiten für Kaliumionen); die Kaliumeinwärtsleitfähigkeit wird reduziert und das Ruhemembranpotential depolarisiert (Abb. 4). Das muß Konsequenzen für die Homöostase des extrazellulären Milieus haben, welche von der Müllerzelle bedeutend beeinflußt wird. So werden die von aktiven Neuronen abgegebenen Kaliumionen und Neurotransmitter nicht mehr oder nur noch eingeschränkt in die Müllerzelle aufgenommen und können extrazellulär neurotoxische Konzentrationen erreichen. Des Weiteren reagieren mehr Müllerzellen der pathologischen Netzhaut auf extrazelluläres ATP mit einem Anstieg des intrazellulären Kalziums als in den Kontrollnetzhäuten (Abb. 5). Pathologische Mechanismen, Signalkaskaden und therapeutische Beeinflußbarkeit dieser Prozesse ist Gegenstand weiterer Untersuchungen.

Aktuelles
Fachartikel des Monats Hier erwarten Sie jeden Monat interessante Neuigkeiten!