Dana Jirouš

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Titel:

Erinnerungskulturen und Konfliktdynamiken.
Zur Bedeutung von Geschichtsbildern für die Entwicklung von Gewaltkonflikten am Beispiel Nordossetien-Inguschetien

 

Thema/ Abstract:

In der Nacht vom 30. Oktober auf den 31.Oktober 1992 eskaliert nach monatelangen Spannungen der gewaltsame Konflikt zwischen bewaffneten Kräften der beiden russländischen Föderationsrepubliken Nordossetien und Inguschetien um den Bezirk Prigorodnyj Rajon. Die Eskalation der Kämpfe dauert sechs Tage und wird von einer Interventionstruppe der Russländischen Föderation gewaltsam beendet. Bei den Auseinandersetzungen werden mindestens 600 Menschen getötet, mehr als 3500 Häuser zerstört und ca. 35.000 Angehörige der inguschetischen Minderheit vertrieben. Das umstrittene Territorium gehört weiterhin zur Republik Nordossetien, bis heute ist der Konflikt ungelöst.

In der Dissertation werden die Eskalationsprozesse rekonstruiert. Dabei gilt das Interesse insbesondere dem Stellenwert von Geschichte und Erinnerung in den Mobilisierungsdiskursen. Untersucht werden einerseits öffentliche Darstellungen und andererseits individuelle Wahrnehmungen von Menschen aus der Region.
Der offizielle Umgang mit der Geschichte in der Sowjetunion/russländischen Föderation stellt im Zusammenspiel mit mündlich tradierten Familiengeschichten eine wichtige Mobilisierungsressource für die gewaltsame Konflikteskalation dar. Geschichte und Erinnerung sind jedoch keine direkte Konfliktursache, sondern entfalten ihre Wirkung im Zusammenspiel mit anderen (sozio-ökonomischen und machtpolitischen) Faktoren. Die Arbeit bildet damit auf der theoretischen Ebene eine Brücke zwischen Theorien der Friedens- und Konfliktforschung und Ansätzen aus der Erinnerungsforschung.