Mathias Rodatz

Mathias Rodatz (Dipl.-Pol.)
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Titel:
Urbane Ordnungen der Migration
Zum Verhältnis von Staatlichkeit und Ethnizität zwischen Diskurs- und Alltagspraxis.


Abstract:
Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Beobachtung einer ‚programmatischen’ Verschiebung der urbanen Regierung von Migration. Lange Zeit galt es, ethnisierte ‚Ausländer’ als (bedrohlich) fremde ‚Mit-Bürger’ in ‚Verteidigung der Gesellschaft’ (Foucault) zu normalisieren oder auszusortieren. Die analoge Problematisierung von Sichtbarkeiten ethnisierter Lebenswelten im Stadtraum kann als Effekt des stadtentwicklungspolitischen Leitbilds der ‚homogenen Stadt’ beschrieben werden. In jüngerer Zeit lässt sich dagegen die Etablierung quartiersbezogener Lösungsstrategien für ‚ethnisch segregierte Stadtteile’ beobachten. Hier wird die ‚Besonderheit’ der Ethnizität als Ressource für den ‚unternehmerischen Migranten’ selbst und somit auch für die Entwicklung des Quartiers entdeckt. Verwaltung beschränkt sich dann als staatliches ‚Management’ auf die Vermittlung bestehender Ressourcen und die Kontrolle ihrer Risiken – im Sinne des ‚Traums’ einer Stadt, die sich durch ihre differenzierten Ordnungen praktisch selbst regiert (Rose).

Das Forschungsprojekt arbeitet diesen vermeintlichen Bruch in der ‚Grammatik’ des Regierens von Migration exemplarisch auf und untersucht die ‚lokalen Epistemologien’ von Verwaltungshandeln (Valverde) und Praktiken der Ethnizität (Pütz) in kontrastreich ausgewählten Stadtteilen (zunächst Leipzig, Berlin). Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Relationalität der lokalen (An-) Ordnungen – die sinnstiftenden bzw. handlungsanleitenden Bezugspunkte (bspw. Erfahrungs-, ExpertInnen-, oder programmatisches Wissen) sowie deren Stabilisierung und Transformation im Prozess der Lokalisierung. Damit trägt das Projekt einerseits zur Kartographie hybrider Wissenskonstellationen in der urbanen Verwaltung von Migration bei. Andererseits zielt es auf die (staats-, regierungs- und migrations-)theoretische Reflexion der Erkenntnisse aus einer Methodologie des praktischen Blicks (Hirschauer, Latour). Über die Kontrastierung abstrakter (Diskurs-) und lokaler (Alltags-)Praktiken könnte die Beschreibung des informellen ‚Wucherns der Diskurse’ bestehende Erkenntnisse über Effekte von Regierungstechniken empirisch anders ausfüllen und so veränderte Bilder von Staatlichkeit, Bürgerschaft und Grenzziehungen entstehen lassen.