Patricia Deuser
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Abstract: Die Musealisierung der Immigration im transnationalen Vergleich (Arbeitstitel)
Das Dissertationsvorhaben analysiert das Phänomen der Musealisierung von Immigration aus demokratietheoretischer Perspektive und konzentriert sich hierbei auf staatliche Museumsprojekte. Seit den 1990er Jahren wurden weltweit Einwanderer- und Auswanderermuseen eröffnet. Zwar gab es zuvor schon Stadtteil- oder Community-Museen, die sich mit der Immigrationsgeschichte des jeweiligen Stadtviertels beschäftigten, das staatliche Interesse der Institutionalisierung von Migrationsgeschichte in der Erinnerungslandschaft ist allerdings neu.
Anhand von Fallbeispielen in Frankreich, den USA und der BRD wird diesem Phänomen hier nachgegangen. Der Repräsentations- und Deutungsmacht des Museums gilt besonderes Interesse, denn es vermag soziale Kategorien zu (re-)produzieren und Wissen zu popularisieren. Während etwa das Ethnologische Museum aus einer eurozentrischen Perspektive die Kategorien von „Wir“ und „Anderen“ bestimmt, das Historische Nationalmuseum aus einer nationalistischen Perspektive dem „Wir“ eine Geschichte gibt, so stellt sich die Frage, welcher Identitätspolitik das Einwanderungsmuseum folgt. Im Gegensatz zu den beiden anderen genannten Museumstypen ist es Produkt einer post-kolonialen Epoche der Globalisierung, in der eindeutige identitäre Zuordnungen und nationalstaatliche Grenzen zunehmend hinterfragt werden. Gleichzeitig zeichnet sich die Gegenwart durch restriktive Grenzpolitiken, Illegalisierung und ökonomische Selektivität gegenüber MigrantInnen und neue Formen des Nationalismus aus. Als staatliche Institution hat das Museum folglich einen widersprüchlichen Auftrag: Einerseits eine inklusive Narration zu schaffen und andererseits die zumeist exklusiven staatlichen Migrationspolitiken zu thematisieren. Ich betrachte das Einwanderungsmuseum als „civic laboratory“ (Bennett 2005). Es stellt einen politischen Schauplatz dar, in dem unterschiedlichste AkteurInnen (PolitikerInnen, HistorikerInnen, KünstlerInnen, migrantische InteressenvertreterInnen etc.) aufeinander treffen. Wie setzen sie sich mit diesen Paradoxien auseinander? Inwiefern produziert die Praxis der Musealisierung neue In- bzw. Exklusionen? Wird im Einwanderungsmuseum die Nation revitalisiert oder post-nationale Narrative geschaffen? Von besonderem Interesse werden die Frage der (Re-)Produktion kultureller und politischer Hegemonien und die Rolle von Sicht- und Unsichtbarkeiten im Museumsraum sein. Methodisch greife ich auf diskursanalytische Methoden (Keller 2004; Jäger 2001) und Ansätze der Akteur-Netzwerk-Theorie (Latour 2007; Law 1992) zurück.
Publikationen
Artikel
- Stairways to immigration – Beobachtungen zu Körper, Raum und Narration auf Ellis Island. In: Berliner Blätter. Ethnographische und Ethnologische Beiträge. Im Erscheinen.
- Genderspezifische Entwicklungspolitiken und Bevölkerungsdiskurse. Das Konzept der „Sexuellen und Reproduktiven Gesundheit und Rechte“ aus postkolonialer Perspektive. In: Peripherie (120/2010), 427-451.
- Deutsche Identitäten nach 1989. Das Dresdner Opfergedenken als politisches Konfliktfeld. In: Deutschland Archiv (5/2008), 810-819.
Rezensionen
- Joachim Baur (Hrsg.) Museumsanalyse – Methode und Konturen eines neuen Forschungsfeldes. Bielefeld: transcript 2010. In: Behemoth, 2010, Vol. 3, No. 2
- Julia M. Eckert (Ed.): The Social Life of Anti-Terrorism Laws. The War on Terror and the Classifications of the Dangerous ‘Other’. Bielefeld: transcript 2008. Review together with Elena Buck; Mathias Rodatz. In: Behemoth, 2009, Vol 2, No. 3.
Tagungsberichte
- Migration in Museums: Narratives of Diversity in Europe. 23.-25. Oktober 2008, Berlin. hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2500