Patricia E. Rendón Galván

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Titel:

Gemeinschaftsradios in Kolumbien und ihr Verhältnis zu internationalen NGOs: Wie autonom und autochthon sind sie?

 

Abstract:

In Kolumbien nahm Ende der 80er Jahre mit der Gründung vereinzelter Gemeinschaftsradios innerhalb der Unterschichten (sectores populares) eine Art neue soziale Bewegung ihren Anfang, deren Akteure eine Demokratisierung der Kommunikation verlangen. Sie fordern Veränderungen in der staatlichen Kommunikationspolitik, um dem Anspruch von Basisorganisationen, alternative Medien zu gründen, gerecht zu werden. In den letzten zehn Jahren ist ein signifikanter Anstieg der Zahl dieser Gemeinschaftsradios in Kolumbien zu beobachten, vor allem in den sogenannten „Zonas de Conflicto“, wo der innere bewaffnete Konflikt die sozialen Dynamiken dieser Regionen geprägt hat.

Auf den ersten Blick handelt es sich um gemeinschaftliche alternative Medien, die sich kritisch mit den politischen Dynamiken des Landes auseinandersetzen und unabhängig von staatlichen Institutionen und traditionellen politischen Akteuren sind. Das zeugt von Autonomie, ein Begriff, der angewandt wird, um die Unabhängigkeit der Zivilgesellschaft zu bezeichnen. Andererseits spiegelt sich die Wirkungsweise internationaler NGOs zu spezifischen Themen wie Demokratieförderung und Konflikttransformation in lokalen Dynamiken organisierter sozialer Initiativen wider. Gerade bei den Gemeinschaftsradios ist eine Reproduktion von Zielen und Methoden beobachten, die mit der Ausrichtung internationaler NGOs übereinstimmt.

Welche Verhältnisse entwickeln sich zwischen den internationalen NGOs, die zur Förderung der Demokratie in Entwicklungsländern Projekte wie die „Radialistas Comunitarios“ unterstützen und Einfluss auf lokale Realitäten nehmen, und den Akteuren der Gemeinschaftsradios? Wie autonom und autochthon sind Praxis und Diskurse der heutigen Gemeinschaftsradios in Kolumbien?

Der Begriff „autochthon“ wird bei der Betrachtung der politischen Validität des Ursprunges des Prozesses der „Radialistas Comunitarios“ in Kolumbien relevant. Während der Begriff „autonom“ bei der Analyse des aktuellen Zustands der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit dieser lokalen Organisationen seine Anwendung findet.

Im Dissertationsvorhaben wird die Frage erörtert, wie autonom und autochthon diese zivilgesellschaftlichen Akteure in Korrelation zu den Interessen internationaler Nichtregierungsorganisationen in Kolumbien sind. Um diese Frage zu beantworten, werden Gemeinschaftsradios, die unter unterschiedlichen soziopolitischen Bedingungen arbeiten, in vier verschiedenen Regionen Kolumbiens durch die Methode des Vergleichs untersucht.