Peter Zoche, Stefan Kaufmann und Rita Haverkamp (Hrsg.): Zivile Sicherheit. Gesellschaftliche Dimensionen gegenwärtiger Sicherheitspolitiken, Bielefeld: transcript (2011).
Das Thema Sicherheit ist alles andere als in der Krise und das zeigen auch die Beiträge dieses Sammelbandes. Egal ob Betriebswirtin oder Sozialwissenschaftler, Juristin oder Ingenieur und auch Bundesministerin Annette Schavan als Keynote-Speakerin: Innovation und „mehr Forschung“ werden in fast jedem Beitrag gefordert. Nicht zuletzt, um auf dem „Sicherheitsmarkt“ „zukunftsfähig“ zu sein (Schavan). Das klingt fast, als müsse manch einer sein wissenschaftliches Dasein rechtfertigen, was dem Charakter des Kongresses entsprungen sein mag. „Zivile Sicherheit in den sicherheitspolitischen Kern zu rücken, basiert auf einer Rationalität, aus der heraus Gefährdungen, Bedrohungen und Risiken heterogener Herkunft in einen gleichen Gefährdungskontext überführt werden“, die darin bestehe, Gefährdungen „auf die Verwundbarkeit des modernen Lebens“ zurückzuführen. Das ist das Programm, welches dem vorliegenden Sammelband vorangestellt wurde und der die Dokumentation des Kongresses „…mit Sicherheit: für Freiheit – Die gesellschaftlichen Dimensionen der Sicherheitsforschung“, veranstaltet im November 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, darstellt.
Interessanterweise ist jene Rationalität der Zivilen Sicherheit in den wenigsten Beiträgen Gegenstand der Ausführungen. Das ist einerseits schade, weil das Versprechen des Titels nicht nur wegen der transdisziplinären Thematik und Besetzung verlockend klingt. Diese Inter- oder Transdisziplinarität bleibt damit wie so oft ein bloßes Etikett. Außerdem mangelt es einigen Beiträgen auch an dieser oder überhaupt einer (gesellschafts-)theoretischen Reflexion. Dass drei Keynotes den Auftakt bilden müssen ist im übrigen unnötig, aber wohl ebenfalls der Kongressidentität geschuldet. Andererseits ist der größere Teil der Beiträge durchaus auch ohne eine wirklich bindende Klammer lesenswert, obschon die meisten bei einem abstrakten Überblick über das Forschungsgebiet und eigene Forschungsinteresse verbleiben. Berücksichtigt man die sicherlich gewollte Heterogenität des Bandes ist das sogar ein Vorteil, denn sonst würde der inhaltliche Rahmen wohl vollends gesprengt werden. So erfährt man etwas zur Hochwasserprävention in Köln und Dresden, zu rechtlichen Regelungen der Vorratsdatenspeicherung, zur Erweiterung des Sicherheitsbegriffs, zur Sicherheitsgesellschaft selbst, zu (ökonomischen) Kosten von Sicherheit, zum Problem Kriminalitätsfurcht, usw. Insbesondere die Beiträge von Albrecht, Herschinger/ Jachtenfuchs/ Kraft-Kasack, Daase, Gusy und Kreissl sind lesenswert: allesamt aber sozialwissenschaftlicher bzw. juristischer Provenienz. Die übrigen Beiträge sind dagegen eher Anschauungsmaterial: schließlich erzählt der Band als solches und einige der „technischen“ Artikel im speziellen dem Leser/der Leserin dann doch ein wenig über die Rationalität (Ziviler) Sicherheit(sdiskurse).
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