Geschichte der Psychologie an der Universität Leipzig |
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| Psychologietradition in Leipzig | Institutsentwicklung ab 1917 | |||
| Im Weiteren soll die Institutsentwicklung in Übersichten dargestellt werden: 1917 wird Felix Krueger (1874-1948) Institutsdirektor, offensichtlich auf Vorschlag Wundts nach Abstimmung mit Johannes Volkelt und Eduard Spranger. Begründung: Krueger sei der einzige, der beide Richtungen Wundtscher Psychologie, experimentelle und Völkerpsychologie, weiterzuführen versprach. Die Abteilung Psychophysik wird als Psychophysisches Seminar aus dem Institut ausgegliedert. Die a.o. Professur des Leiters Wilhelm Wirth (1876-1952) wird in „Philosophie, insbesondere Psychophysik“ umbenannt, die Existenz des Psychophysischen Seminars zeitlich bis zur Emeritierung Wirths begrenzt. Mitglieder des Seminars sind v.a. Studenten im Status von Hilfsassistenten. Eine feste Assistentenstelle wurde vom Ministerium abgelehnt. Am Institut bestehen unter dem Direktorat Krügers folgende Abteilungen: Abteilung für angewandte Psychologie und experimentelle Pädagogik Abteilung für Maßmethodik und Psychologie der Wahrnehmung Abteilung für Psychologie der höheren Funktionen Abteilung für Entwicklungspsychologie, einschließlich Psychologie des Kindes 1925: erfolgt die Umbenennung in „Psychologisches Institut“. Außerdem lässt Krüger das 50 jährige Instituts-Jubiläum feiern und befindet sich damit im Widerspruch zu Wundts Darstellung der Institutsgründung. Mitarbeiter des Instituts: 1918: Otto Klemm, Friedrich Sander, August Kirschmann, Hans Volkelt 1927: wird eine 5. Assistentenstelle mit K.Graf v. Dürckheim besetzt. 1929: nach der Berufung von Sander nach Gießen wird Johannes Rudert Assistent, 1930: Arnulf Rüssel als Nachfolger von Kirschmann. 1934: Ehrig Wartegg, Rudolf Hippius und Max Schneider (der spätere berühmte Zoo-Direktor in Leipzig). Im April 1935 wurde Felix Krueger Rektor der Universität Leipzig. Seine Antrittsrede als Rektor enthielt die Hoffnung auf einen nationalsozialistischen Kern an der Universität mit volksverbundenener Gesinnung. Bereits im Dezember 1935 wurde er vorgeladen, um sich zu Angriffen des NS-Studentenbundes zu äußern: der Studentenbund hatte sich über Professoren beschwert, die in Vorlesungen Positives über Juden gesagt haben sollten. Zu den so kritisierten zählte Krueger, er hatte im Zusammenhang mit der Selbstlosigkeit vieler deutscher Gelehrter von dem „edlen Juden Heinrich Hertz gesprochen“. Zu seiner Rechtfertigung erklärt er u.a., dass er nie einen jüdischen Assistenten beschäftigt habe. Man rät ihm, aus Gesundheitsgründen das Rektoramt abzugeben, was ab 8.1.1936 erfolgt. Am 14.6. 1936 teilt er dem Dekan der philosophisch-historischen Klasse der Philosophischen Fakultät mit, dass seine Vorlesungen wegen Herzbeschwerden ausfallen müssen. Im September bittet er aus Gesundheitsgründen um Emeritierung. Kommissarischer Direktor des Institutes wird Otto Klemm (1884-1939), nach dessen Tod (5.1.39) Hans Volkelt (1886-1964). Als mögliche Nachfolger Kruegers werden im Februar 1938 dem Ministerium genannt: Oswald Kroh / Tübingen Friedrich Sander / Jena Bruno Petermann / Hamburg Otto Klemm / Leipzig Hans Volkelt sollte auf ein auswärtiges Ordinariat vorgeschlagen werden. Wilhelm Wirth war 61 Jahre alt und spielte offensichtlich aus Altersgründen keine Rolle. Im Schreiben des Ministeriums wird die Fakultät aufgefordert, bei der Neubesetzung des Direktorats der Rassenseelenkunde besonderes Gewicht zukommen zu lassen. Die Vorschlagsliste vom 16.5.1938 lautet schließlich: Platz 1: Friedrich Sander / Jena Platz 2: Kurt Gottschaldt / Berlin Platz 3: Otto Klemm / Leipzig; Hans Volkelt / Leipzig Es wird unterstrichen, dass in Leipzig neben der rassenseelenkundlichen Thematik auch die Tradition durch Wundt bedacht werden sollte. Im Juli wird die Liste durch Phillip Lersch / Breslau ergänzt. Das Ministerium verhandelt mit Sander, der im Oktober absagt. Die Fakultät favorisiert sofort Lersch. Klemm soll überzeugt werden, einen Ruf nach Gießen anzunehmen. Philip Lersch (1898-1972) nimmt den Ruf an und wird im Oktober 1939 Direktor des Instituts. Die Abteilung Entwicklungspsychologie, einschließlich Psychologie des Kindes wird aus dem Institut ausgegliedert und als selbständiges Psychologisch - Pädagogisches Institut Hans Volkelt unterstellt. Ausdrücklich wird festgelegt, dass diese Abtrennung nur bis zur Emeritierung Volkelts vorgesehen ist. Mitarbeiter unter dem Direktorat Lerschs: Albert Wellek und Hans Thomae als Assistenten, ehrenamtliches Mitglied für angewandte Psychologie wurde der Leiter der Berufsberatung des Arbeitsamtes Leipzig, A. Ehrhardt. Außerdem bemühte sich Lersch um eine tierpsychologische Abteilung, die 1941 eingerichtet und von Werner Fischel geleitet wird. Lersch nimmt zum 1.10. 42 einen Ruf nach München an. In Leipzig wird Johannes Rudert (1894-1980) amtierender (stellvertretender) Institutsdirektor, nachdem er bereits 1941 die a.o. Professur von Klemm angetreten hatte. 1943 ist das Institut mit der Universität ausgebombt. Nach der Wiedereröffnung der Universität 1946 stand das Institut zunächst unter Leitung des Dekans der Philosophischen Fakultät, Hans-Georg Gadamer. Dieser nahm Kontakt zu Wilhelm Wirth auf, um das Psychologische Institut wieder einzurichten. 1949 übernahm Ernst Bloch die kommissarische Leitung, ebenfalls als Dekan der Philosophischen Fakultät. 1952 wurde schließlich Ernst Struck Institutsdirektor, verstarb aber 1954. Kurz vorher wurde die Abt. für Tierpsychologie wieder eingerichtet und Werner Fischel (aus München) übertragen. Nach dem Tod von Struck übernahm kurzzeitig K. Fischer kommissarisch, ab 1955 Werner Fischel das Direktorat des Instituts. 1964, im Zusammenhang mit dem 85. Jahrestag der Institutsgründung erhielt das Institut den Beinamen „Wilhelm Wundt“. Zu den wichtigsten Forschungsbereichen gehörten: Allgemeine Psychologie, Angewandte Psychologie (Arbeitspsychologie und Diagnostik), Pädagogische Psychologie und Tierpsychologie. 1965 wurde Fischel emeritiert, die Institutsleitung übernahm Adolf Kossakowski. Es erfolgte eine Einengung des Ausbildungs- und Forschungsprofils auf Pädagogische Psychologie. Im Rahmen der III. Hochschulreform der DDR (1968) wurde das Psychologische Institut „Wilhelm Wundt“ zu einem Fachbereich der Sektion Pädagogik/ Psychologie, Kossakowski Fachbereichsleiter – die Sektionsleitung oblag einem Professor der Pädagogik. Nach der Umberufung von A. Kossakowski nach Berlin (1970) wurde Günter Clauß die Fachbereichsleitung übertragen. Mit der Besinnung auf die große Tradition und die daraus erwachsende internationale Bedeutung erhielt die Psychologie 1975 wieder den Status einer eigenständigen Institution als Sektion Psychologie „Wilhelm Wundt“. Höhepunkte der Traditionspflege waren die 100 Jahrfeier des Instituts (1979) und der Internationale Kongress für Psychologie 1980, ein Treffen der Psychologen aus aller Welt am Gründungsort des ersten psychologischen Instituts durch Wilhelm Wundt. Direktoren der Sektion Psychologie waren: 1975–1980 Manfred Vorwerg, 1981–1985 Wolfgang Kessel, 1985–1990 Harry Schröder, ab 1990 komm. Fachrichtungsleiter Klaus-Udo Ettrich, ab 1992 Jürgen Guthke.... Zwischen 1968 und 1976 waren nur Diplompsychologen für Pädagogische Psychologie (und Fernstudenten mit dem Abschluss Diplompädagoge für Pädagogische Psychologie) ausgebildet worden. Mit dem Aufbau der eigenständigen Sektion Psychologie erfolgte ab 1976 auch eine Ausbildung von Diplompsychologen für Klinische Psychologie. Darüberhinaus entstanden folgende forschungsbezogene Arbeitsgruppen, die das umfangreiche Profil der neuen Sektion eindrucksvoll dokumentieren: Allgemeine Psychologie mit Schwerpunkt Gedächtnis und Methodik (Hans-Jürgen Lander), Allgemeine Psychologie mit Schwerpunkt Wahrnehmung (Hans-Georg Geißler), Arbeits- und Ingenieurpsychologie (Helmut Kulka), Entwicklungspsychologie (Klaus-Udo Ettrich), Geschichte der Psychologie (Wolfram Meischner), Klinische Psychologie (Harry Schröder), Lernpsychologie (Günther Clauß), Persönlichkeitspsychologie und Sozialpsychologie (Manfred Vorwerg), Psychologische Diagnostik (Jürgen Guthke), Psychologie der Lehrerpersönlichkeit und Lehrertätigkeit (Wolfgang Kessel), Psychomotorik (Inge Meischner). Mit der Neugründung der Fakultäten 1993 entstand eine Struktur mit drei Instituten an der Fakultät für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie: Allgemeine Psychologie Angewandte Psychologie Entwicklungs-, Persönlichkeitspsychologie und Psychodiagnostik Die gegenwärtige Struktur mit den Instituten für Psychologie I und Psychologie II wurde im Rahmen der Neustrukturierung der Fakultät im Jahre 2004 realisiert. |
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