In meinem Vortrag soll das Phänomen der Nachzustandsmodifikation (NM) thematisiert werden, das häufig bei telischen Verben auftritt. Diese Verben führen einen Zustandswechsel ein und haben in ihrer semantischen Repräsentation ein Prädikat, das den Nachzustand dieses Zustandswechsels beschreibt. Nachzustandsmodifikation besteht nun darin, daß sich Modifikatoren wie Durativadverbien, ,,again`` und ,,almost`` auf dieses Nachzustandsprädikat beziehen können:
| (1) | leave for two hours: ,weggehen und zwei Stunden lang abwesend sein` |
| (2) | leave again: ,eine vorherige Abwesenheit wieder herstellen` |
| (3) | almost solve the problem: ,etwas tun, was etwas bewirkt, das dem Lösen des Problems nahekommt` |
Ich werde zunächst Lösungsvorschläge zu diesem Phänomen aus der Literatur (Dölling, Piñón, v.Stechow, Blutner/Jäger) diskutieren. Dabei stellen sich zwei Beobachtungen als Hauptprobleme für die bisherigen Ansätze heraus:
- die Einführung einer expliziten Variable für den Nachzustand in der semantischen Repräsentation von Fällen von NM reicht nicht aus
- auch Allquantoren können Skopus unmittelbar oberhalb des Nachzustandsprädikats nehmen
Danach werde ich einen Ansatz für die Beschreibung des Problems vorstellen, der Nachzustandsmodifikation direkt als strukturelle Mehrdeutigkeit beschreibt. Damit ist es möglich, das Phänomen als Instanz eines generelleren Phänomens zu erfassen: Modifikatoren können sich auch in vielen anderen Fällen semantisch nur auf einen Teil ihres Modifikanden beziehen, z.B. in Fällen wie ,,beautiful dancer`` oder ,,someone new``.
Dieser Vortrag untersucht resultative Verbableitungen, d.h. stative Prädikate, die aus Ereignisverben gebildet werden und einen Resultatszustand bezeichnen. Im Deutschen handelt es sich dabei um "Perfekt"-Partizpien in Kopulakonstruktion (wie in den Beispielen a und b unten), jedoch kommen in anderen Sprachen auch rein verbale Formen in dieser Funktion vor (z.B. Koreanisch). Eine zentrale Frage für die Semantik resultativer Formen ist, ob ihr Resultatsbezug in einer Externalisierung des Resultatszustandes aus der Verbbedeutung besteht, oder ob es sich um ein "resultatives Perfekt" handelt, bei dem der Gehalt des Nachzustands Gegenstand von Inferenzen ist. Daten aus dem Sprachvergleich Deutsch-Koreanisch sprechen dafür, dass diese Frage für verschiedene Sprachen unterschiedlich zu beantworten ist; das zeigt sich unter anderem an den verschiedenen Verwendungsspektren der Formen. Die deutsche Resultativform besitzt demnach mehr Perfekt-Eigenschaften.
Für das Deutsche ist von Kratzer (2000) jüngst behauptet worden, dass die Partizipkonstruktion ambig sei zwischen einer resultativen (a) und einer temporalen Interpretation (b):
| (a) | die Tür ist (noch) geöffnet |
| (b) | die Katze ist gestreichelt |
Der zweite Teil des Vortrags diskutiert einige Probleme mit dieser These und untersucht die Möglichkeit, beide Lesarten aus einer einzigen Kernbedeutung des Partizips abzuleiten. Obwohl die Ambiguitätsthese nicht völlig ausgeräumt werden kann, bereitet sie unerwartet viele Schwierigkeiten: die temporale Semantik alleine ist zu schwach zur Abgrenzung; die beiden postulierten Lesarten sind nicht unabhängig voneinander; und die Wahl zwischen beiden scheint von den Unterschieden in den Verbbedeutungen und von Kontextfaktoren gesteuert.
Infinitivnominalisierungen reflexiver Verben verhalten sich im Deutschen heterogen in Bezug darauf, ob das Reflexivum realisiert wird oder nicht. Darin unterscheidet sich das Deutsche sowohl vom Polnischen, wo das Reflexivum stets an die (Ereignis-)Nominalisierung vererbt wird, als auch vom Russischen, wo das Reflexivum bei Nominalisierungen obligatorisch unrealisiert bleibt.
Eine Korpusanalyse zeigt, dass die Realisierung bzw. das Fehlen des Reflexivums mit seinem grammatischen Status korreliert. Handelt es sich um ein semantisch vollwertiges Argument eines transitiven Basisverbs, so wird es realisiert (das Sich-Zeigen, das Sich-Beäugen, das Sich- Hinterfragen). (Nicht-thematische) Argumente lexikalisch reflexiver Verben scheinen dagegen nur dann realisiert zu werden, wenn sie zur Desambiguierung erforderlich sind. Interessant ist dabei, unter welchen Bedingungen eine Desambiguierung mit Hilfe des Reflexivums vorgenommen wird: Das Reflexivum bleibt unrealisiert, wenn der Bedeutungsunterschied zwischen dem reflexiven und dem nicht-reflexiven Basisverb lediglich die Ereignisstruktur betrifft (Anzahl der Partizipanten und eventuell der Teilsituationen: das Waschen, das Rasieren, das Anziehen, das Bewegen, das Aufrichten). Das Reflexivum wird dagegen realisiert, wenn ein Bedeutungsunterschied in Bezug auf die thematischen Eigenschaften der Argumente vorliegt (das Sich-Behaupten, das Sich-Öffnen, das Sich-Drücken). Ich möchte diskutieren, welche Schlüsse diese Befunde in Bezug auf den Status von Ereignis- und Argumentstruktur zulassen in lexikalischen Repräsentationen zulassen.
Den Ausgangspunkt bildet eine alternative, mehrdimensionale Modellierung der SF-Operatoren met und var von Dölling. Die Leistungsfähigkeit dieser Explikation wird vor allem bezogen auf die aspektuellen Verschiebungen, die mit bestimmten Negationen einhergehen, demonstriert.
Es ist nicht unmittelbar einsichtig, wie in der Döllingschen Darstellung ein Satz wie| (1N) | maria nieste nicht zwanzig Minuten lang |
| (1N1) | Maria nieste nicht zwanzig Minuten lang, sondern gar nicht [aspektueller Bezug wird gelöscht] |
| (1N2) | Maria NIESTE nicht zwanzig Minuten lang, sondern HUSTETE zwanzig Minuten lang [nur die VP wird negiert; aspektueller Bezug wird nicht verändert] |
| (1N3) | Maria nieste nicht zwanzig Minuten lang, sondern (ihr Niesen ist/war) chronisch (bedingt) [die iterative Lesart wird bestritten und die habituelle behauptet / akzeptabel?] |
| (1N4) | Maria nieste nicht ZWANZIG MINUTEN lang, sondern EINE WOCHE lang [mit dieser Korrektur wird der aspektuelle Bezug modifiziert] |
Seit Partee (1977) wird für das Auftreten von englischen Kopula-Konstruktionen im Progressive eine eigene "active be"-Variante der Kopula angenommen. Im Lichte des heutigen linguistischen Kenntnisstandes kann eine solche Lösung nur als ein (allerdings erstaunlich langlebiges) Provisorium zur Isolierung des Problems verstanden werden. Einen Vereinheitlichungsvorschlag bietet Rothstein (1999). Danach bezeichnet die Kopula eine Situation, die unterspezifiziert ist hinsichtlich der Zuordnung zu einem der Vendlerschen Situationstypen. Die Festlegung auf activities und damit die agentive Deutung der Kopula geht auf den kompositionalen Beitrag des Progressiv-Operators zurück; unzulässige Kombinationen werden pragmatisch ausgefiltert (z.B. John is being noisy vs. ??The river is being noisy).
Ich werde Argumente gegen Rothsteins Unterbestimmtheitsansatz vorbringen und eine alternative Analyse vorschlagen, die gleichfalls von einer einheitlichen Kopula-Bedeutung ausgeht, die agentive Deutung aber auf eine vom Progressiv-Operator erzwungene und pragmatisch zu legitimierende Uminterpretation einer im strikten Sinne ungrammatischen Struktur zurückführt.
| (1) | λP λe [P(e) & ADVERB(e)] |
| (2) | a. | Alma carefully/shyly/reluctantly hit Emily. |
| b. | *The stone carefully/shyly/reluctantly hit Emily. | |
| c. | *Alma carefully/shyly/reluctantly impressed Emily | |
| aus Eckardt (1998) |
| (3) | a. | Höflicherweise hat er sie geküßt. |
| b. | Er hat sie höflich geküßt. |
| (4) | a. | Widerwillig (*Widerwilligerweise) hat er sie geküßt. |
| b. | Er hat sie widerwillig geküßt. |
| (5) | Der Schlüssel paßte einwandfrei in das Schloß, das sich widerwillig knirschend drehen ließ. |
| (6) | Langsam und widerwillig begann sich in Chris linker Wange ein Grübchen zu bilden. |
| (7) | Die Tür ließ sich nur widerwillig öffnen. |
Davidson (1967) hat mit seinem bekannten Beispiel Jones did it slowly, deliberately, in the bathroom, with a knife, at midnight die Idee vorgeschlagen, dass it auf ein konkretes Ereignis (genauer: eine konkrete Handlung) in dem gegebenen Kontext referiert, und zwar, auf dasjenige Ereignis, in dem Jones eine Scheibe getoastetes Brot schmiert. Diese Idee, die auf den ersten Blick sehr verlockend wirkt, stösst aber schnell auf Schwierigkeiten, sobald man versucht, do it wirklich zu analysieren (was Davidson allerdings nicht versucht hat). Eine Art von Beispielen, die schon in den siebziger Jahren erwähnt wurde und die ein Problem für Davidsons Idee bereitet, wird durch Sätze wie Jones did it last night and he will do it again tonight exemplifiziert. Hier kann nicht behauptet werden, dass it auf ein bestimmtes Ereignis referiert. Ausserdem ist es unklar, wie die Interpretation erfasst sein sollte, in der Jones auch heute in der Nacht dasselbe tun wird. Wenn wir deliberately ins Spiel bringen, wird eine andere Schwierigkeit deutlich, nämlich, dass das Objekt von do unterschiedliche Referenten haben kann, obwohl es nur ein Ereignis gibt. Stellen wir uns vor, dass Jones auf seinem Rechner die Datei mit dem Namen ,Test` absichtlich löscht und damit die Datei, die seinen Brief an den Rektor enthält, auch löscht (weil die Datei ,Test` seinen Brief an den Rektor enthält), aber er löscht diese Datei - d.h., die Datei, die seinen Brief an den Rektor enthält - unabsichtlich. In diesem Kontext ist der Satz Jones did that but not that deliberately kein Widerspruch, obwohl es nur ein Ereignis gibt: sein Löschen der Datei ,Test` ist seinem Löschen der Datei, die seinen Brief an den Rektor enthält, identisch. Dieses Argument deutet daraufhin, dass that (wie it auch und damit das Objekt von do) nicht auf ein Ereignis referiert.
Ich werde eine Analyse solcher Daten vorschlagen, die die Schwierigkeiten, die Davidsons Idee hat, vermeidet. Ich analysiere do (genauer: dieses do) als eine Art ,light verb`, das eine dreistellige Relation zwischen Ereignissen e, Individuen (Agenten) x und Relationen R zwischen Ereignissen und Individuen denotiert. Das Objektargument von do ist die Relation R - mit anderen Worten, ein Ereignistyp - die den deskriptiven Inhalt von do liefert. Ich nehme außerdem an, dass it und that (auch the same thing and something) in diesem Zusammenhang nicht auf Ereignisse sondern auf Ereignistypen referieren. In diesem Ansatz referiert z.B. it in Jones did it deliberately (jetzt Davidsons Beispiel) nicht auf das einzelne Ereignis, in dem Jones eine Scheibe getoastetes Brot schmiert, sondern auf den Ereignistyp ,x schmiert eine Scheibe getoastetes Brot in e`. Ich werden zeigen, wie diese neue Analyse die erwähnten Probleme für Davidsons Idee lösen kann.
Die Theorie der englischen Verlausform, die ich in diesem Vortrag vorstellen möchte, basiert auf drei Komponenten: ii) einem bestimmten Begriff von Normalität, ii) adäquaten lexikalischen Repräsentationen und iii) einer Bewertung progressiver Ausdrücke relativ zu einer Perspektive.
i) Intensionale Ansätze zur Verlaufsform gehen davon aus, dass (1a) wahr ist, gdw. vorausgesetzt alles läuft normal weiter auch (1b) wahr ist. Diese Auffassung ist in dieser einfachen Form nicht haltbar: (1a) ist selbst dann wahr, wenn es normal / erwartbar ist, dass der auf Rebecca zurollende und von ihr übersehene Lastwagen sie überfahren wird. Dagegen scheint (1a) unabhängig davon, ob Lastwagen die Straße herunterkommen oder nicht, falsch, wenn Rebecca nicht auf die Straße gelaufen ist, um sie zu überqueren, sondern um sich das Leben zu nehmen . Ich werde daher unter den Bedingungen, die dem normalen Verlauf des Ereignisses in die Quere kommen, unterscheiden zwischen solchen, die keinen Einfluss auf die Wahrheit von Äußerungen im Progressiv nehmen und solchen die dies tun, wie etwa die Intentionen und Fähigkeiten des Agens.
| (1) | a. Rebecca was crossing the street |
| b. Rebecca crossed the street |
ii) Manche resultative Verben legen entgegen dessen, was wir über das Imperfektiv-Paradox zu wissen glauben auch in der Verlaufsform d as spätere Eintreten des Nachzustands nahe. So scheint (2a) widersprüchlich, während (2b) demgegenüber unproblematisch ist. Die Erklärung der Unterschiede zwischen (2a) und (2b) verlangt ereignisstrukturbasierte Repräsentationen, in denen der normale Verlauf des Ereignisses als in bestimmter Weise temporal geordnete Menge von Teilereignissen verschiedener Typen dargestellt wird.
| (2) | a. ??Rebecca was killing Jamaal, but in the end, he wasn't dead |
| b. Jamaal was drying his hair, but in the end it wasn't completely dry |
iii) Satz (3), der auf einen Flug nach Boston referiert, welcher aufgrund einer Flugzeugentführung in Bismarck endete, ist nur scheinbar widersprüchlich. Die Verlaufsform wird immer relativ zu einer Perspektive ausgewertet, und zwar entweder relativ zu einer extensionalen Perspektive, bei der das tatsächliche Resultat des Ereignisses berücksichtigt wird, oder relativ zu einer intensionalen Perspektive, bei der das nicht der Fall ist.
| (3) | I was flying to Boston - actually I wasn't; I was flying to Bismarck, but I didn't know it at the time |
Ausgehend von diesen Annahmen werde ich versuchen, eine Analyse des sogenannten interpretive progressive vorzustellen. Der interpretive progressive zeichnet sich dadurch aus, dass das im Progressiv präsentierte Ereignis in bestimmter Weise parasitär auf einem anderen Ereignis lebt:
| (4) | in telling this story, he was making a terrible mistake |
Obwohl das Wirtsereignis und sein Parasit die gleiche Zeit einzunehmen scheinen, gibt es deutliche Unterschiede für die Akzeptabilität des Progressivs:
| (5) | a. he was telling a story for a couple of minutes |
| b. ??he was making a mistake for a couple of minutes |
| (6) | a. he is still telling a story |
| b. ??he is still making a mistake |
Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Analyse von 'punktuellen' Zustandswechselverben (erreichen, finden, platzen, explodieren) und deren Modifikation durch das Zeitrahmenadverbial in X Zeit oder das durative Adverbial für X Zeit. Insbesondere wird das Augenmerk auf die folgenden drei Punkte gerichtet:
a) Es erfolgt eine kritische Diskussion des Telizitätstest durch das Zeitrahmenadverbial, da er keine Erklärung für die (Un)Akzeptabilität der Beispiele in (1) bereithält.
| (1) | Hans fand seinen Schlüssel in 10 Minuten. vs. |
| *Hans fand Geld in 10 Minuten. |
b) Es gibt punktuelle Zustandswechselverben, die Ereignisse beschreiben, die am Ende einer vorausgehenden Aktivität liegen ( erreichen, gewinnen) und solche, die eher Ereignisse beschreiben, die am Anfang einer nachfolgenden Aktivität oder eines nachfolgenden Zustandes liegen (weggehen, erblühen). Die beiden betrachteten Adverbiale lassen sich auch danach einteilen, ob sie eher egressiv (in 10 Minuten) oder ingressiv (für 10 Minuten) sind. Diese Eigenschaften (neben anderen) sind verantwortlich für die Zulässigkeit der jeweiligen Modifikation entweder durch das Zeitrahmenadverbial oder das durative Adverbial.
| (2) | Johanna erreichte den Berg in zwei Tagen. |
| *Johanna erreichte den Berg für zwei Tage. |
| (3) | Marit ging für zwei Tage weg. |
| *Marit ging in zwei Tagen weg. |
c) Die getroffenen theoretischen Annahmen werden durch die Ergebnisse einer Fragebogenstudie überprüft, in der zum einen Akzeptabilitätsurteile gegeben wurden und zum anderen die Modifikatoren in die Testsätze einzusetzen waren.