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Wilhelm Geuder Semantische Repräsentation und Weltwissen Kolloquium Wilhelm Geuder (Universität Konstanz): Adverbien und Depiktive Mittwoch, den 20.6.2001, 18.15 Uhr Brühl, Raum 503 Abstract (Oder gleich das Handout? Es ist ein klassisches Problem der deutschen Grammatik, dass Adjektive und Adverbien formal nicht zu unterscheiden sind. Die Situation ist anders in Sprachen wie dem Englischen, wo adverbielle Morphologie existiert: Hier ergeben sich Kontrastpaare zwischen VP-Adverbien und Depiktiven (d.h. VP-adjungierten Adjektiven).
John left Mary sadly / John left Mary sad
Der semantische Kontrast zwischen den beiden Formen ist jedoch auch im Englischen nicht immer leicht zu erfassen. Man könnte erwarten, dass Adverbien über die Ereignisvariable prädizieren, Depiktive dagegen über ein Individuum. In Geuder (2000) habe ich jedoch zu zeigen versucht, dass die Unterscheidung "Adverb vs. Adjektiv" nicht deckungsgleich ist mit der Unterscheidung "Ereignis- vs. Individuenprädikation". Ein Grund dafür ist, dass bei der adverbiellen Form des Englischen zwei Lesarten unterschieden werden können: die Art&Weise-Lesart und die "transparente". Transparente Adverbien sind Prädikate von Individuen wie Depiktive auch, und für die Interpretation beider Konstruktionen muss eine Relation interpoliert werden, die das Individuenprädikat bezüglich des vom Verb beschriebenen Ereignisses verankert. Der minimale Kontrast zu Depiktiven liegt in der Art des eingefügten semantischen Verbindungsglieds. In diesem Vortrag möchte ich zwei Fragen diskutieren, die sich im Anschluss hieran ergeben: Erstens, ist die Situation im Deutschen, wo zwischen Adverbien und Adjektiven formal nicht unterschieden wird, eher als Ambiguität zu charakterisieren, oder gibt es Hinweise darauf, dass eine einzige zusammenhängende Kategorie vorliegt? Zweitens, und allgemeiner gefragt, ist der Unterschied zwischen Konstruktionen mit Individuenprädikation einerseits (d.h. Depiktiven sowie transparenten Adverbien) und Art&Weise-Adverbien andererseits kontinuierlich oder diskret? Die Hauptthese, die ich vertreten möchte ist die, dass zwar die Idealfälle von Art&Weise-Modifikation und Individuenprädikation klar zu trennen sind, dass sich aber im Bereich der subjektorientierten Depiktive tatsächlich ein semantischer übergangsbereich zwischen Individuenprädikation und Ereignismodifikation ergibt. Er entsteht dadurch, dass auch viele echte Art&Weise-Adverbien ihre Modifikator-Bedeutung nicht direkt aus ihrer lexikalischen Semantik erhalten, sondern durch Vermittlung flexibler Interpretationsprozesse, in die auch Weltwissen eingeht. br> |