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Updated am 25-02-2010






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12.07.2007

 Pressemitteilung der studentischen SenatorInnen zur Abstimmung des MA  "International Energy Economics and Business Administration" und zum  Weiterbildungsstudiengang Web Content Management

Uni-Leipzig öffnet Büchse der Pandora

Akademischer Senat beschließt die Einrichtung des gebührenpflichtigen deutsch-russischen Masterstudienganges / Qualität der Lehre gefährdet / Weiterbildungsstudiengang Web Content Management sieht keine studentische Mitbestimmung vor

In der vergangenen Sitzung des Senates der Universität Leipzig am 10. Juli 2007 mussten die Mitglieder erneut über die Einrichtung des stark umstrittenen Masterstudienganges "International Energy Economics and Business Administration" der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowie über die Studien- und Prüfungsordnung des Masterstudienganges Web Content Management des Masterprogramm Medien Leipzig abstimmen.

Der Dekan der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Ralf Diedrich, hielt den Masterstudiengang "International Energy Economics and Business Administration" diesmal für weiterbildend, der dem eingereichten Antrag zufolge ein nicht-konsekutiver Studiengang mit weiterbildendem Charakter sein soll. Nachdem der Uni-Senat bereits das zweite Mal über den Einrichtungsantrag sinnierte, ist nach wie vor unklar, ob es sich um einen Weiterbildungsstudiengang oder einen nicht-konsekutiven Studiengang handelt. Damit düpierte Diedrich offenbar die Senatsmitglieder, die mit knapper Mehrheit der Einrichtung des Studienganges zugestimmt haben. Die ländergemeinsamen Strukturvorgaben für die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen (gemäß § 9 Abs. 2 Hochschulrahmengesetz) und das Sächsische Hochschulgesetz (§ 21 Abs. 8 und § 24 Abs. 6) verlangen hingegen eine eindeutige Einteilung in die drei bekannten Studiengangstypen (konsekutiv, nicht-konsekutiv oder weiterbildend).

"Wir konnten nicht einmal abschließend alle offenen Fragen klären, da ein Hochschullehrer das Ende der Debatte vorzog", kritisiert Daniel Fochtmann, studentischer Senator, die undemokratischen Auswüchse des Gremiums. Die akademischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter formulierten ihre Bedenken wiederum in einem Gruppenantrag, der auch bei der Uni-Leitung Unterstützung fand. Jedoch gäbe es keine Alternativen und es bestände auch eine gewisse Dringlichkeit. Die Universität werde keine Haftung übernehmen, aber die Risiken, die der Studiengang mit sich bringt, seien dennoch nicht abschätzbar, hieß es weiter. Die Verbesserungsvorschläge und -anträge der akademischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Studierenden hätten der Universität mehr Sicherheit und Qualität versprechen können. Fochtmann: "Kritikpunkte und aufgezeigte Gefahren wurden abgebügelt und lediglich zur Kenntnis genommen. Das betrifft insbesondere die installierte Vereinsstruktur, über die Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer Lehrnebentätigkeiten zusätzlich abrechnen können, die intransparenten Kooperationen und die Erhebung von Studiengebühren."

Der Senat hat in seiner Sitzung dem Einrichtungsantrag zwar zugestimmt, allerdings ist daran befremdlich, dass einerseits das Bewerbungsverfahren für das Studium schon seit Wochen läuft und andererseits Verträge und Absichtserklärungen bereits geschlossen wurden. "Dem Senat wird auf diese Art und Weise immer wieder die Pistole auf die Brust gesetzt", empört sich Eleni Andrianopulu, studentische Senatorin, über Methoden und Vorgehensweisen der Verantwortlichen. Abschließend muss noch das Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst der Einrichtung zustimmen und die angezeigten Bedenken prüfen.

Festzuhalten bleibt: Studierende werden zukünftig über 9600 Euro (2400 Euro pro Semester) für dieses Masterstudium aufbringen und zudem weitere Prüfungsgelder bezahlen müssen. Der Beschluss aus dem Jahr 2003 des akademischen Senates gegen Studiengebühren wurde mit der Einführung dieses kostenpflichtigen Masterstudienganges konterkariert. Das Vereinsregister könnte bald aus allen Nähten platzen, wenn erstmal bekannt wird, wie man an staatlichen Hochschulen auf Gold stoßen kann. Nach wie vor ist zu befürchten, dass die Lehre grundständiger Studiengänge dadurch nicht mehr sichergestellt werden kann. "Weitere Projekte könnten wie Pilze aus dem Boden schießen, ohne dass es dezidierte Vorstellungen darüber gibt, wohin sich die Universität überhaupt entwickeln und profilieren will", kommentiert Andrianopulu abschließend. Das Masterprogramm Medien Leipzig ist dafür beispielhaft.

Der Weiterbildungsstudiengang Web Content Management dieses Masterprogramms sieht darüber hinaus keine studentische Mitbestimmung vor, in Gremien wie zum Beispiel den neu gebildeten Studiengangsausschuss, der auf keiner gesetzlichen Grundlage basiert, aber die Aufgaben der Studienkommission übernimmt. Obwohl die Studierenden des Senates gravierende Mängel der Studien- und Prüfungsordnung immer wieder an den Dekan der Fakultät für Informatik und Mathematik, Gerhard Heyer, herangetragen haben, blieben sie unberücksichtig. Gleichwohl stimmte der Senat der Studien- und Prüfungsordnung zu. Eines wurde während des gesamten Prozesses allzu deutlich: die offenbar unzureichende bis fehlende Abstimmung zwischen den Kooperationspartnern, also der Universität Leipzig, der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig.

Die Qualität eines Studienganges wird nicht nur durch Lehrinhalte bestimmt, sondern auch durch das Leben und Erleben demokratischer Grundsätze und Prinzipien. Sie werden beim Masterprogramm Medien Leipzig dagegen vielmehr untergraben. Die inneruniversitäre Demokratie misst man an dieser Stelle mit zweierlei Maß, indem den Studierenden des kostenpflichtigen Weiterbildungsstudienganges mehr Kundenmentalität und weniger demokratisches Verständnis suggeriert wird.

Pressemitteilung der studentischen Senatorinnen und Senatoren