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Die Stadtsprache Leipzigs ist mein Einstigsprojekt in die Dialektologie des ostmitteldeutschen Raumes. Städtische Sprachvariation ist geprägt durch die große Einwohnerzahl, durch soziale, historische und wirtschaftliche Verhältnisse, durch die unterschiedlichen kommunikativen Situationen. Dabei interessieren vor allem das Neben- und Miteinander verschiedener Varietäten und Sprachen sowie deren unterschiedliche Nutzung. Die Erforschung der Stadtsprachen verschiedenster deutschsprachiger Städte hat deutlich gemacht, dass es die Sprache der Stadt nicht gibt, und auch nicht die Sprachsituation der Stadt. Jede Untersuchung zeigt spezifische Aspekte, die einerseits durch den Fokus des jeweiligen Forschungsinteresses bedingt sind, andererseits aber auch spezifisch für die jeweilige Stadt sind. Neben Berlin, welches eine Sonderstellung einnimmt, ist bislang keine ostdeutsche Stadt genauer untersucht worden ist. In diese Lücke möchte ich vordringen.
Das Sächsische als Dialekt ist heute weitgehend ausgestorben, als Regionalsprache ist es immer noch lebendig und bietet ein großes Identifikationspotenzial. Diese Regionalsprache (Becker/Bergmann 1969 sprechen von obersächsischer Umgangssprache) ist zwar in Grundzügen beschrieben, eine empirische Darstellung auch unter regionaler Differenzierung steht noch aus. Im Juni 2011 habe ich bei der DFG ein Projekt eingereicht, das einerseits die linguistische, insb. phonetische und prosodische, Charakterisierung darstellen will, andererseits die Perzeption und Unterscheidbarkeit des Sächsichen durch linguistische Laien.
Mehrsprachigkeit und Code-Switching in SMS Kommunikation: Innerhalb des vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierten Sinergia-Projekts 'SMS communication in Switzerland: Facets of linguistic variation in a multilingual country' unter Beteiligung der Universitäten Zürich, Bern, Neuchâtel und Leipzig ist ein Teilprojekte zur Mehrsprachigkeit und Code-Switching in SMS Kommunikation bewilligt worden, das im Februar 2012 beginnen soll. Auf der Basis eines schon bestehenden Korpus von gut 24'000 Schweizer SMS wird die Frage gestellt, inwiefern die Mehrsprachigkeit für die SMS-Kommunikation funktionalisiert wird und wie sich Code-Switching in SMS-Kommunikation äußert. Wie zeigt sich Code-Switching in mehrheitlich standarddeutsch (4700 SMS) oder mehrheitlich in Schweizer Dialekten (13400 SMS) verfassten SMS? In einem Parallelprojekt wird das mehrheitlich französische Korpus untersucht. Weitere Informationen unter: http://www.uni-leipzig.de/~siebenh/projekt/SMS-sinergia/abstract.html
Die Sprechgeschwindigkeit beeinflusst die Aussprache. Eine Erhöhung des Sprechtempos hat systematische Veränderungen zur Folge. Eine Untersuchung mit dem IdS-Korpus "Deutsch heute" zeigt aber nicht nur eine Systematik, sondern eine eine große Variation in diesen Veränderungen. Diese Veränderungen möchte genauer ansehen.
Bis 2008 war ein Schwerpunkt meiner Arbeit die Prosodieforschung im Nationalfondsprojekt 'Quantitative Ansätze zu einer Sprachgeographie der schweizerdeutschen Prosodie'. Die Basis dafür ist im im Vorgängerprojekt 'Erarbeitung von Grundlagen zur Erforschung schweizerdeutscher Prosodie mittels sprachsynthetischer Modellierung' erarbeitet worden. Jetzt werden die Analyse- und Modellierungsmethoden auf sprachgeographische Aspekte hin angewendet werden. Mehrere Aufsätze dokumentieren die Methoden und Ergebnisse des ersten Projekts (pdf-Dateien sind von der Publikationen-Seite herunterzuladen). Das zweite, (2005-2008), gibt einen breiteren Einblick mit vertieften Daten und mit einer in mehrere Hinsicht erweiterten Betrachtungsweise. Auch da habe ich mit Adrian Leemann zusammen einiges zusammengestellt. Im Moment sind vor allem noch Fragen zur Modellierung aktuell
Schweizerdeutsche Chats, die bis zu 90 % Mundartanteil aufweisen, bieten einen Einblick in die individuelle Verschriftung der Schweizer Dialekte. Eine größere Sammlung mehrerer regionaler und gesamtdeutschschweizerischer Chaträume ermöglicht nun differenzierte Analysen. Bisher wurden Fragestellungen nach der regionalen Verankerung, nach Verschriftungskonzepten und nach Code-Switching wie der Varietätenwahl sowie der altersspezifischen Verwendung der Mundart untersucht. Die Auswertungen (siehe Publikationen-Seite) haben sich als ergiebig erwiesen, so dass das Corpus erweitert und weiter analysiert wird. Der methodische Ansatz wurde deshalb auf den gesamten deutschsprachigen Raum ausgeweitet. Mit meinem Umzug nach Leipzig wird nun versucht, ein entsprechendes Corpus für das Mitteldeutsche aufzubauen, wobei klar ist, dass hier weniger Dialektales zu finden sein wird, jedoch erhoffe ich mir einen Zugang zum substandardsprachlichen Varietätenspektrum
Die Sprachgeographie im Raum Bern entspricht nicht gerade dem, was man als klassische sprachgeographische Strukturen bezeichnen würde. Neue Aufnahmen im Jahr 2005 dokumentieren den Wandel in den letzten 50 Jahren. Die Ergebnisse sind in in einem Beitrag in einem Sammelband zur Stadtsprache zusammengestellt. (Vorversion als pdf-File)
Auf den Jurahöhen, die damals im Herrschaftsbereich des Fürstbistums Basel lagen, heute in den Kantonen Bern und teilweise im Jura, haben sich im 16./17. Jahrhundert Täufer niederlassen dürfen, die sonst in der Schweiz verfolgt und vertrieben wurden.So ist im sonst französischsprachigen Gebiet eine deutschsprachige Sprachinsel entstanden, die das Deutsche bis heute weitgehend bewahrt hat. Zusammen mit Studierenden wurden erste Interviews durchgeführt, um die aktuelle Situation zu beschreiben und einen Einblick in bisher nicht beschriebene Mundart der Jurahöhen zu erhalten. Eine Darstellung ist in der ZDL erschienen (Vorversion als pdf).
Sprachvarietäten in der Stadt Bern.Gekürzte Online-Version der Buchpublikation und ein Aufsatz zur.Einstellung zum Berndeutschen.
Sprachvariation, Sprachwandel und Einstellung. Die Mundart von Aarau im Spannungsfeld zwischen Zürichdeutsch und Berndeutsch. (Dissertation) und mehrere Aufsätze (siehe Publikationen-Seite).
Sprachsynthese des Schweizerhochdeutschen.
Aussprache des Hochdeutschen in der Schweiz.
Eine umfangreiche Sammlung zur Mundartverwendung in Schweizer Chaträumen wird in Bezug auf unterschiedliche Fragestellungen mit korpuslinguistischen und gesprächsanalytischen Methoden ausgewertet. Auf der Publikationen-Seite sind inzwischen einige Aufsätze zugänglich, die dialektologische und grammatische Aspekte sowie Code-Switching behandeln. Seit Mitte des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts schwindet aber die Beliebtheit des klassischen IRC und auch des Webchats – der bislang untersuchte bluewin-Chat und auch andere IRC-Netze sind auch geschlossen worden, spin.de scheint immer weniger genutzt zu werden. An die Stelle des IRC treten neue Kommunikationsformen und -netzwerke wie facebook, StudiVZ, WoW oder auch twitter. Auch SMS-Kommunikation erfährt z.Z. mit dem Wechsel vom Handy zum Smartphone einen technologischen Wandel, der sich in der unterschiedlichen Sprachform niederschlägt. Ab Feb. 2012 finanziert der SNF ein Projekt zur Mehrsprachigkeit der SMS-Kommunikation.
Prosodie ist der am wenigsten untersuchte Teil des Sprachsystems, weil Untersuchungsmethoden erst seit wenigen Jahren allgemein verbreitet sind. Meine Forschung in diesem Bereich steht in einen intensiven Zusammenhang mit Sprachsynthese und Dialektologie. Das Nationalfonds-Forschungsprojekt hat auf Arbeiten zur Sprachsynthese aufgebaut und machte sie für die variationslinguistische Ansätze nutzbar. Die Untersuchung der Sprechgeschwindigkeit steht ebenfalls in diesem Zusammenhang und verdeutlicht mein Interesse an der zeitlichen Ebene der Prosodie. Auch im Sächsischen scheint die Prosodie ein wesentlicher Faktor linguistischer Strukturierung darzustellen.
Schwerpunkt der Arbeit ist die Auseinandersetzung mit der gesprochenen Sprache. In der Deutschschweiz sind dies die Dialekte. Somit bildet die Dialektologie in phonetischer, morphologischer, soziolinguistischer und sprachhistorischer Ausrichtung das Zentrum meiner Arbeit. In Leipzig rückt nun das weitere Spektrum der gesprochenen Sprache zwischen Standard und Basisdialekt ins Zentrum. Wichtiger werden mit dieser anderen Sprachsituation auch situative Aspekte, damit wird der Wechsel von der Dialektologie zur Variationslinguistik sehr deutlich.
Die Dissertation (publiziert 2000) untersucht Variation und Sprachwandel in der Mundart von Aarau im Spannungsfeld zwischen Zürichdeutsch und Berndeutsch. Dabei werden nicht nur ausgewählte Aspekte, sondern das gesamte Laut- und Formensystem der Mundart untersucht. Die Arbeit bietet eine umfassende variationslinguistische Ortsgrammatik. Statistische Ansätze ermöglichen eine neuartige Strukturierung divergierender Sprachwandelaspekte. Variation wird in Bezug gesetzt zur Einstellung der Gewährsleute zu den Nachbarmundarten. Die Arbeit zeigt, dass die Zielmundart des Sprachwandels nicht einfach positiver beurteilt wird, es besteht ein differenziertes Wechselspiel von Mundartwandel und Einstellung.
Ein Projekt zu Sprachschichten im Berndeutschen zeigt die verschiedenen sozial markierten Varietäten in der Stadt Bern. Dazu die Arbeit zur Einschätzung der berndeutschen Soziolekte 'Sprachliche Varietäten in der Stadt Bern und was die Sprecher davon halten'.
Jünger ist eine Arbeit zur Sprache und Sprachsituation der deutschen Sprachinseln auf den Jurahöhen im Berner Jura und Kanton Jura, wie auch die Untersuchung zur Sprachgeographie im Raum Bern.
Untersuchung zur Variation der geschriebenen Mundart im Chat.
Mehrere kleine Arbeiten zu Strukturierung von Sprachvariation (pdf-Dateien sind von der Publikationen-Seite herunterzuladen).
Neben den klassischen dialektalen Varietäten sind weitere Varietäten zu beachten, so das Schweizerhochdeutsche und dessen areale Variation wie auch das Neben- und Miteinander der Varietäten. Eine umfangreiche korpuslinguistische und konversationsanalytische Untersuchung zeigt das Code-Switching in Schweizer IRC-Chaträumen. Daneben behandelt ein Aufsatz Lernervarietäten von Nichtdeutschsprachigen in der Deutschschweiz.
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