letzte Änderung am 28.02.2008
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Änderungen komm. Vorlesungsverzeichnis SS 2008 S. 8 "Repetitorium Sprachwissenschaft" - PD Dr. U. Junghanns *** Einschreibung zum Sommersemester 2008 Für Studierende der slawistischen Kernfächer und Lehramtsfächer (Studiengänge Bachelor Kernfach Ostslawistik, Bachelor Kernfach Westslawistik, Polyvalenter Bachelor Lehramt Russisch, Polyvalenter Bachelor Lehramt Polnisch und Polyvalenter Bachelor Lehramt Tschechisch) sowie für Studierende der großen und kleinen Wahlbereiche Ostslawistik und Westslawistik, die bereits Module in diesen Wahlbereichen besucht haben, erfolgt die Moduleinschreibung bzw. die Anmeldung zur Modulprüfung auf herkömmliche Weise, also nicht-elektronisch am Institut für Slavistik. Dazu ist das Sekretariat des Instituts für Slavistik, Beethovenstraße 15, Zimmer 5.408/09 (Haus 5, 4. Etage) vom 25. März bis 28. März sowie am 31. März und 01. April geöffnet. Für Studierende, die ein Schlüsselqualifikationsmodul oder erstmals ein slawistisches Wahlbereichsmodul belegen möchten, erfolgt die Einschreibung zunächst (1. Phase der Einschreibung) auf elektronische Weise über das Buchungsprogramm. Der Zugang zum Buchungsprogramm ist sowohl im Sekretariat des Instituts für Slavistik zu den oben genannten Zeiten als auch an anderen Instituten zu den dort ausgewiesenen Zeiten möglich. Die Veröffentlichung der Zuteilungslisten erfolgt am 02. April. Vom 02. bis 04. April läuft die Bestätigungsphase: Alle Studierenden, denen ein Platz in einem slawistischen Modul zugeteilt worden ist und die diesen annehmen möchten, bestätigen die Annahme des Modulplatzes mit ihrer Unterschrift im Sekretariat des Instituts für Slavistik. Mit der Unterschrift erfolgt zugleich die verbindliche Anmeldung zur Modulprüfung. Im Falle von fakultätsübergreifenden Schlüsselqualifikationsmodulen, die als SQ 13-Module bezeichnet sind, erfolgt die verbindliche Anmeldung beim Sprachenzentrum.
Ostslawistik: Westslawistik: Südslawistik: *** Die ausgestellten Teilnahme- und Leistungsscheine können im Sekretariat (H5 4.08 bzw. H5 4.09) abgeholt werden. Wegen Seminarscheinen bitte zuerst im Sekretariat nachfragen. In der Regel geben die Lehrenden die Scheine dort ab, sobald sie ausgestellt sind. *** Grundlagenlehrgang für Studenten Information zur Einschreibung und Lehrgangsinhalt *** Die bestellten Exemplare von Bodo Zelinsky "Der Russische Roman" können im Sekretariat bei Frau Twrdik (Mo-Do 8.00-12.30 Uhr in der Beethovenstr. 15, H5 4.08) abgeholt werden. *** Programm zur Übung "Anna Karenina" von Prof. Dr. Harreß _____________________________________ Der Reader für die Lehrveranstaltung "Einführung in die ostslavische
Kulturwissenschaft" bei Frau Prof. Harreß hat die Readernummer S9033 und kostet ca. 2,80 EUR. _____________________________________ Das kommentierte Vorlesungsverzeichnis für das SS 2008 kann ab 27.02.08 auch käuflich erworben werden bei: ZimoKopie KG
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Ankündigung
Internationale Ausstellung "Europa Jagellonica" 2010
Pressemitteilung (pdf-Datei)
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Projekt: Griechenland und die Makedonische Frage
(1944-1995): Erinnerungskultur, Geschichtspolitik
und nationale Öffentlichkeit in Südosteuropa
Institut für Slavistik der Universität Leipzig, Leipzig
19.11.2007-18.11.2009
In den Jahren 2007 bis 2009 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft
das Leipziger Forschungsprojekt "Griechenland und die Makedonische Frage
(1944-1995): Erinnerungskultur, Geschichtspolitik und nationale
Öffentlichkeit in Südosteuropa". Projektleiter ist der
Osteuropahistoriker Prof. Dr. Stefan Troebst (Institut für Slavistik und
GWZO), die Projektkoordination und -bearbeitung übernimmt der
Zeithistoriker Adamantios Skordos M. A (skordos@rz.uni-leipzig.de).
Das Projekt fragt am Beispiel der griechischen Überreaktion auf die
Staatswerdung der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik Makedonien im
Jahr 1991 nach den Ursachen dafür, dass das Bild des Balkans im
gegenwärtigen Griechenland weiterhin stark von nationalen Stereotypen
des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts geprägt ist. Das
kulturgeschichtliche Forschungsvorhaben rekonstruiert in einer
Langzeitperspektive Ansichten, Wahrnehmungen, Verhaltensmuster und vor
allem Erinnerungsrituale einer südosteuropäischen Gesellschaft bezüglich
eines von ihr so genannten - und auch so empfundenen - "nationalen
Themas". Dieses ist die Makedonische Frage, die neben anderen eine
Teilfrage der im 18. Jahrhundert entstandenen Orientalischen Frage ist Ziel des Forschungsprojekts ist es, die negative Reaktion der
griechischen Gesellschaft auf die Gründung eines Staates mit dem Namen"Makedonien" kulturgeschichtlich zu beleuchten bzw. die Rolle von
Geschichte und historischer Erinnerung anhand des
erinnerungskulturellen/ geschichtspolitischen Ansatzes dabei festzulegen.
Die Studie geht grundsätzlich davon aus, dass sowohl historische
Ereignisse per se als auch die Art und Weise, wie deren Aufarbeitung
oder Nicht-Aufarbeitung in der südöstlichen "Peripherie" Europas
erfolgte und immer noch erfolgt, für die Entstehung von Konflikten
jüngeren Datums bzw. für ihre "Wiederkehr" aus der langen wie kurzen
Vergangenheit von hervorragender Bedeutung sind. Dementsprechend
untersucht das Projekt, ob bzw. wie, drei identitätsstiftende Ereignisse
und Erinnerungen der griechischen Nation, nämlich der Griechische
Bürgerkrieg in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre mit seiner
ausgeprägten makedonischen Dimension, das antike Makedonien Alexander
des Großen sowie der antislawische "Makedonische Kampf" von 1904-1908
die feindliche Haltung der Griechen gegenüber der Staatswerdung des
modernen Makedonien determiniert haben und immer noch tun. Zentrale
Hypothese des Projekts ist, dass die "traumatische" Erfahrung des
Griechischen Bürgerkriegs, als bürgerliche Nationalisten gegen
sowjetorientierte Kommunisten und makedonische Autonomisten kämpften,
geschichtspolitische Akteure des nationalistischen Siegerlagers ab 1950
dazu veranlasst hat, die Stiftung einer stolzen, aber auch zugleich
antikommunistisch und antislawisch ausgerichteten
hellenisch-makedonischen Identität im achkriegsgriechenland zu fördern;
dies erfolgte im wesentlichen durch die geschichtspolitische
Kultivierung von drei Erinnerungen: erstens jene an das antike
Makedonien als "erster einheitlicher hellenischer Staat"; zweitens die
an den "Makedonischen Kampf", der Anfang des 20. Jahrhunderts im noch
osmanischen Makedonien zwischen griechisch-gesinnten und
bulgarisch-gesinnten irregulären Truppen ausgetragenen wurde; und
drittens die Erinnerung an die Rolle, die die makedonischen Autonomisten
Nordgriechenlands und vor allem ihr "Patronagestaat", die jugoslawische
Teilrepublik Makedonien (gegründet 1944), bei der Entstehung und
Entfaltung des Griechischen Bürgerkriegs (1946-1949) gespielt haben.
Als wichtigste Quellen zur Erkundung der o. g. Sachverhalte werden die
Presse, historiographische Publikationen, Graue Literatur u. ä., aber
auch staatliche und private Archive herangezogen. Während öffentliche
Quellen akribische Informationen über die Praktizierung öffentlicher
Erinnerungsrituale und deren Resonanz von Seiten der Gesellschaft
übermitteln können, rekonstruieren die Akten staatlicher Provenienz die
geschichtspolitischen Entwicklungen hinter den Kulissen und beleuchten
Motive einzelner Akteure.
Zentrale Aktivitäten des Forschungsvorhabens sind:
a) die Organisation
eines internationalen Workshops ("The Macedonian Question in the
Politics of History: Leaving the Past behind"),
b) die Herausgabe eines
englischsprachigen Sammelbandes in einem international renommierten
Verlag, der sich aus den Beiträgen der Tagung sowie aus einigen
zusätzlich ausgewählten Essays zusammensetzen wird und
c) die Erstellung
einer Monographie mit den Ergebnissen des Forschungsprojekts.
Angesichts der weiterhin ungelösten Namensfrage im
griechisch-makedonischen Verhältnis sowie der relativ konkreten
Beitrittsperspektive der Republik Makedonien zu NATO und EU kommt dieser
zeithistorischen Studie aktuelle Bedeutung für die mittelfristige
Entwicklung im südöstlichen Europa wie in der gesamten EU zu.
Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Troebst
Universität Leipzig / Institut für Slavistik
Beethovenstr. 15 / 04107 Leipzig
Tel.: +49-(0) 341-97 35-584 / Fax: +49-(0) 341-97 35-569
eMail troebst@uni-leipzig.de
URL: http://www.uni-leipzig.de/~slav/
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Remembering Communism: Methodological and Practical Issues of Approaching the Recent Past in Eastern Europe
From July 2006 to June 2009, VolkswagenFoundation supports the research project "Remembering Communism: Methodological and Practical Issues of Approaching the Recent Past in Eastern Europe" with a grant of € 373.700. The project is directed by Maria Todorova (University of Illinois at Urbana-Champaign) and Stefan Troebst (University of Leipzig). Co-applicants and project partners are Dragos Petrescu (Romanian Institute for Recent History Bucharest), Petya Kabakchieva (St. Kliment Ohridski University Sofiia) and Krzysztof Ruchniewicz (Willy Brandt Center for German and European Studies of the University of Wroclaw), project coordinator Augusta Dimou (currently University of Ioannina).
The general goal of this interdisciplinary and international project is to lay the foundations for a comparative study on the processes of remembering communism. It brings together two very diverse bodies of theoretical and historiographical literature: the one on memory, the other one on communism. Although the project has been motivated by a critical stance toward existing assessments of communism, especially the transitology enterprise, its emphasis is on the processes of remembering rather than on providing a definitive study on a past period. This attention to the processual aspects of memory lays stress on the constant and consecutive reassessments of the communist experience, and emphasizes lived experience but one inflected by the exigencies of the present moment at which the act of recollection (remembering) takes place.
The ultimate practical project goal aims at creating an elaborate and widely accessible database. This database is supposed to serve as a basis for and promote further comparative study within the whole area where the processes of remembering communism are relevant. In consequence, it will be both a tool for processing the accumulated sources for the present project, as well as a future template for expanding research. At this stage the project is conceived as a pilot study with a comparative research component between two relatively understudied core cases -Bulgaria and Romania-, and two control groups - the relatively better studied cases of Poland and the German Democratic Republic.
The research goal is broadly comparativist: to address the problem of how communism is remembered today in view of contributing to the better understanding of the legacy of a past system which had shaped the everyday lives of considerable numbers of people in several generations around the globe. While the project intends to pay due attention to the institutional aspects of memory, its primary focus is on subjectivity and how it can help pluralize the experience of socialism among separate nations, both the ones who experienced it in practice, and the ones where it was present as a strong but unrealized alternative. The comparative component is meant to complicate the understanding of communism both by introducing specificities on the level of the nation-states and their societies, as well as within these societies along categories such as region, class, gender, generation, or ethnicity. Chronologically, while the project naturally covers the whole post-Second World War period, for practical purposes, given the generations that are the object of study, it will focus primarily on the period after de-Stalinization. This was the period that saw not only the rise of national(ist) versions of communism but also an enormous amount of diversification of the system, ranging from liberalization to neo-authoritarianism.
The project comes out of the basic premise that there is no single idea and practice of communism. The communist experience was extremely diverse not only geographically and diachronically, but it was pluralized across national, ethnic, social, professional, gender, and generational borders. As a long-term endeavor, it could cover the whole communist and postcommunist world in a global setting. This task, however, is so enormous that it is practical to start with smaller pilot-studies. By elaborating the methodology in one or two cases, as well as in a comparative framework, we would gradually extend the number of comparable and exportable case studies, with the view of creating a framework for comparison and future coordination.
Bulgaria and Romania are excellent candidates for the preliminary pilot study for a number of reasons. Traditionally, Eastern Europe has been synthesized on the basis of the Central European regimes of Poland, Hungary and Czechoslovakia. We not only question that this generalization is not necessarily applicable to all the rest of Eastern Europe. We believe that due attention to the understudied marginal cases will enrich and rectify our general assumptions of the systemic phenomenon. Not only have both Romanian and Bulgarian communism been far less researched than other East European (especially Russian and Central European) ones; they offer an excellent opportunity for comparison and contrast of both systemic and locally specific characteristics. After 1989 the two countries have been coupled together, especially in the ongoing process of European Union enlargement, which they are supposed to join in 2007. Yet, a comparison between these two Balkan countries will additionally serve as a corrective to the recent tendency to essentialize the Balkan region by reducing it to the characteristics of the disintegrating Yugoslav case.
One of the reasons that Poland and the German Democratic Republic are selected as control cases are that they are relatively well researched and have developed an elaborate methodology. On the other hand, we are driven in this comparison not only by motives of the historiographical state of the art. In a way, Poland and the GDR represent two poles of the spectrum: on the one hand, the Polish case being characterized by almost open resistance to the regime from a very early point on, especially the workers movement and labor organizations culminating with "Solidarity", the institutional weight of the Catholic church, etc.; on the other hand, the GDR, which after an early resistance spurt in 1953, proved to be the most static and regimented case, mostly because of the special geo-political circumstances. We believe that by approaching the GDR from "the East", i. e. within the Eastern European framework, we are contributing to an innovative shift in the usual contextualization of the country's history within an exclusively West German-East German comparison.
Several teams of researchers will be organized in Bulgaria and Romania along thematic and methodological lines. At the center of the project is the existential urgency to collect data from generations with living memories of the recent past. The teams will accomplish a research program employing diverse methodological approaches, and covering different types of sources: archives, oral life histories, sociological interviews, analysis of memoirs, biographies, autobiographies and diaries, the press, visual materials, etc. One of the central aims of the project is to collect and process primary documentation, and organize an elaborate database that can then be accessed by team-members and future researchers. We intend to organize and manage a permanent website consisting of a freely accessible section with general data, as well as a restricted one with personalized data.
Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Troebst
Universität Leipzig / Institut für Slavistik
Beethovenstr. 15 / 04107 Leipzig
Tel.: +49-(0) 341-97 35-584 / Fax: +49-(0) 341-97 35-569
eMail troebst@uni-leipzig.de
URL: http://www.uni-leipzig.de/~slav/
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GWZO-Forschungsprojekt "Zwischen religiöser Tradition, kommunistischer Prägung und kultureller Umwertung: Transnationalität in den Erinnerungskulturen Ostmitteleuropas seit 1989"
In den Jahren 2006 bis 2008 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Leipziger Forschungsprojekt "Zwischen religiöser Tradition, kommunistischer Prägung und kultureller Umwertung: Transnationalität in den Erinnerungskulturen Ostmitteleuropas seit 1989 Religious Tradition, Communism and Cultural Reevaluation: Transnationalism in Post-1989 East European Cultures of Remembrance". Die am Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig (GWZO) tätige interdisziplinäre Projektgruppe wird von Prof. Dr. Stefan Troebst geleitet. Projektbearbeiterinnen und -bearbeiter sind die Kunsthistorikerin Dr. Agnieszka G¹sior, die zugleich als Projektkoordinatorin fungiert, der Romanist Dr. Vasile Dumbrava, die Ethnologin Agnieszka Halemba Ph. D., der Historiker Wilfried Jilge M. A., die Literaturwissenschaftlerin Anne C. Kenneweg M. A. und die Kulturwissenschaftlerin Dipl.-Kulturwiss. Rumjana Mitewa-Michalkowa.
Das Projekt verfolgt das Ziel, in einer Kombination von literaturwissenschaftlichen, kunsthistorischen, kulturgeschichtlichen und ethnologischen Herangehensweisen sowie in vergleichender Perspektive solche transnationale Kurz- und Langzeitfaktoren zu untersuchen, welche die Erinnerungskulturen im Ostmitteleuropa der Gegenwart prägen. Im Zentrum stehen dabei die longue durée der Religion(en), die Halbwertzeit der Zivilreligion des Kommunismus sowie aktuelle Entwicklungen wie Diktaturbewältigung, Demokratisierung und Rückkehr zur Religion. Tertia comparationis prä- wie transnationaler Art sind die religiös konnotierten, aber kulturell wie gerade auch politisch operablen Erinnerungsorte Antemurale, Marienkult und Cyrillo-Methodiana. Diese drei Topoi sollen zum einen diskursanalytisch auf der Ebene nationaler Gesellschaften, zum anderen mittels Feldforschung untersucht werden. Zentrales Argument des Teilprojekts ist, dass lange Dauer, Ubiquität und Frequenz der drei Topoi in ihrer Verschränktheit ein mesoregionales Spezifikum, ja ein historisches Strukturmerkmal Ostmitteleuropas darstellen. Dass alle drei nach 1989 bezüglich der Jugoslawienkriege, mit Blick auf die Osterweiterung der Europäischen Union und/oder zur Abgrenzung gegenüber "Eurasien", "Osteuropa", "Balkan" und "Islam" wirkungsmächtig instrumentalisiert wurden, dient als Begründung für dieses Forschungsdesign.
Die Projektarchitektur basiert auf vier Teilprojekten:
(1) Die gedächtnisstrukturierende Denkfigur des Antemurale-Topos soll als literarische Inszenierung wie auch als politische Instrumentatilisierung untersucht werden. Seit dem 14. Jahrhundert findet der Terminus "antemurale christianitatis" (Vormauer des Christentums) als Fremdzuschreibung und als Ausdruck des kulturellen Selbstverständnisses fast überall in Ostmittel- und Südosteuropa, besonders aber in Kroatien und Polen, Verwendung. Die Vorstellung, "Bollwerk des christlichen Abendlands", "Europas", der "westlichen Zivilisation" u. a. zu sein, erscheint in den ostmitteleuropäischen Erinnerungskulturen als wirkunsgmächtiges Bild, mit dessen Hilfe Deutungsmuster der nationalen Vergangenheit entwickelt werden und eine kulturelle (Selbst-)Verortung zwischen Ost und West vorgenommen wird. Die Antemurale-Denkfigur ist dabei bedeutungsoffen und kann mit unterschiedlichen konfessionellen, nationalen oder weltanschaulichen Inhalten gefüllt werden. Das Teilprojekt untersucht die Verwendungs- und Funktionsweisen der Antemurale-Konzeptionen mit literaturwissenschaftlichen Methoden anhand von fiktionalen und nicht-fiktionalen Texten. Dabei soll sowohl nach der ästhetischen Gestaltung und sinnstiftenden Funktion der Vormauer-Vorstellungen im literarischen Text, insbesondere im (neo-)historischen Roman, gefragt werden, als auch danach, wie diese Figur in politischen Essays und anderen publizistischen Genres genutzt wird, um in erinnerungspolitische Prozesse einzugreifen.
(2) Der Marienkult als ostmitteleuropäischer Erinnerungsort soll mit Schwerpunkten auf kirchlicher Kultbildpraxis, staatlicher Repräsentation und künstlerischer Verarbeitung analysiert werden. Dieser Kult spielt in den visuellen Erinnerungskulturen der Länder Ostmitteleuropas vor und nach 1989 im Spannungsfeld von Religion, Nation und Kunst eine zentrale Rolle. Die kulthafte Verehrung der Jungfrau Maria liefert insbesondere in den katholischen Ländern Polen und Kroatien einen bedeutenden Beitrag zur nationalen Identitätsfindung, ist aber auch in multikonfessionellen Staaten wie der Ukraine, der Tschechischen Republik, Bosnien und Herzegowina und der Slowakei präsent. Die Vorstellung von Maria ist einerseits allumfassend, andererseits aber an konkrete Orte bzw. Darstellungen gebunden, insbesondere dann, wenn es um die Funktionalisierung des Marienschutzes - z. B. als "Königin von Polen'" geht. Entsprechend bildet die medienübergreifende Analyse der (Kult-)Bild-Praxis und der Kultstätten den Ausgangspunkt des Projekts. Ausgehend von Polen, einem Land mit besonders ausgeprägter Marienaffinität, gilt es an Fallbeispielen visuelle Strategien im Umgang mit Mariensymbolik hinsichtlich ihrer Nutzbarmachung im Dienste nationaler bzw. politischer Interessen zu ermitteln, Kroatien und Bosnien-Herzegowina mit objektbezogenen Funktionsanalysen einzubinden und schließlich komparatistisch nach der Transnationalität dieses Erinnerungsortes zu fragen.
(3) Cyrillo-Methodiana bzw. die Symbolfiguren der "Slavenapostel" Kyrill und Method stellen einen zentralen Erinnerungsort der orthodoxen, aber auch etlicher nicht-orthodoxer Regionen Ostmitteleuropas dar. Bei der Analyse von Funktion und Bedeutung der Transnationalität öffentlicher Erinnerungskulturen in der westlichen Peripherie der Slavia Orthodoxa, also in Belarus', der Ukraine, der Slowakei, Rumänien, Bulgarien und den südlichen Nachfolgestaaten Jugoslawiens, nach 1989 kann dieses Figurenpaar als Vergleichsfolie und repräsentativer Erinnerungsort dienen. Am Beispiel einschlägiger Gedenktage, Denkmalsprojekte und anderer Quellen der visuellen Kultur soll danach gefragt werden, ob und warum Kyrill und Method Orte des Erinnerns von religiösen, kulturell umgewerteten sowie panslawisch-kommunistisch konnotierten Traditionsbeständen bilden und inwiefern diese konnotative Trivalenz ein Spezifikum der Erinnerungskulturen der Region darstellt.
(4) Die den drei genannten Teilprojekten zu Antemurale, Marienkult und Cyrillo-Methodiana zugrunde liegenden Arbeitshypothesen sollen nicht nur diskurs- und textanalytisch, sondern mittels ethnologischer Feldforschung auch praktisch-empirisch überprüft werden. Dies soll an der geographischen wie thematischen Schnittstellte der drei beschriebenen Fragestellungen, nämlich in der Karpatenregion, genauer in den zentralen Waldkarpaten im ukrainisch-slowakischen Grenzgebiet, geschehen. Diese metropolenfreie "innere Peripherie" Ostmitteleuropas, welche Teile der Ukraine, Polens, der Slowakei, Ungarns und Rumäniens umfaßt, weist ein strukturelles Merkmalscluster auf, das zum einen singulär ist, zum anderen alle drei Projekttopoi in ungewöhnlicher Dichte enthält. Der transnationale Diskurs über ein karpatenweites ethnokulturelles Identifikationsmuster "Russine" griechisch-katholischer Prägung in der Übergangszone von den ostslavischen zu den westslavischen Idiomen enthält zahlreiche Verweise auf die "Slavenapostel", wie dies zugleich im orthodoxen Gegendiskurs "Ukrainer", partiell auch "Russe", ja sogar in der slowakischen historischen Meistererzählung der Fall ist. Desgleichen ist hier Marienverehrung samt entsprechenden Gedenkorten ein transkonfessionelles Phänomen. Und die Antemurale-Konzeptionen der jeweiligen nationalen Zentren werden im Karpatenraum durch eine peripherale "Ante-Antemurale"-Komponente ergänzt. Orte der Feldforschung werden zwei Brennpunkte des Marienkults sein, nämlich Klokocov in der Ostslowakei und Dzublyk im transkarpatischen Teil der Ukraine.
Projektpartner sind die Carpathian Foundation (Kowice, Slowakei), The Romanian Institute for Recent History (Bukarest, Rumänien), Instytut Etnologii i Antropologii Kulturowy Uniwersytetu Warszwawskiego (Institut für Ethnologie und Kulturanthropologie der Universität Warschau, Polen), Po³udniowo-Wschodni Instytut Naukowy (Wissenschaftliches Süd-Ost-Institut, Przemysl, Polen), Katedra za sociologija na Pravno-istorièeski fakultet na Jugozapadnija Universitet "Neofit Rilski" (Lehrstuhl für Soziologie der Juristisch-historischen Fakultät der Südwest-Universität "Neofit Rilski, Blagoevgrad, Bulgarien) und das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung (Halle/S.). Eine erste Projekttagung wird vom 22. bis 25. März 2007 in Leipzig stattfinden.
Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Troebst / Dr. Agnieszka Gasior
GWZO
Luppenstr. 1 B
Tel. (0341) 97-35 560 / Fax (o341) 97-35 569
E-Mail troebst@uni-leipzig.de , gasior@rz.uni-leipzig.de
URL: http://www.uni-leipzig.de/gwzo/