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Bild von Prof. Dr. Georg Vobruba Prof. Dr. Georg Vobruba
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Telefon +49 (0)341 / 97-35641
Email vobruba@sozio.uni-leipzig.de
   
Sprechzeit  Mittwoch 9h30 bis 11h



Dr. Monika Eigmüller
Sozialraum Europa.
Die Entwicklung des territorialen Rahmens sozialpolitisch relevanter Solidarität

Finanziert von der Volkswagenstiftung. Laufzeit April 2008 - März 2013.

www.uni-leipzig.de/Sozialraum-Europa/



Prof. Dr. Sylke Nissen
REURIS - Revitalization of Urban River Spaces.
Wasser im Westen.

Finanziert vom Central Europe Programme der Europäischen Union. Laufzeit September 2008 - August 2011.

http://www.reuris.uni-leipzig.de/



Dr. Jenny Preunkert

Wie viel Gesellschaft braucht der Euro?

Habilitationsprojekt


Der Euro ist als transnationale Währung ein bisher einmaliges Projekt in der europäischen Geschichte. Noch nie zuvor haben mehrere nationale Staaten freiwillig die eigene Währung zugunsten einer transnationalen Währung aufgeben, weshalb seine Einführung auch als Meilenstein im europäischen Integrationsprozess gilt. Gleichwohl haben die aktuelle Währungskrise in einigen seiner Mitgliedsstaaten und ihre Folgen für die gesamte Eurozone  gezeigt, dass das Projekt mit bisher nicht wahrgenommenen politischen wie wirtschaftlichen Kosten verbunden ist. Auch wurde deutlich, dass die bisherigen politischen wie wissenschaftlichen Erklärungsansätze des Euros nicht ausreichen, um diese neue Form von Währung und ihr gesellschaftlichen Implikationen und Folgen erfassen und verständlich machen zu können.

Ausgehend von der aktuellen Krise soll in dem Projekt untersucht werden, auf welchen gesellschaftlichen Voraussetzungen die europäische Währung basiert. Die politische Ordnung der Eurozone wird dabei als institutioneller Rahmen verstanden, der die Kooperationsnotwendigkeit drastisch gesteigert hat, was lange Zeit durch den wirtschaftlichen Erfolg verdeckt wurde. Des Weiteren soll analysiert werden, welche politischen wie wirtschaftlichen Folgen der Euro für die beteiligten nationalen Gesellschaften und die EU als Ganzes hat. Es wird die These vertreten, dass mit der Einführung des Euros eine neue Form von transnationaler Staatlichkeit und wirtschaftlicher Abhängigkeit innerhalb der Eurozone institutionalisiert wurde und dies sowohl den Handlungsspielraum der beteiligten nationalen Gesellschaften verringert als auch Spaltungstendenzen innerhalb der EU verstärkt hat.



Dissertationsprojekte:


Dipl.-Soz. Claudia Maicher

Individuelles Sparverhalten – Eine soziologische Untersuchung von Vorsorgeentscheidungen mit weiten Zeithorizonten 

Relevanz. Sparen ist Handeln, welches zunehmend staatlich gefordert wird. Verbunden mit dem Umbau des staatlichen Alterssicherungssystems wird dieses Handeln zunehmend sozialpolitisch relevant. Sozialwissenschaftliche Forschung zur Alterssicherung sollte demnach bei den individuellen Überzeugungen und Einstellungen zum Sparen ansetzen. Die dominanten ökonomischen Theorieansätze – die entweder von der Einkommens- oder der Zinsabhängigkeit des Sparens ausgehen – erklären nicht das unterschiedliche Verhalten von Personen mit gleicher monetärer Ausstattung. Um dieses zu erklären brauchen wir eine Soziologie des Sparens, denn individuelles Sparen hängt nicht nur von materiellen Ressourcen und ökonomischen Parametern ab. Sicherheitsorientierungen, Beobachtung der Anderen, Erfahrungen im Institutionengefüge des Wohlfahrtsstaats, Zukunftsbewertungen u. a. beeinflussen das individuelle Handeln.

Theoretische Einbettung. Ökonomische Theorien erklären Sparen reduktionistisch und daher unzureichend; soziologische gibt es nicht. Diese Lücke soll mit dieser Arbeit geschlossen werden. Dabei wird die Ordnung ökonomischer Spartheorien aufgenommen und erweitert, so dass ein soziologisches Modell entsteht. Die Leistung des Modells besteht darin, auch unterschiedliches Sparverhalten bei gleicher Ressourcenausstattung zu erklären. Einbezogen werden die theoretischen soziologischen Ansätze der Komplexität von Entscheidungssituationen, weil jede Handlung – ob Sparen oder Nichtsparen – in Zusammenhang mit anderen Entscheidungen getroffen werden muss.

Fragestellung. Das Ziel der Arbeit ist, zu verstehen warum Menschen handeln (sparen oder nichtsparen), insbesondere wenn die Handlungsfolgen einen weiten Zeithorizont besitzen. Die Fragestellung lässt sich zusammenfassen: Welche Sparstrategien verfolgen die Leute und wodurch werden diese beeinflusst? Warum wird die Zukunft der Gegenwart vorgezogen oder umgekehrt? Welche individuellen Ressourcen und Restriktionen und welche Gelegenheitsstrukturen wirken auf die individuelle Orientierung?

Methodik. Das methodisches Vorgehen des empirischen Teils lehnt sich an die Grounded Theory an, ist also gegenstandsbezogen. Dabei begründen sich neu zu entwickelnden Theorieansätze auf die Sozialforschung und werden aus den Daten generiert. Diese Methodik bietet sich für das vorliegende Forschungsvorhaben an, weil noch keine soziologische Theorie des Sparens vorliegt. Es werden qualitative Daten mittels vorstrukturierten Gesprächen erhoben, daraus Hypothesen abgeleitet, die dann die Grundlage für einen soziologisch-theoretischen Ansatz bilden. Dieser wird die bestehenden ökonomischen Ansätze des Sparens erweitern. Eine bessere Erklärbarkeit des individuellen Sparens folgt daraus.

Kontakt: maicher@sozio.uni-leipzig.de



Monika Senghaas, M.A.

 

Sozialpolitik und kollektive Identitäten: Die Territorialisierung sozialer Sicherheit im Vielvölkerstaat der Habsburgermonarchie

 

Trotz einer voranschreitenden politischen und gesellschaftlichen Integration in Europa sind die Systeme der sozialen Sicherung in Europa weiterhin nationalstaatlich organisiert. Eine Ausweitung in Richtung eines europäischen Sozialstaats wird als unwahrscheinlich erachtet, da soziale Solidarität vorrangig im nationalen Rahmen verortet wird. Die Arbeit geht dem Ursprung dieses territorialen Rahmens sozialer Solidarität nach, indem sie die Einrichtung der ersten gesamtstaatlichen Sozialversicherungen im späten 19. und frühen 20. untersucht. Anknüpfend an interessen- und konflikttheoretische Ansätze zur Entstehung des Wohlfahrtsstaats fragt sie nach dem Einfluss von Interessen, Identität und Territorium im Entstehungsprozess staatlicher Sozialversicherungen.

 

In einer Fallstudie wird die Konstitution einer gesamtstaatlichen Sozialpolitik in der westlichen Reichshälfte der Habsburgermonarchie im Zeitraum 1880 bis 1918 untersucht. Die Analyse stützt sich auf die institutionelle Entwicklung von Sozialversicherungen einerseits, den Diskurs um die Ausgestaltung dieser Institutionen andererseits. Aufgrund des atypischen Beispiels eines Vielvölkerstaats können dabei besonders deutlich konkurrierende Identitäts- und Raumbezüge erfasst werden.

 

Kontakt: senghaas@sozio.uni-leipzig.de

 


Anja Keutel

Die Europäische Integration im Spannunsgfeld von Integration und Abstufung

Die integrationspolitische Entwicklungslinie der Europäischen Union

 

 

Ausgangspunkt

 

Am 13. Juni 2008 gerät der europäische Integrationsprozess durch das „Nein“ der Iren zum Vertrag von Lissabon erneut ins Stocken. Im Rahmen der sich anschließenden Debatte um die integrationspolitische Zukunft der Europäischen Union wird ersichtlich, wie stark die integrationspolitischen Differenzen innerhalb der politischen Gemeinschaft Europas tatsächlich sind. Dabei begründen die Befürworter einer abgestuften Zukunft Europas ihre Forderungen mit dem Argument, die bisherigen Erfolge der Europäischen Union seien der Tatsache zuzuschreiben, dass die Europäische Union auch in der Vergangenheit nach dem Muster der abgestuften Integration organisiert gewesen sei. Dagegen steht die historische Perspektive der Vertreter einer europäischen Einheitlichkeit, die geltend machen, die EU sei schon immer als starke Einheit vorangeschritten und solle dieser Tradition auch verhaftet bleiben.

 

Forschungsfrage

 

Innerhalb der Debatte um die Zukunft der Europäischen Union gewinnt die Frage nach der Vergangenheit der europäischen Integration immer mehr an Bedeutung. Eine Klärung dieser Frage wird demnach wegweisende Impulse in dieser Debatte liefern können und steht aus diesem Anlass im Zentrum des hier vorliegenden Dissertationsprojekts. Meine Forschungsfrage lautet:

 

Welche integrationspolitische Entwicklungslinie lag dem Entstehungsprozess der Europäischen Union bisher zu Grunde?

 

Ist der europäische Integrationsprozess ein einheitliches Gemeinschaftsprojekt, in dessen Rahmen alle Mitglieder zu gleichen Teilen mitwirken und bedacht werden?

 

Oder können in der Geschichte und der Gegenwart der europäischen Integration Strukturmerkmale einer abgestuft organisierten Gemeinschaftskonstellation identifiziert werden?

 

 

Forschungsdesign

Weil der Europasoziologie bis heute eine ganzheitliche Reflexion der europäischen Integrationsgeschichte mit besonderer Berücksichtigung des realhistorischen Integrationsmusters fehlt, steht am  Beginn meiner dreistufigen Rekonstruktion der europäischen Integrationsgeschichte deshalb die Entwicklung eines geeigneten integrationswissenschaftlichen Begriffsapparates. Im Rahmen der anschließenden empirischen Rekonstruktion der historischen Integrationsstruktur der Europäischen Union soll ein eigens entwickeltes Analysekonzept jedem historischen Integrationsereignis drei relevante Kategorien zuweisen: die Integrationsfigur, das Integrationsniveau und die Integrationstiefe der einzelnen Integrationsschritte der Gemeinschaft sollen so messbar und darstellbar sein. Die ganzheitliche, entwicklungstheoretische und integrationspolitische Deutung des empirisch erschlossenen Materials ermöglicht abschließend die Rekonstruktion der historischen Integrationsstruktur der Europäischen Union.

 

Ausblick

 

Im Ergebnis des hier vorgestellten Dissertationsprojektes möchte ich mit der Rekonstruktion der integrationspolitischen Entwicklungslinie der Europäischen Union nicht nur einen Beitrag zur begrifflichen und empirischen Bereicherung der Europaforschung leisten, sondern auch die Möglichkeit einer historisch fundierten Reflexion des Projektes eines einheitlichen Europas eröffnen. Die zunehmenden Schwierigkeiten der Gemeinschaft, ihre Zukunft auf der Grundlage einheitlicher Entscheidungsfindung aufzubauen, verweisen deutlich auf die Dringlichkeit einer solchen Bestandsaufnahme.


Kontakt: anja.keutel@t-online.de




Dipl.-Soz. Nancy Scharpff

 

De- und Reterritorialisierung von Arbeit und Arbeitsmärkten. Zur Konstitution sozialer Räume

 

Thematische Einordnung

Im Zuge fortschreitender Globalisierung und Europäisierung hat die politische und wissenschaftliche Kontroverse über die Denationalisierung und territoriale Neuorganisation politischer und gesellschaftlicher Ordnung an Brisanz gewonnen. Diskutiert wird dabei unter anderem die Frage nach den Vergesellschaftungsmöglichkeiten auf europäischer Ebene.

Dem Dissertationsprojekt liegt die Annahme zugrunde, dass sich die Europäische Union als Bezugsrahmen sozialer Organisation und ökonomischer Regulation zunehmend etabliert.

 

Theoretische Einbettung

Durch eine Synthese sozialhistorischer, politologischer und soziologischer Erklärungsansätze wird die Territorialisierung gesellschaftlicher, insbesondere ökonomischer Ordnung theoretisch konzeptualisiert. Dabei werden Erkenntnisse über die Entstehung und Etablierung des Nationalstaats im ausgehenden 19. Jahrhundert genutzt und für die Analyse aktueller Territorialisierungsprozesse fruchtbar gemacht. Von besonderer Relevanz ist, dass die Etablierung der Nation als Vergesellschaftungsraum ein sozialkonstruktiver und konfliktiver Prozess der Nationalisierung, allgemeiner: der Territorialisierung, von Politik, Gesellschaft und Ökonomie war. Der mit Globalisierung und Industrialisierung entstandene und von politischen Akteuren vorgebrachte Bedarf nach nationaler Regulierung des Arbeitsmarkts war dabei konstitutiv für die Verbindung von Arbeit und Territorium im nationalen Rahmen und für die Herstellung einer nationalen gesellschaftlichen Ordnung.

 

Forschungsfrage

Für die Untersuchung aktueller Territorialisierungsprozesse leitet sich somit die Frage ab, inwiefern die Zuständigkeit für die Regulierung des Arbeitsmarkts, die bislang in der Domäne des Nationalstaats liegt, der Europäischen Union/europäischen Institutionen überantwortet wird. Die Forschungsfrage lautet konkret: Wird von Seiten nationalstaatlicher, arbeitsmarkt- und sozialpolitisch relevanter Akteure ein Bedarf nach europäischer Regulation des Arbeitsmarkts wahrgenommen und entsprechend artikuliert?

 

Methodik & Ziel

Am Beispiel der jüngsten EU-Osterweiterung werden die Interessen politisch relevanter Akteure herausgearbeitet. Inhaltsanalytische Verfahren (Dokumentenanalyse und Experteninterviews) werden dabei ergänzt durch eine Policy-Analyse nationalstaatlicher und europäischer Arbeitsmarktpolitiken sowie eine deskriptiv-analytische Aufbereitung struktureller Rahmenbedingungen. Auf Basis dieses Vorgehens können Interessen und strukturelle Rahmenbedingungen zueinander in Beziehung gesetzt werden, so dass sich hieraus mögliche Implikationen und alternative Perspektiven auf die Vergesellschaftungsmöglichkeiten jenseits des Nationalstaats eruieren lassen.

 

Kontakt: scharpff@uni-leipzig.de




Stephanie von Aretin, MSc.

 

„Orientierung in der europäischen Öffentlichkeit – der Beitrag der deutschen politischen Stiftungen.“

 

Relevanz

Vieles spricht dafür, dass EU-Entscheidungsträger künftig mehr Bezug auf öffentliche Meinung nehmen werden. Zum einen schwindet der permissive consensus der Bürger gegenüber der Gemeinschaft. Zum anderen ist die EU für weitere Reformen auf Zustimmung in Referenden und nationalen Parlamenten angewiesen. Zum Dritten hat die EU-Bürokratie selbst ein Legitimationsproblem erkannt, das sie in ihrer Entwicklung hemmt und dem sie mit mehr Bürgernähe begegnen will. Doch wie bildet sich öffentliche Meinung in einem Raum mit vielen Sprachen, Kulturen und Identitäten? Wer trägt – abseits von meist national orientierten Medien – zur ihrer Entstehung bei? Wo finden politische Debatten in einem derart komplexen System Ankerpunkte? In den vergangenen Jahren hat sich die Forschung unter diesen Fragestellungen vor allem mit den Massenmedien beschäftigt. Dabei blieb die Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure weitgehend unbeleuchtet. Hier will diese Arbeit ansetzen.

 

Theoretische Einbettung

Vor allem Jürgen Habermas´ Theorie kommunikativen Handelns bezogen auf die postnationale Konstellation hat in den 90er Jahren den Anstoß für eine breit angelegte Debatte über eine Theorie der europäischen Öffentlichkeit gegeben. Dabei galt es zunächst, den Begriff der Öffentlichkeit auf den erweiterten Raum und das politische System der EU zu übertragen und neu zu definieren. Anschlusspunkte zwischen der soziologisch geprägten Debatte über die Struktur von Kommunikationsräumen und dem politikwissenschaftlichen Fokus auf den normativen Gehalt von Öffentlichkeit waren zu finden. Nach recht unterschiedlichen empirischen Befunden zur Existenz und Leistungsfähigkeit einer europäischen Öffentlichkeit ist zuletzt ihr Entwicklungspotential in den Vordergrund gerückt. 

 

Forschungsfragen

Diese Arbeit untersucht, welchen Beitrag politische Stiftungen zum Entstehen einer europäischen Öffentlichkeit leisten. Daraus ergeben sich zwei Fragenkomplexe:

1. Wie wirken die parteinahen Stiftungen in Bezug auf die Entwicklung einer europäische Öffentlichkeit? Entlang welcher selbst definierten Aufgaben agieren die Stiftungen? Und mit welchen Erwartungen bezüglich ihres Beitrags zur Konstituierung einer europäischen Öffentlicxhkeit sehen sie sich konfrontiert?

2. Passen die deutschen parteinahen Stiftungen ihre Strategien für Öffentlichkeit im europäischen Raum an? Wenn ja, wie? Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen den national verankerten Stiftungen und ihren Handlungszielen im europäischen Raum?

 

Forschungsdesign und Methode

Zunächst gilt es, Zusammenhänge zwischen den Leitbegriffen dieser Arbeit herzustellen: dem Verhältnis von Öffentlichkeit und Legitimation, dem Verhältnis von zivilgesellschaftlichen Akteuren und Öffentlichkeit, dem Spannungsfeld  zwischen national und europäisch . Daraus wird ein Modell entwickelt, mit dem die Aktivitäten der Stiftungen in der Vermittlung von EU-Politik anhand von Experteninterviews und deskriptiven Inhaltsanalysen systematisch beschrieben werden können. Schließlich wird die Arbeit darüber Aufschluss geben, ob die Strategien der Stiftungen mit dem Handlungsziel (politische Meinungsbildung) und normativer Rolle (Brückenfunktion zwischen EU und Bürger im Mehrebenensystem) strukturell geeignet sind, zum Entstehen einer europäischen Öffentlichkeit beizutragen. Der Zeitrahmen bezieht sich auf die Jahre 2004-2008.


Kontakt: stephanie.aretin@t-online.de




Wiebke Friedrich, M.A.

 

Die Elternökonomie: Zur Bedeutung privater Generationentransfers für Berufseinsteiger in einem flexibilisierten Arbeitsmarkt

 

Relevanz

Das Promotionsvorhaben befasst sich mit privaten Generationentransfers zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern und der Bedeutung dieser Transfers in Hinblick auf die fortschreitende Beschäftigungsflexibilisierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Es soll somit untersucht werden, inwieweit finanzielle Unterstützungsleistungen seitens der Eltern eine signifikante kompensatorische Funktion für Berufseinsteiger in prekären Beschäftigungsverhältnissen erfüllen. Wenn nämlich junge Menschen – wie es jüngste Statistiken belegen – immer öfter mit Phasen der Arbeitslosigkeit umgehen müssen, wenn sie immer häufiger befristet beschäftigt sind und vergleichsweise hohe Einkommenseinbußen bei schwachem Arbeitsschutz hinzunehmen haben, dann stellt sich die Frage, auf welche kompensatorischen Mechanismen Berufseinsteiger zurückgreifen (müssen), um ihren Lebensunterhalt trotz diskontinuierlicher und/oder nicht existenzsichernder Beschäftigung dauerhaft zu sichern. Naheliegende Unterstützungsformen sind öffentliche Transfers im Rahmen der Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung („Aufstocken“), Einkommen aus Zweit- und Drittjobs, indirekte Einkünfte über (Ehe-)Partner und andere im Haushalt lebende Personen, Erbschaften sowie Darlehen und Stipendien. Die zu prüfende Hypothese der Arbeit lautet nun, dass neben diesen Unterstützungsleistungen auch private Transfers zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kinder eine signifikante einkommensstabilisierende Funktion bei jungen Berufseinsteigern übernehmen.

Die Dissertation hat somit das Ziel, zwei bisher kaum verknüpfte Forschungsstränge – monetäre Generationenbeziehungen und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes unter besonderer Berücksichtigung des Erwerbseintrittsprozesses – zusammenzuführen.

 

Fragestellungen

Die zentrale Forschungsfrage des Promotionsvorhabens lautet: In welchem Umfang, in welcher Form, auf Basis welcher Aushandlungsprozesse und auf Grundlage welcher Einkommens- und Beschäftigungssituation subventionieren bzw. stabilisieren Eltern durch private finanzielle Transferleistungen die zunehmend prekären Erwerbseinstiegsprozesse ihrer erwachsenen Kinder?

 

Geklärt werden muss in diesem Zusammenhang:

-              In welchem Ausmaß und warum sind Berufseinsteiger prekär beschäftigt?

(Stichworte: Dauer, Freiwilligkeit, Haushaltskontext, Risikogruppen)

-              In welchem Umfang und mit welcher Reichweite leisten Eltern private Generationentransfers an ihre Kinder in der Phase des Berufseinstiegs?

(Stichworte: Relation der Zahlungen zum Haushaltseinkommen, Mittelschichten- bzw. Akademikerphänomen)

-              In welcher Form leisten Eltern diese Transfers (regelmäßige Zahlungen, größere Schenkungen, Sachleistungen, Koresidenz)?

-              Was sind die Motive der Berufseinsteiger für die Aufnahme bzw. den Verbleib in einer prekären Beschäftigung? Welche Beweggründe haben die Eltern, die finanzielle Transfers leisten? Welche Bedingungen und Verpflichtungen werden ausgehandelt?

-              Auf Basis welcher Beschäftigungssituation leisten die Eltern Transferzahlungen?

 

Methodik

Im Zentrum der Arbeit steht die Durchführung einer qualitativen Interviewstudie mit ca. zehn Berufseinsteigern, die schon mindestens einmal prekär beschäftigt waren und in diesem Zeitraum signifikante finanzielle Transfers (regelmäßig/unregelmäßig) von ihren Eltern erhalten haben. Darüber hinaus sollen auch die Eltern der Transfernehmer zu den Modalitäten und Motiven ihrer Unterstützungsleistungen befragt werden. Gerahmt wird die Studie von einer theoretischen Aufarbeitung des Forschungsfeldes – wichtig sind hier insbesondere Annahmen der Lebenslaufforschung, der soziologischen und ökonomischen Arbeitsmarkttheorien sowie der Familien- und Generationensoziologie – und einer sekundäranalytischen Auswertung relevanter empirischer Studien zu Erwerbseinstiegsprozessen und privaten Generationenbeziehungen.

 

Kontakt: wiebkefriedrich@gmx.net


 

 

 
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