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Prof. Dr. Sylke Nissen REURIS - Revitalization of Urban River Spaces. Wasser im Westen.
Finanziert vom Central Europe Programme der Europäischen Union. Laufzeit September 2008 - August 2011.
http://www.reuris.uni-leipzig.de/
Dr. Jenny Preunkert
Wie viel Gesellschaft braucht der Euro?
Habilitationsprojekt
Der Euro ist als
transnationale Währung ein bisher einmaliges Projekt in der europäischen
Geschichte. Noch nie zuvor haben mehrere nationale Staaten freiwillig die
eigene Währung zugunsten einer transnationalen Währung aufgeben, weshalb seine
Einführung auch als Meilenstein im europäischen Integrationsprozess
gilt. Gleichwohl haben die aktuelle Währungskrise in einigen seiner
Mitgliedsstaaten und ihre Folgen für die gesamte Eurozone
gezeigt, dass das Projekt mit bisher nicht wahrgenommenen politischen wie
wirtschaftlichen Kosten verbunden ist. Auch wurde deutlich, dass die bisherigen
politischen wie wissenschaftlichen Erklärungsansätze des Euros nicht
ausreichen, um diese neue Form von Währung und ihr gesellschaftlichen
Implikationen und Folgen erfassen und verständlich machen zu können.
Ausgehend
von der aktuellen Krise soll in dem Projekt untersucht
werden, auf welchen gesellschaftlichen Voraussetzungen die europäische Währung basiert. Die
politische Ordnung der Eurozone wird dabei als institutioneller Rahmen
verstanden, der die Kooperationsnotwendigkeit drastisch gesteigert hat, was
lange Zeit durch den wirtschaftlichen Erfolg verdeckt wurde. Des Weiteren soll
analysiert werden, welche politischen wie wirtschaftlichen Folgen der Euro für
die beteiligten nationalen Gesellschaften und die EU als Ganzes hat. Es wird
die These vertreten, dass mit der Einführung des Euros eine neue Form von
transnationaler Staatlichkeit und wirtschaftlicher Abhängigkeit innerhalb der
Eurozone institutionalisiert wurde und dies sowohl den Handlungsspielraum der
beteiligten nationalen Gesellschaften verringert als auch Spaltungstendenzen
innerhalb der EU verstärkt hat.
Dissertationsprojekte:
Dipl.-Soz. Claudia Maicher
Individuelles Sparverhalten – Eine soziologische Untersuchung von Vorsorgeentscheidungen mit weiten Zeithorizonten
Relevanz. Sparen ist Handeln, welches zunehmend staatlich gefordert wird. Verbunden mit dem Umbau des staatlichen Alterssicherungssystems wird dieses Handeln zunehmend sozialpolitisch relevant. Sozialwissenschaftliche Forschung zur Alterssicherung sollte demnach bei den individuellen Überzeugungen und Einstellungen zum Sparen ansetzen. Die dominanten ökonomischen Theorieansätze – die entweder von der Einkommens- oder der Zinsabhängigkeit des Sparens ausgehen – erklären nicht das unterschiedliche Verhalten von Personen mit gleicher monetärer Ausstattung. Um dieses zu erklären brauchen wir eine Soziologie des Sparens, denn individuelles Sparen hängt nicht nur von materiellen Ressourcen und ökonomischen Parametern ab. Sicherheitsorientierungen, Beobachtung der Anderen, Erfahrungen im Institutionengefüge des Wohlfahrtsstaats, Zukunftsbewertungen u. a. beeinflussen das individuelle Handeln.
Theoretische Einbettung. Ökonomische Theorien erklären Sparen reduktionistisch und daher unzureichend; soziologische gibt es nicht. Diese Lücke soll mit dieser Arbeit geschlossen werden. Dabei wird die Ordnung ökonomischer Spartheorien aufgenommen und erweitert, so dass ein soziologisches Modell entsteht. Die Leistung des Modells besteht darin, auch unterschiedliches Sparverhalten bei gleicher Ressourcenausstattung zu erklären. Einbezogen werden die theoretischen soziologischen Ansätze der Komplexität von Entscheidungssituationen, weil jede Handlung – ob Sparen oder Nichtsparen – in Zusammenhang mit anderen Entscheidungen getroffen werden muss.
Fragestellung. Das Ziel der Arbeit ist, zu verstehen warum Menschen handeln (sparen oder nichtsparen), insbesondere wenn die Handlungsfolgen einen weiten Zeithorizont besitzen. Die Fragestellung lässt sich zusammenfassen: Welche Sparstrategien verfolgen die Leute und wodurch werden diese beeinflusst? Warum wird die Zukunft der Gegenwart vorgezogen oder umgekehrt? Welche individuellen Ressourcen und Restriktionen und welche Gelegenheitsstrukturen wirken auf die individuelle Orientierung?
Methodik. Das methodisches Vorgehen des empirischen Teils lehnt sich an die Grounded Theory an, ist also gegenstandsbezogen. Dabei begründen sich neu zu entwickelnden Theorieansätze auf die Sozialforschung und werden aus den Daten generiert. Diese Methodik bietet sich für das vorliegende Forschungsvorhaben an, weil noch keine soziologische Theorie des Sparens vorliegt. Es werden qualitative Daten mittels vorstrukturierten Gesprächen erhoben, daraus Hypothesen abgeleitet, die dann die Grundlage für einen soziologisch-theoretischen Ansatz bilden. Dieser wird die bestehenden ökonomischen Ansätze des Sparens erweitern. Eine bessere Erklärbarkeit des individuellen Sparens folgt daraus.
Sozialpolitik und kollektive Identitäten: Die
Territorialisierung sozialer Sicherheit im Vielvölkerstaat der
Habsburgermonarchie
Trotz einer voranschreitenden politischen und
gesellschaftlichen Integration in Europa sind die Systeme der sozialen
Sicherung in Europa weiterhin nationalstaatlich organisiert. Eine Ausweitung in
Richtung eines europäischen Sozialstaats wird als unwahrscheinlich erachtet, da
soziale Solidarität vorrangig im nationalen Rahmen verortet wird. Die Arbeit
geht dem Ursprung dieses territorialen Rahmens sozialer Solidarität nach, indem
sie die Einrichtung der ersten gesamtstaatlichen Sozialversicherungen im späten
19. und frühen 20. untersucht. Anknüpfend an interessen- und
konflikttheoretische Ansätze zur Entstehung des Wohlfahrtsstaats fragt sie nach
dem Einfluss von Interessen, Identität und Territorium im Entstehungsprozess
staatlicher Sozialversicherungen.
In einer Fallstudie wird die Konstitution einer
gesamtstaatlichen Sozialpolitik in der westlichen Reichshälfte der
Habsburgermonarchie im Zeitraum 1880 bis 1918 untersucht. Die Analyse stützt
sich auf die institutionelle Entwicklung von Sozialversicherungen einerseits,
den Diskurs um die Ausgestaltung dieser Institutionen andererseits. Aufgrund
des atypischen Beispiels eines Vielvölkerstaats können dabei besonders deutlich
konkurrierende Identitäts- und Raumbezüge erfasst werden.
Kontakt: senghaas@sozio.uni-leipzig.de
Anja Keutel
Die Europäische Integration im Spannunsgfeld von Integration und Abstufung
Die integrationspolitische
Entwicklungslinie der Europäischen Union
Ausgangspunkt
Am 13. Juni 2008 gerät der europäische Integrationsprozess
durch das „Nein“ der Iren zum Vertrag von Lissabon erneut ins Stocken. Im
Rahmen der sich anschließenden Debatte um die integrationspolitische Zukunft
der Europäischen Union wird ersichtlich, wie stark die integrationspolitischen
Differenzen innerhalb der politischen Gemeinschaft Europas tatsächlich sind.
Dabei begründen die Befürworter einer abgestuften Zukunft Europas ihre
Forderungen mit dem Argument, die bisherigen Erfolge der Europäischen Union
seien der Tatsache zuzuschreiben, dass die Europäische Union auch in der
Vergangenheit nach dem Muster der abgestuften Integration organisiert gewesen
sei. Dagegen steht die historische Perspektive der Vertreter einer europäischen
Einheitlichkeit, die geltend machen, die EU sei schon immer als starke Einheit
vorangeschritten und solle dieser Tradition auch verhaftet bleiben.
Forschungsfrage
Innerhalb der Debatte um die Zukunft der Europäischen
Union gewinnt die Frage nach der Vergangenheit der europäischen Integration
immer mehr an Bedeutung. Eine Klärung dieser Frage wird demnach wegweisende
Impulse in dieser Debatte liefern können und steht aus diesem Anlass im Zentrum
des hier vorliegenden Dissertationsprojekts. Meine Forschungsfrage lautet:
Welche integrationspolitische
Entwicklungslinie lag dem Entstehungsprozess der Europäischen Union bisher zu
Grunde?
Ist der europäische
Integrationsprozess ein einheitliches Gemeinschaftsprojekt, in dessen Rahmen
alle Mitglieder zu gleichen Teilen mitwirken und bedacht werden?
Oder können in der Geschichte
und der Gegenwart der europäischen Integration Strukturmerkmale einer abgestuft
organisierten Gemeinschaftskonstellation identifiziert werden?
Forschungsdesign
Weil der Europasoziologie bis heute eine ganzheitliche
Reflexion der europäischen Integrationsgeschichte mit besonderer Berücksichtigung
des realhistorischen Integrationsmusters fehlt, steht amBeginn meiner dreistufigen Rekonstruktion der
europäischen Integrationsgeschichte deshalb die Entwicklung eines geeigneten
integrationswissenschaftlichen Begriffsapparates. Im Rahmen der anschließenden
empirischen Rekonstruktion der historischen Integrationsstruktur der
Europäischen Union soll ein eigens entwickeltes Analysekonzept jedem
historischen Integrationsereignis drei relevante Kategorien zuweisen: die
Integrationsfigur, das Integrationsniveau und die Integrationstiefe der
einzelnen Integrationsschritte der Gemeinschaft sollen so messbar und
darstellbar sein. Die ganzheitliche, entwicklungstheoretische und
integrationspolitische Deutung des empirisch erschlossenen Materials ermöglicht
abschließend die Rekonstruktion der historischen Integrationsstruktur der
Europäischen Union.
Ausblick
Im
Ergebnis des hier vorgestellten Dissertationsprojektes möchte ich mit der
Rekonstruktion der integrationspolitischen Entwicklungslinie der Europäischen
Union nicht nur einen Beitrag zur begrifflichen und empirischen Bereicherung
der Europaforschung leisten, sondern auch die Möglichkeit einer historisch
fundierten Reflexion des Projektes eines einheitlichen Europas eröffnen. Die
zunehmenden Schwierigkeiten der Gemeinschaft, ihre Zukunft auf der Grundlage
einheitlicher Entscheidungsfindung aufzubauen, verweisen deutlich auf die
Dringlichkeit einer solchen Bestandsaufnahme.
Kontakt: anja.keutel@t-online.de
Dipl.-Soz. Nancy
Scharpff
De- und
Reterritorialisierung von Arbeit und Arbeitsmärkten. Zur Konstitution sozialer
Räume
Thematische Einordnung
Im Zuge fortschreitender Globalisierung und Europäisierung
hat die politische und wissenschaftliche Kontroverse über die
Denationalisierung und territoriale Neuorganisation politischer und
gesellschaftlicher Ordnung an Brisanz gewonnen. Diskutiert wird dabei unter
anderem die Frage nach den Vergesellschaftungsmöglichkeiten auf europäischer
Ebene.
Dem Dissertationsprojekt liegt die Annahme zugrunde, dass
sich die Europäische Union als Bezugsrahmen sozialer Organisation und
ökonomischer Regulation zunehmend etabliert.
Theoretische Einbettung
Durch eine Synthese sozialhistorischer, politologischer und
soziologischer Erklärungsansätze wird die Territorialisierung
gesellschaftlicher, insbesondere ökonomischer Ordnung theoretisch
konzeptualisiert. Dabei werden Erkenntnisse über die Entstehung und Etablierung
des Nationalstaats im ausgehenden 19. Jahrhundert genutzt und für die Analyse
aktueller Territorialisierungsprozesse fruchtbar gemacht. Von besonderer
Relevanz ist, dass die Etablierung der Nation als Vergesellschaftungsraum ein sozialkonstruktiver
und konfliktiver Prozess der Nationalisierung, allgemeiner: der Territorialisierung,
von Politik, Gesellschaft und Ökonomie war. Der mit Globalisierung und
Industrialisierung entstandene und von politischen Akteuren vorgebrachte Bedarf
nach nationaler Regulierung des Arbeitsmarkts war dabei konstitutiv für die
Verbindung von Arbeit und Territorium im nationalen Rahmen und für die
Herstellung einer nationalen gesellschaftlichen Ordnung.
Forschungsfrage
Für die Untersuchung aktueller Territorialisierungsprozesse
leitet sich somit die Frage ab, inwiefern die Zuständigkeit für die Regulierung
des Arbeitsmarkts, die bislang in der Domäne des Nationalstaats liegt, der
Europäischen Union/europäischen Institutionen überantwortet wird. Die
Forschungsfrage lautet konkret: Wird von Seiten nationalstaatlicher,
arbeitsmarkt- und sozialpolitisch relevanter Akteure ein Bedarf nach
europäischer Regulation des Arbeitsmarkts wahrgenommen und entsprechend
artikuliert?
Methodik & Ziel
Am Beispiel der jüngsten EU-Osterweiterung werden die
Interessen politisch relevanter Akteure herausgearbeitet. Inhaltsanalytische
Verfahren (Dokumentenanalyse und Experteninterviews) werden dabei ergänzt durch
eine Policy-Analyse nationalstaatlicher und europäischer Arbeitsmarktpolitiken
sowie eine deskriptiv-analytische Aufbereitung struktureller Rahmenbedingungen.
Auf Basis dieses Vorgehens können Interessen und strukturelle Rahmenbedingungen
zueinander in Beziehung gesetzt werden, so dass sich hieraus mögliche
Implikationen und alternative Perspektiven auf die
Vergesellschaftungsmöglichkeiten jenseits des Nationalstaats eruieren lassen.
Kontakt: scharpff@uni-leipzig.de
Stephanie von Aretin, MSc.
„Orientierung in der europäischen Öffentlichkeit – der
Beitrag der deutschen politischen Stiftungen.“
Relevanz
Vieles spricht dafür, dass EU-Entscheidungsträger künftig
mehr Bezug auf öffentliche Meinung nehmen werden. Zum einen schwindet der permissive consensus der Bürger gegenüber der Gemeinschaft.
Zum anderen ist die EU für weitere Reformen auf Zustimmung in Referenden und
nationalen Parlamenten angewiesen. Zum Dritten hat die EU-Bürokratie selbst ein
Legitimationsproblem erkannt, das sie in ihrer Entwicklung hemmt und dem sie
mit mehr Bürgernähe begegnen will. Doch wie bildet sich öffentliche Meinung in
einem Raum mit vielen Sprachen, Kulturen und Identitäten? Wer trägt – abseits
von meist national orientierten Medien – zur ihrer Entstehung bei? Wo finden
politische Debatten in einem derart komplexen System Ankerpunkte? In den
vergangenen Jahren hat sich die Forschung unter diesen Fragestellungen vor
allem mit den Massenmedien beschäftigt. Dabei blieb die Rolle
zivilgesellschaftlicher Akteure weitgehend unbeleuchtet. Hier will diese Arbeit
ansetzen.
Theoretische Einbettung
Vor allem Jürgen Habermas´
Theorie kommunikativen Handelns bezogen auf die postnationale Konstellation hat in den 90er
Jahren den Anstoß für eine breit angelegte Debatte über eine Theorie der
europäischen Öffentlichkeit gegeben. Dabei galt es zunächst, den Begriff der
Öffentlichkeit auf den erweiterten Raum und das politische System der EU zu
übertragen und neu zu definieren. Anschlusspunkte zwischen der soziologisch
geprägten Debatte über die Struktur von Kommunikationsräumen und dem
politikwissenschaftlichen Fokus auf den normativen Gehalt von Öffentlichkeit
waren zu finden. Nach recht unterschiedlichen empirischen Befunden zur Existenz
und Leistungsfähigkeit einer europäischen Öffentlichkeit ist zuletzt ihr
Entwicklungspotential in den Vordergrund gerückt.
Forschungsfragen
Diese Arbeit untersucht, welchen Beitrag politische
Stiftungen zum Entstehen einer europäischen Öffentlichkeit leisten. Daraus ergeben
sich zwei Fragenkomplexe:
1. Wie wirken die parteinahen Stiftungen in
Bezug auf die Entwicklung einer europäische Öffentlichkeit? Entlang welcher selbst definierten Aufgaben agieren die Stiftungen? Und mit welchen Erwartungen bezüglich ihres Beitrags zur Konstituierung einer europäischen Öffentlicxhkeit sehen sie sich konfrontiert?
2. Passen die deutschen parteinahen Stiftungen ihre
Strategien für Öffentlichkeit im europäischen Raum an? Wenn ja, wie? Wie
gestaltet sich das Verhältnis zwischen den national verankerten Stiftungen und
ihren Handlungszielen im europäischen Raum?
Forschungsdesign und Methode
Zunächst gilt es, Zusammenhänge zwischen den Leitbegriffen
dieser Arbeit herzustellen: dem Verhältnis von Öffentlichkeit und Legitimation,
dem Verhältnis von zivilgesellschaftlichen Akteuren und Öffentlichkeit, dem
Spannungsfeld zwischen national und europäisch . Daraus wird ein Modell entwickelt, mit dem die Aktivitäten
der Stiftungen in der Vermittlung von EU-Politik anhand von Experteninterviews
und deskriptiven Inhaltsanalysen systematisch beschrieben werden können.
Schließlich wird die Arbeit darüber Aufschluss geben, ob die Strategien der
Stiftungen mit dem Handlungsziel (politische Meinungsbildung) und normativer
Rolle (Brückenfunktion zwischen EU und Bürger im Mehrebenensystem) strukturell
geeignet sind, zum Entstehen einer europäischen Öffentlichkeit beizutragen. Der
Zeitrahmen bezieht sich auf die Jahre 2004-2008.
Kontakt: stephanie.aretin@t-online.de
Wiebke Friedrich, M.A.
Die
Elternökonomie: Zur Bedeutung privater Generationentransfers für
Berufseinsteiger in einem flexibilisierten Arbeitsmarkt
Relevanz
Das Promotionsvorhaben
befasst sich mit privaten Generationentransfers zwischen Eltern und ihren erwachsenen
Kindern und der Bedeutung dieser Transfers in Hinblick auf die fortschreitende
Beschäftigungsflexibilisierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Es soll somit untersucht
werden, inwieweit finanzielle Unterstützungsleistungen seitens der Eltern eine
signifikante kompensatorische Funktion für Berufseinsteiger in prekären
Beschäftigungsverhältnissen erfüllen. Wenn nämlich junge Menschen – wie es
jüngste Statistiken belegen – immer öfter mit Phasen der Arbeitslosigkeit umgehen
müssen, wenn sie immer häufiger befristet beschäftigt sind und vergleichsweise
hohe Einkommenseinbußen bei schwachem Arbeitsschutz hinzunehmen haben, dann
stellt sich die Frage, auf welche kompensatorischen Mechanismen
Berufseinsteiger zurückgreifen (müssen), um ihren Lebensunterhalt trotz
diskontinuierlicher und/oder nicht existenzsichernder Beschäftigung dauerhaft
zu sichern. Naheliegende Unterstützungsformen sind öffentliche Transfers im
Rahmen der Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung („Aufstocken“),
Einkommen aus Zweit- und Drittjobs, indirekte Einkünfte über (Ehe-)Partner und
andere im Haushalt lebende Personen, Erbschaften sowie Darlehen und Stipendien.
Die zu prüfende Hypothese der Arbeit lautet nun, dass neben diesen
Unterstützungsleistungen auch private Transfers zwischen Eltern und ihren
erwachsenen Kinder eine signifikante einkommensstabilisierende Funktion bei
jungen Berufseinsteigern übernehmen.
Die Dissertation hat
somit das Ziel, zwei bisher kaum verknüpfte Forschungsstränge – monetäre
Generationenbeziehungen und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes unter
besonderer Berücksichtigung des Erwerbseintrittsprozesses – zusammenzuführen.
Fragestellungen
Die zentrale Forschungsfrage des
Promotionsvorhabens lautet: In welchem
Umfang, in welcher Form, auf Basis welcher Aushandlungsprozesse und auf
Grundlage welcher Einkommens- und Beschäftigungssituation subventionieren bzw.
stabilisieren Eltern durch private finanzielle Transferleistungen die zunehmend
prekären Erwerbseinstiegsprozesse ihrer erwachsenen Kinder?
Geklärt werden muss in diesem Zusammenhang:
-In welchem Ausmaß und warum sind
Berufseinsteiger prekär beschäftigt?
-
In welchem Umfang und mit
welcher Reichweite leisten Eltern private Generationentransfers an ihre Kinder
in der Phase des Berufseinstiegs?
(Stichworte: Relation
der Zahlungen zum Haushaltseinkommen, Mittelschichten- bzw. Akademikerphänomen)
-
In welcher Form leisten
Eltern diese Transfers (regelmäßige Zahlungen, größere Schenkungen,
Sachleistungen, Koresidenz)?
-
Was sind die Motive der
Berufseinsteiger für die Aufnahme bzw. den Verbleib in einer prekären
Beschäftigung? Welche Beweggründe haben die Eltern, die finanzielle Transfers
leisten? Welche Bedingungen und Verpflichtungen werden ausgehandelt?
- Auf
Basis welcher Beschäftigungssituation leisten die Eltern Transferzahlungen?
Methodik
Im Zentrum der Arbeit steht die Durchführung
einer qualitativen Interviewstudie mit ca. zehn Berufseinsteigern, die schon
mindestens einmal prekär beschäftigt waren und in diesem Zeitraum signifikante
finanzielle Transfers (regelmäßig/unregelmäßig) von ihren Eltern erhalten
haben. Darüber hinaus sollen auch die Eltern der Transfernehmer zu den
Modalitäten und Motiven ihrer Unterstützungsleistungen befragt werden. Gerahmt
wird die Studie von einer theoretischen Aufarbeitung des Forschungsfeldes –
wichtig sind hier insbesondere Annahmen der Lebenslaufforschung, der
soziologischen und ökonomischen Arbeitsmarkttheorien sowie der Familien- und Generationensoziologie
– und einer sekundäranalytischen Auswertung relevanter empirischer Studien zu
Erwerbseinstiegsprozessen und privaten Generationenbeziehungen.
Kontakt: wiebkefriedrich@gmx.net
Institut für Soziologie / Beethovenstraße 15 / 04107 Leipzig