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Dissertation     

 

Die Europäische Union im Spannungsfeld

von Integration und Abstufung

 

Die integrationspolitische Entwicklungslinie der Europäischen Union

 

Betreuung

Prof. Dr. Georg Vobruba – Institut für Soziologie – Universität Leipzig

 

Ausgangspunkt

 

Am 13. Juni 2008 gerät der europäische Integrationsprozess durch das „Nein“ der Iren zum Vertrag von Lissabon erneut ins Stocken. Im Rahmen der sich anschließenden Debatte um die integrationspolitische Zukunft der Europäischen Union wird ersichtlich, wie stark die integrationspolitischen Differenzen innerhalb der politischen Gemeinschaft Europas tatsächlich sind.

Dabei begründen die Befürworter einer abgestuften Zukunft Europas ihre Forderungen mit dem Argument, die bisherigen Erfolge der Europäischen Union seien der Tatsache zuzuschreiben, dass die EU auch in der Vergangenheit nach dem Muster der abgestuften Integration organisiert gewesen sei. Dagegen steht die historische Perspektive der Vertreter einer europäischen Einheitlichkeit, die geltend machen, die EU sei schon immer als starke Einheit vorangeschritten und solle dieser  Tradition verhaftet bleiben.

 

Forschungsfrage

 

Innerhalb der Debatte um die Zukunft der Europäischen Union gewinnt die Frage nach der Vergangenheit der europäischen Integration immer mehr an Bedeutung. Eine Klärung dieser Frage würde demnach wegweisende Impulse in dieser Debatte liefern können und steht aus diesem Anlass im Zentrum des hier vorliegenden Dissertationsprojekts. Meine Forschungsfrage lautet:

 

Welche integrationspolitische Entwicklungslinie lag dem Entstehungsprozess der Europäischen Union bisher zu Grunde?

 

Ist der europäische Integrationsprozess ein einheitliches Gemeinschaftsprojekt, in dessen Rahmen alle Mitglieder zu gleichen Teilen mitwirken und bedacht werden?

 

Oder können in der Geschichte und der Gegenwart der europäischen Integration Strukturmerkmale einer abgestuft organisierten Gemeinschaftskonstellation identifiziert werden?

 

Diese Fragestellung soll im Rahmen des nachfolgend dargestellten Forschungsdesigns beantwortet werden.

 

Forschungsdesign

 

Am Beginn meiner dreistufigen Rekonstruktion der europäischen Integrationsgeschichte steht die Entwicklung eines geeigneten integrationswissenschaftlichen Begriffsapparates. Im Zentrum der anschließenden empirischen Rekonstruktion der historischen Integrationsstruktur der Europäischen Union soll ein eigens entwickeltes Analysekonzept stehen, das jedem historischen Integrationsereignis drei relevante Kategorien zuweist: die Integrationsfigur, das Integrationsniveau und die Integrationstiefe der einzelnen Integrationsschritte der Gemeinschaft sollen so messbar und darstellbar werden. Die ganzheitliche, entwicklungstheoretische und integrationspolitische Deutung des empirisch erschlossenen Materials ermöglicht abschließend die Rekonstruktion der historischen Integrationsstruktur der Europäischen Union.

 

Ausblick

 

Im Ergebnis des hier vorgestellten Dissertationsprojektes ist mit der Rekonstruktion der integrationspolitischen Entwicklungslinie der Europäischen Union nicht nur eine begriffliche und empirische Bereicherung der Europaforschung gegeben, sondern auch die Möglichkeit einer kritischen Bewertung des Projektes eines einheitlichen Europas eröffnet. Die zunehmenden Schwierigkeiten der Gemeinschaft, ihre Zukunft auf der Grundlage einheitlicher Entscheidungsfindung aufzubauen, verweisen deutlich auf die Dringlichkeit einer solchen Bestandsaufnahme.

 

 
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