P(H)RALIPE - Brüderlichkeit
Die Suche geht weiter… In Anlehnung an die dramaturgische Zusammenarbeit der amerikanischen Schauspieler und Stückeschreiber Sam Shepard und Joe Chaikin begaben sich 14 StudentInnen der TW unter Leitung von Dr. Martina Bako im Seminar "Destination Culture" auf performative Spurensuche…
Ausgehend von der Suche nach Sam Shepard im SS 05, sind sie nun ein Jahr danach auf der Suche nach P(H)RALIPE - BRÜDERLICHKEIT.
Der Untertitel des Seminars I am in You - Ich an Dich - macht deutlich, worum es geht: um das Auffinden des verwandten Anderen im eigenen Ich und das Thema der zerstörten oder verlorenen Heimat.
Im Bild ist die Anfangssequenz der Performance zu sehen: Eine lebende Skulptur, die ein Kreuz bildet. Darauf liegt eine Christusfigur, für die westliche Welt der Inbegriff von Buße. Im Hintergrund sind zu Jimi Hendrix' Version der amerikanischen Nationalhymne Grabsteininschriften zu lesen: Tabu, Glück, Vision. Als die Musik endet erhebt sich die gesamte Skulptur, es sind Menschen mit Bettlaken bedeckt
Die Szenerie wechselt: Nach dem kreuzförmigen Spannen zweier Wäscheleinen, die die Lebenslinien symbolisieren und von lebenden Pfosten gehalten werden, tanzt eine junge Frau extrovertiert zu der Musik von Richard Wagner. Auf dem Boden sind hunderte Papierboote zusehen, die von den StudentInnen während der Proben angefertigt worden sind.
Auch sie steht wie die Christusfigur am Anfang in demütigender Pose. Im Hintergrund ist ein selbstgedrehter Film-Clip aus der texanischen Wüste zu sehen. Dem Publikum soll eines klar werden: Die Bedeutung der U.S. amerikanischen Natur, die Sam Shepard in seinen Stücken immer wieder für Kritik nutzt.
Unser heutiges Gesellschaftsbild meint ein modernes, zivilisiertes und kulturelles zu sein. Doch wie sind Begrifflichkeiten wie Tradition, Heimat, Glück oder Leid drin integrier- bzw. erklärbar, wenngleich im universellen Transfer die Grenzen perspektivisch verschwimmen, die Täter selbst zu Opfern werden, indem sie alltäglich klischeehaften Denunzierungen unterliegen?
Der Musiker, der die gesamte Performance akustisch begleitet, sitzt am Boden und kommentiert die letzten Bilder auf der Leinwand: Trucks, die am Strand entlangfahren, Toilettenschüsseln … Die Sehnsucht nach Freiheit spiegelt sich gerade in der amerikanischen Landschaft wider, die allen politischen Abhalfterungen des amerikanischen Traumes zum Trotz noch immer eine mythische Gegend ist. Natur eben, die sich nicht zwingen lässt.


























