Sterl, Fatima
Untersuchung haut- und schleimhautirritierender Eigenschaften von Testsubstanzen am isoliert perfundierten Rindereuter
Universität Leipzig, Diss., 1998
95 S., 32 Abb., 13 Tab., 254 Lit.
Ziel der vorgelegten Arbeit war es, das Modell des isoliert perfundierten Rindereuters am Institut für Pharmakologie, Pharmazie und Toxikologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig zu etablieren und zu prüfen, ob dieses In-vitro-Modell für Untersuchungen der Haut- und Schleimhautverträglichkeit von Substanzen geeignet ist.
Aufgrund der Vielzahl von Substanzen und Chemikalien auf dem Markt ist es erforderlich, Verfahren zu entwickeln, mittels derer es möglich ist, sichere Aussagen über das Irritationspotential einer Substanz auf die Haut von Mensch und Tier zu treffen. Das bis heute anerkannte Verfahren, welches Basisinformationen zur Hautverträglichkeit von Substanzen liefert, ist der modifizierte In-vivo-Test an Albinokaninchen nach DRAIZE et al. (1944). Die Ergebnisse des Draize-Testes sind nicht immer repräsentativ für die Anwendung der getesteten Substanzen am Menschen.
In der vorliegenden Arbeit wurde an der Haut und Schleimhaut von isoliert perfundierten Rindereutern das Irritationsvermögen verschiedener Testsubstanzen untersucht, um einen Vergleich mit In-vivo-Ergebnissen aus dem Draize-Test anzustellen.
Dabei wurde zunächst die Lebensfähigkeit der isoliert perfundierten Rindereuter anhand von Vitalitätskriterien (LDH-Aktivität, Laktatproduktion, Glukoseverbrauch, Perfusionsgeschwindigkeit, Euterhauttemperatur sowie MTT-Test der Haut) nachgewiesen und überprüft.
Für die ausgewählten Testsubstanzen wurde ein Primärer Irritationsindex durch Ringversuche am lebenden Albinokaninchen von dem European Chemical Industry Ecology and Toxicology Centre (ECETOC 1995) aufgestellt. Dazu zählten die Substanzen Natriumlaurylsulfat, Kaprylsäure, n-Dezylalkohol sowie Benzylbenzoat. Zusätzlich wurden PVP-Iod (in unterschiedlichen Konzentrationen sowie galenischen Formulierungen) und ein Alkylpolyglykosid im Vergleich zu Natriumlaurylsulfat über verschiedene Applikationszeiten getestet.
Als Testparameter kamen die makroskopische Beurteilung der Applikationsstellen, der MTT-Test (kalorimetrisches Verfahren zur Bestimmung der Mitochondrienaktivität in Hautzellen) sowie die PGE2-Bestimmung mittels einer ELISA-Methode zur Anwendung.
Unter dem in Institut gegebenen Bedingungen wurden die Rindereuter über einen Zeitraum von mindestens 4 Stunden vital perfundiert. Folgende Grenzwerte konnten für die Vitalität der isoliert perfundierten Rindereuter aufgestellt werden:
Die Ergebnisse zur Haut- und Schleimhautirritation zeigten, daß mäßig bis stark reizende Substanzen (Natriumlaurysulfat, Kaprylsäure und n-Dezylalkohol) Koagulationsnekrosen der Epidermis, einen signifikanten Abfall des Formazan-Umsatzes sowie einen veränderten PGE2-Spiegel in der Haut hervorriefen. Bei schwach reizenden Substanzen (Benzylbenzoat, PVP-Iod sowie Alkylpolyglykosid) war kein signifikanter Abfall des Formazan-Umsatzes an der Haut erkennbar. So könnte die Zitzenschleimhaut isoliert perfundierter Rindereuter ein aussagekräftigerer Indikator für schwach reizende Substanzen sein, da sich in der Schleimhaut tendenziell ein deutlicherer Anstieg des PGE2 -Gehalts nachweisen ließ als in der Haut.
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß ein Vergleich der In-vivo-Ergebnisse durch den Primären Irritationsindex (Draize-Test) sowie der In-vitro-Untersuchungen an der Haut und Schleimhaut isoliert perfundierter Rindereuter ergab, daß anhand von MTT-Test sowie PGE2-Bestimmung Aussagen über das Reizpotential von Substanzen getätigt werden konnten. Damit stellt das isoliert perfundierte Rindereuter eine mögliche Alternative zu Tierversuchen im Draize-Test bezüglich der Untersuchung von hautreizenden Substanzen dar. Das leicht zu präparierende Rindereuter bietet neben einer Lebensfähigkeit von bis zu acht Stunden eine große sowie wenig behaarte Applikationsfläche, die eine gleichzeitige Untersuchung mehrerer Testsubstanzen sowohl hinsichtlich des Reizpotentials auch des Penetrations-, Resorptions- und Metabolisierungsverhaltens gestattet. In Anbetracht des Verbotes von Tierversuchen für die Ermittlung der Hautverträglichkeit von Tabak-, Waschmittel- sowie Kosmetikerzeugnissen gewinnt die weitere Etablierung des isoliert perfundierten Rindereuters für toxikologische sowie pharmakologische Basisinformationen an Bedeutung.