Chancengerechte Berufungsverfahren

Chancengerechte Berufungsverfahren sind wichtig, um sicherzustellen, dass alle qualifizierten Personen unabhängig von Geschlecht, ethnischem Hintergrund, Behinderung, sexueller Orientierung oder anderen Merkmalen die gleichen Chancen haben, in akademischen Positionen erfolgreich zu sein. Diese Verfahren tragen dazu bei, eine gerechte und inklusive akademische Umgebung zu schaffen, die von Vielfalt und unterschiedlichen Perspektiven profitiert. Die Wissenschaft profitiert von vielfältigen Perspektiven, Lebensentwürfen und Erfahrungen. 

Um Ihnen chancengerechte Berufungsverfahren zu erleichtern, möchten wir auf dieser Themenseite einige Tipps und Informationen zur Verfügung stellen.

Stufen eines chancengerechten Berufungsverfahren

In allen Stufen des Berufungsverfahrens spielt Chancengerechtigkeit eine Rolle. Allerdings gibt es grundlegende Aspekte von Berufungsverfahren, in denen es sich besonders anbietet, Chancengerechtigkeit in den Fokus zu stellen. Diese können Sie in unserem Berufungsleitfaden ausführlich nachlesen.

Bereits bei der Entscheidung über die Stellenfreigabe sollten vielfältige Karrierewege bedacht werden, um das Profil der Professur nicht zu eng zu gestalten und für eine breit gefächerte Auswahl von Bewerber:innen attraktiv zu machen.

Bestenfalls sollte die Berufungskommission paritätisch und divers besetzt sein, um Effekte wie den Unconscious Bias zu vermeiden. Mindestens müssen der Berufungskommission laut § 5 Abs. 3 der Berufungsordnung der UL mindestens drei stimmberechtigte Frauen angehören. Das Rektorat achtet auf die Einhaltung dessen und lässt nur in begründeten Fällen Ausnahmen zu.

Auch der Ausschreibungstext sollte auf die Gleichstellungsziele der UL hinweisen. Zudem sollte die Ausschreibung im Sinne der Aktiven Rekrutierung auch möglichst breit gestreut werden, um möglichst viele potenzielle Bewerber:innen anzusprechen.

Auch im Auswahlverfahren gelten an der Universität Leipzig gleichstellungsbezogene Standards, die Sie im Berufungsleitfaden und in der Berufungsordnung nachlesen können.

Informieren Sie die:den Gleichstellungsbeauftragte:n Ihrer Fakultät frühzeitig über das Auswahlverfahren. Bei Bewerbungen von Menschen mit Schwerbehinderung ist außerdem die Schwerbehindertenvertretung zu informieren.

Bedenken Sie außerdem den Aspekt der Barrierefreiheit bei der Durchführung der Auswahlgespräche:

  • Achten Sie im Vorfeld der Ausschreibung auch auf digitale Barrierefreiheit
  • Fragen Sie den Unterstützungsbedarf bei den Bewerber:innen im Vorfeld ab
  • Organisieren Sie bei Bedarf barrierefreie Räumlichkeiten
  • Wenden Sie sich bei offenen Fragen bezüglich der Gewährleistung der Barrierefreiheit an die SCDF oder an die Schwerbehindertenvertretung

Es lohnt sich, über das gesamte Verfahren hinweg einige Abläufe zu formalisieren: Erstellen Sie beispielsweise einen Fragekatalog für Vorstellungsgespräche und Probevorträge und legen Sie von Beginn an einheitliche Auswahlkriterien für alle Bewerber:innen fest. Allerdings sollten Sie diese Instrumente auch kritisch prüfen und sich bewusst machen, inwiefern sie von vielfältigen Lebensbedingungen und -entwürfen beeinflusst werden können.

Denken Sie im Rahmen der Formalisierung auch Transparenz mit: Gehen Sie offen mit den Bewerber:innen um. Es ist auch möglich, eine Person aus der Auswahlkommission zu beauftragen, die die Bewerber:innen regelmäßig informiert und eine konstante Ansprechperson für alle ist.

Etablieren Sie eine gewisse Serviceorientierung und stellen Sie sicher, dass alle Mitwirkenden und Teilnehmenden an den Verfahren regelmäßig mit den wichtigsten Informationen zu Sitzungsplanungen, Eingangsbestätigungen und einem generellen Zeitplan versorgt werden.

Aktive Rekrutierung

Die aktive Rekrutierung ist eine proaktive Methode, um qualifizierte Kandidaten für offene Stellen zu gewinnen. Anstatt darauf zu warten, dass Bewerberinnen sich auf Stellenausschreibungen melden, geht die Aktive Rekrutierung einen Schritt weiter, indem aktiv nach potenziellen Talenten gesucht und diese gezielt angesprochen werden.

Aktive Rekrutierung funktioniert dann am besten im Sinne der Chancengerechtigkeit, wenn sie zuvor festgelegte Standards befolgt.
Laut der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) waren im Jahr 2021 nur 28,6% der Bewerber:innen auf Professuren Frauen, ihr Anteil an den Listenplätzen (36,3 %), Berufungen (38,4 %) und Ernennungen (37,9 %) ist allerdings signifikant höher. Daraus lässt sich schließen, dass Frauen in der Regel sehr erfolgreich am Berufungsgeschehen teilnehmen. Die aktive Rekrutierung kann ein Instrument sein, den Bewerber:innenpool zu erweitern, indem mehr Wissenschaftler:innen gezielt über verschiedene Portale, Communities, Netzwerke oder auf Veranstaltungen angesprochen werden. Hilfreich sind hierbei auch Outreach-Programme, wie beispielsweise das Mentoring-Programm der Universität Leipzig t.e.a.m. oder auch Sommerakademien und Workshops.

 

Unterstützung bei Aktiver Rekrutierung

Für die Aktive Rekrutierung von Wissenschaftler:innen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neben der gezielten Ansprache von potentiellen Bewerber:innen auf Netzwerkveranstaltungen, Sommerakademien oder Outreach-Programmen, erleichtern auch soziale Netzwerke  oder Plattformen die Recherche geeigneter Wissenschaftler:innen:

Unterstützung bei chancengerechten Berufungsverfahren

"Unterstützung bei chancengerechten Berufungsverfahren" bezieht sich auf die Hilfe, Ressourcen und Maßnahmen, die Institutionen, Organisationen und Einzelpersonen bereitstellen, um sicherzustellen, dass Berufungsverfahren für akademische Positionen gerecht, inklusiv und frei von Diskriminierung ablaufen

Der aktualisierte diversitätssensible Berufungsleitfaden und die Berufungsordnung der Universität Leipzig bieten die Grundlage für die Gestaltung chancengerechter Berufungsverfahren. Zusätzlich nimmt der:die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Leipzig am Berufungsverfahren teil und bietet eine Expertise zum Thema. Eine weitere große Unterstützung bieten Sensibilisierungs- und Anti-Bias-Workshops, die von der Stabsstelle für Chancengleichheit, Diversität und Familie auf Anfrage vermittelt werden können. Weiterführende Tipps, Links und Hinweise finden Sie hier:

Stabsstelle Berufungsangelegenheiten

StaRQ-Portal Geschlechtergerechte Berufungsverfahren

Die Verantwortung der Berufungskommission

Auswahl- und Berufungskommissionen tragen die Verantwortung für chancengerechte Auswahlverfahren. Die Zusammensetzung der Berufungskommission kann die Entscheidungsfindung beeinflussen, denn diese wird von den unterschiedlichen Perspektiven der Kommissionsmitglieder geprägt. Deshalb empfiehlt es sich, die Kommission nach Möglichkeit divers zu besetzen.

  1. Zusammensetzung der Berufungskommission: Es empfiehlt sich, Berufungskommissionen möglichst divers zu besetzen. Das bedeutet, dass verschiedene Geschlechter, ethnische Hintergründe, Generationen und Fachgebiete nach Möglichkeit angemessen repräsentiert sein sollten.

  2. Sensibilisierung und Schulung: Die Kommissionsmitglieder sollten über die Bedeutung von Chancengerechtigkeit und die Auswirkungen von unbewussten Vorurteilen informiert sein. Schulungen können helfen, stereotype Denkmuster zu erkennen und zu überwinden, um eine faire Beurteilung der Bewerberinnen und Bewerber sicherzustellen.

  3. Transparenz und Fairness: Die Berufungskommission sollte ein transparentes Verfahren für Berufungsverfahren entwickeln und sicherstellen, dass dieses fair und konsistent angewandt wird. Klare Kriterien und Bewertungsmethoden sind wichtig, um Chancengerechtigkeit zu gewährleisten.

  4. Bewerber:innen unterstützen: Die Berufungskommission kann Maßnahmen ergreifen, um potenzielle Bewerber:innen zu ermutigen, sich zu bewerben, insbesondere solche aus unterrepräsentierten Gruppen. Dies könnte die gezielte Ansprache (Aktive Rekrutierung), Informationen über Unterstützungsangebote oder flexible Bewerbungsverfahren umfassen.

  5. Berücksichtigung von Diversität: Bei der Auswahl von Kandidat:innen sollten Gremien die Diversität als Mehrwert für die akademische Gemeinschaft anerkennen und schätzen.

  6. Evaluation und Anpassung: Die Berufungskommission sollte regelmäßig ihr Verfahren und ihre Entscheidungen überprüfen, um sicherzustellen, dass sie den Prinzipien der Chancengerechtigkeit entsprechen. Falls Ungleichheiten oder Probleme festgestellt werden, sollten entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.

Die Berufungskommission verantwortet die Chancengerechtigkeit in Berufungsverfahren und kann dazu beitragen, dass diese Verfahren fair und inklusiv sind.