Wie kann ich Betroffene unterstützen? Mehr zu möglichen Maßnahmen erfahren, die Führungskräfte und Dozierende ergreifen können und wo Hilfesuchende Unterstützung finden.

Allyship – Betroffene unterstützen

„Na, Mäuschen?“ – Sexualisierte Diskriminierung kann Betroffene krankmachen und das Betriebsklima vergiften. Sollten Sie sexualisierte Diskriminierung bzw. Gewalt in Ihrem Arbeits- oder Studienumfeld beobachten, helfen Sie der betroffenen Person. Achten Sie dabei auf Ihre eigenen Grenzen und helfen Sie nur im Rahmen Ihrer Möglichkeiten. Für Betroffene ist ein Gespräch mit einer unbeteiligten Person oft ein schwerer und mutiger Schritt, weil sie in der Regel mit den Menschen im Arbeits- oder Studienumfeld noch längere Zeit weiterarbeiten muss. Wichtig: Betroffene suchen die Schuld oft bei sich. Machen Sie der Person deutlich, dass ausschließlich die diskriminierende Person für ihr Handeln verantwortlich ist.

  1. Gegenwehr fängt in vermeintlich unscheinbaren Situationen an: Lachen Sie nicht mit, wenn sexistische Sprüche oder Witze gemacht werden. Verdeutlichen Sie der Sprüche klopfenden Person, dass ihr Verhalten nicht erwünscht ist.
  2. Sprechen Sie Personen in Ihrem Arbeits-oder Studienumfeld an, wenn Sie vermuten oder miterleben, dass diese sexualisiert diskriminiert werden.
  • Nehmen Sie sich für dieses Gespräch Zeit und schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre. Teilen Sie der betroffenen Person sachlich mit, was Sie beobachtet haben, bieten Sie der Person Hilfe an.
  • Bieten Sie Ihr an, nach Beratung zu suchen bzw. Sie dahin zu begleiten, sofern es Ihnen möglich ist.
  • Wichtig: Tun Sie nichts, was die betroffene Person nicht möchte.
  • Machen Sie der betroffenen Person deutlich, dass ausschließlich die belästigende Person für ihr Fehlverhalten verantwortlich ist.

Führungskräfte

Als Führungsperson spielen Sie eine zentrale Rolle in der Prävention und Intervention bei sexualisierter Diskriminierung und Gewalt am Arbeitsplatz. Machen Sie sich bewusst, dass Sie als Vorbild fungieren und maßgeblich Einfluss auf ein respektvolles und sicheres Arbeitsklima für alle haben. Nicht zuletzt haben Sie als Vorgesetzte:r eine Führsorgepflicht und müssen betroffene Personen schützen. Bei Bekanntwerden von sexualisierter Diskriminierung und Gewalt am Arbeitsplatz muss sofort und konsequent gehandelt werden. Die Handlungsverpflichtung leitet sich aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), dem sächsischen Frauenförderungsgesetz (SächsFFG) und der Dienstvereinbarung Konfliktlösung am Arbeitsplatz ab.

Diese Handlungsempfehlungen sollen Ihnen helfen, ein sicheres Arbeitsumfeld für die Mitarbeitenden zu schaffen:

  • Positionieren Sie sich klar gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt am Arbeitsplatz bspw. weisen Sie in Meetings auf die universitären Unterstützungsangebote bei Diskriminierung oder Gewalt hin.
  • Verdeutlichen Sie Ihre Haltung durch einen starken Führungsstil der Null-Toleranz-Politik gegenüber Gewalt.
  • Fördern Sie eine offene Gesprächskultur im Team, damit Probleme am Arbeitsplatz aufgegriffen, thematisiert und gelöst werden können.
  • Setzen Sie den Fokus auf gemeinsame Ziele und Interessen, um ein Klima der Solidarität im Team zu schaffen.
  • Nutzen Sie themenspezifische Weiterbildungsangebote.
  • Standardisieren Sie gemeinsam mit entsprechenden Einrichtungen und Beratungsstellen das Vorgehen bei Beschwerden über sexualisierte Diskriminierung und Gewalt. Verteilen Sie Informationsmaterial oder hängen dieses aus.
  • Handeln Sie schnell und konsequent bei Beschwerden und leiten Sie diese an die Beschwerdestelle nach Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz weiter.
  • Druck, unklare Rollen und Arbeitsprozesse begünstigen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt am Arbeitsplatz. Überprüfen und optimieren Sie kontinuierlich die Arbeitsorganisation Ihres Teams.

Ein wertschätzendes und respektvolles Arbeitsklima hat Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und Produktivität der Mitarbeiter:innen. Setzen Sie sich aktiv für einen wertschätzenden Umgang miteinander ein, der von gegenseitigem Respekt und Grenzwahrung gekennzeichnet ist. Greifen Sie ein. Übernehmen Sie Verantwortung.

Dozierende

Um schwierige Themen wie sexualisierte Diskriminierung und Gewalt in der Lehre zu diskutieren und zu erforschen, können vorab Inhaltshinweise (auch als Trigger-Warnung bezeichnet) gegeben werden, um sich selbst und Studierende vor emotionalen Verletzungen zu schützen. Personen, die ggf. selbst sexualisierte Diskriminierung oder Gewalt erlebt haben, werden so nicht von potentiell schmerzhaften Situationen überwältigt und können vorbereitet in die Lernsituation gehen. Die Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschulen und Universitätsklinika des Landes Nordrhein-Westfalen hat eine Handreichung mit praktischen Tipps herausgegeben, wie und in welchen Situationen Inhaltshinweise sinnvoll eingesetzt werden sollten, um Traumata unter Studierenden präventiv zu vermeiden. Inhaltshinweise führen nicht zur Zensur, sondern können sogar dabei helfen, eine Selbstzensur bei schwierigen Themen zu verhindern. Ein Inhaltshinweis kann bspw. wie folgt aussehen:

Kontinuierlicher Hinweis im Modulkatalog: Diese Seminarreihe setzt sich an verschiedenen Stellen mit sexualisierter Gewalt sowie Trans*- und Queerfeindlichkeit auseinander. Für weitere Informationen kontaktieren Sie: N.N.

Wege zur Selbsthilfe

Verweigern Sie die Opferrolle. Versuchen Sie nicht aus der Situation zu flüchten und diese zu überspielen, da dies vom Gegenüber als Erfolg gewertet und zu weiteren Konfrontationen führen kann. Wehren Sie sich, sofern es Ihnen möglich ist, gegen sexualisierte Diskriminierung bzw. Gewalt im Arbeits- oder Studienumfeld. Mut schafft Respekt – Diskriminierende Personen sind meist schon vorher negativ aufgefallen, ohne dass jemand entgegengetreten ist. Treten Sie der Person deutlich, ruhig und souverän entgegen. Sprechen Sie langsam und so laut, dass auch das Umfeld es mitbekommt.

Eine ruhige und entschlossene Zurückweisung aufdringlichen Verhaltens kann Ihnen Respekt einbringen. Machen Sie der betreffenden Person deutlich, dass Sie sich in sexualisierter Weise diskriminiert fühlen und kündigen Sie Konsequenzen an. Führen Sie ein Gedächtnisprotokoll, um die Übergriffe zu dokumentieren. Versuchen Sie eine Person Ihres Vertrauens zu finden, um die weiteren Schritte zu planen.

Wichtig: Suchen Sie die Schuld nicht bei sich. Ausschließlich die diskriminierende Person ist für ihr Handeln verantwortlich. Eine deutliche Gegensprache oder Beschwerde schadet dem eigenen Ruf oder der eigenen Karriere nicht. Diskriminierende Personen sind meist schon vorher negativ aufgefallen, ohne dass jemand entgegengetreten ist. Darum nehmen Sie Ihre Gefühle ernst und reagieren Sie entschieden. In jedem Fall können Sie sich zu weiteren Handlungsoptionen vertraulich an eine Erst-bzw. Verweisberatungsstelle wenden:

  • Zentraler Gleichstellungsbeauftragter
  • Dezentrale Gleichstellungsbeauftragte der Fakultäten und Zentralen Einrichtung
  • Personalrat
  • Student_innenRat
  • Zentrale Studienberatung
  • Jugend-und Auszubildendenvertretung
#EsGehtUnsAn Anlaufstellen bei sexualisierter Diskriminierung und Gewalt
#EsGehtUnsAn | Anlaufstellen bei sexualisierter Diskriminierung und Gewalt

#EsGehtUnsAn | Anlaufstellen bei sexualisierter Diskriminierung und Gewalt

Förmliche Beschwerde

Beschäftigte können sich bei sexualisierter Diskriminierung bzw. Gewalt an die Beschwerdestelle nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz wenden. Beschwerden nimmt auch der Zentrale Gleichstellungsbeauftragte entgegen. Er berät und unterstützt Sie bei der Bewältigung der Folgen der Diskriminierung und bei der Wahrnehmung Ihrer Rechte. Sie können sich bei jedem Schritt von einer, auch außeruniversitären, Person Ihres Vertrauens begleiten lassen.

  • Beschwerdestelle nach Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz (AGG) Martin Wißmiller, Goethestraße 6, Raum 516, 04109 Leipzig Telefon: 0341 97-33002 E-Mail schreiben
  • Gleichstellungsbeauftragter Georg Teichert, Nikolaistraße 6-10, Raum 3.55, 04109 Leipzig Telefon: 0341 97-30090 E-Mail schreiben

Welche Folgen können eintreten?

Die Dienststellenleitung ist verpflichtet, die zur Überprüfung der Beschwerde erforderlichen Ermittlungen zu veranlassen und bei festgestellter sexualisierter Diskriminierung die im Einzelfall angemessenen disziplinarrechtlichen oder arbeitsrechtlichen Maßnahmen zu ergreifen. Darüber hinaus können die diskriminierende Person Sanktionen treffen, wie Abmahnung, Kündigung, Hausverbot oder ein Disziplinarverfahren.

Weitere Hilfsangebote

Die folgenden Berater:innen informieren Sie kostenlos über Ihre Rechte und Ansprüche und vermitteln Sie bei Bedarf auch an weitere geeignete Beratungsstellen:

 

Fotokampagne

Jetzt mitmachen! Werden Sie Teil unserer hochschulweiten Fotokampagne, um gemeinsam ein Zeichen gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt zu setzen. Drucken Sie dazu das Logo im Format A4 oder A3 aus. Halten Sie es allein oder gemeinsam hoch, lassen Sie ein Foto machen und schicken Sie dieses inkl. Einverständniserklärung(en) zur Veröffentlichung per E-Mail. Die Fotos werden in einer Galerie im Themenportal zu sexualisierter Diskriminierung und Gewalt im Internet veröffentlicht. Machen Sie mit, denn gemeinsam erreichen wir mehr! 

  • Der Zugriff auf die Einverständniserklärung funktioniert nur, wenn Sie sich im Intranet der Universität Leipzig befinden.


LOGOS FOTOKAMPAGNE

EINVERSTÄNDNISERKLÄRUNG (DEUTSCH)

EINVERSTÄNDNISERKLÄRUNG (ENGLISCH)

Georg Teichert, Zentraler Gleichstellungsbeauftragter und Frauenbeauftragter der Universität Leipzig bezieht in der Fotoaktion klar Position.
17.–20. Mai 2021 Themenwoche gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt
17.–20. Mai 2021 Themenwoche gegen sexualisierte Diskriminierung und Gewalt