Das interdisziplinäre Projekt „Digital Rosetta Stone“ hat es sich zum Ziel gesetzt, den Stein von Rosette in einer digitalen Präsentation im Internet zugänglich zu machen. Dabei sollen die beteiligten Studierenden neue Methoden der digitalen Geisteswissenschaften anwenden, übersetzen und Sprachvergleiche anstellen.

Video: Digital Rosetta Stone Project

Video: Digital Rosetta Stone Project

Aufzeichnung des Streams zur Besprechung des Projekts

Auf einen Blick: GKR_Rosetta Stone

  • Projektleitung: Dr. Monica Berti; Dr. Franziska Naether 
  • Fachrichtung: Institut für Informatik (Ägyptologisches Institut)
  • Förderung: Lehr-Lern-Projekt der LaborUniversität (StiL)
  • Förderzeitraum: 2017/18
  • Projektumfang: Modulebene
  • Schlagwörter: Sprachvergleich (Alignment), Übersetzung, Edition, Treebanking, digitale Philologie

Der Stein von Rosette

Der „Stein von Rosette“ ist eines der berühmtesten Artefakte der Antike. Er ist das Besucherhighlight im British Museum in London. Anhand dieses dreisprachigen Objekts entzifferte Jean-François Champollion im Jahr 1822 die Hieroglyphen. In der Lehre spielt der Inhalt der Inschrift eine untergeordnete Rolle. Es handelt sich um ein Dekret mit Beschlüssen, die eine Synode von Priestern mit dem Pharao getroffen hatte. Diese umfassen Bestimmungen zur Religionspraxis wie Aufstellung von Weihestatuen, Tempelbau oder Einführung von neuen Kulten. Daneben werden Informationen zur politischen Geschichte geliefert. Solche Dekrete sollten in allen Tempeln Ägyptens aufgestellt werden. Es ist von Interesse, die Kommunikation der Entscheidungen von politischen und religiösen Kräften an die Bevölkerung mit Studierenden nachzuvollziehen.  

Für den griechischen Part greifen wir auf Vorarbeiten zurück: er ist Teil der Fragmenta Historicorum Graecorum von Karl Müller (Bd. 1, 1841). Dieses Corpus wurde im Rahmen der Leipzig Open Fragmentary Texts Series (LOFTS) digitalisiert. Für die beiden ägyptischen Partien gibt es nur Umschriften. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, die neue Technologie des Alignments anzuwenden: Dafür werden die drei antiken Versionen und verfügbare Übersetzungen Wort für Wort miteinander verknüpft. Dies geschieht zusätzlich auf fotografischer Ebene – in Kooperation mit dem British Museum – mit der Software „Alpheios“. Man kann per Mausklick auf das Objekt den antiken Text und die Übersetzung sehen. Dazu werden die antiken Texte nach den aktuellen Standards der sprachlichen Kodierung zusammen mit Projektpartnern an der Humboldt Universität Berlin eingegeben. Außerdem wurde die griechische Variante bereits morphosyntaktisch mithilfe des „Arethusa Treebanking Editors“ erstellt: Was fehlt, ist die komplette Eingabe des Texts in Alpheios sowie das Treebanking für das Demotische und das Hieroglyphische. 

Der Hauptteil dieses Projekts ist es, den Text sprachlich und inhaltlich nachzuvollziehen. Selten sind Studierende in der Lage, alle drei Sprachen im Original lesen zu können. In den Lehrveranstaltungen wollen wir daher auf bestehende digitale Ressourcen zurückgreifen, um im Dialog neue Tools zu entwickeln. 

Kurz zusammengefasst erwarben die Studierenden Kompetenzen in den antiken Sprachen (Vokabular, Syntax, Morphologie), bei der Anwendung neuer Werkzeuge der Digital Humanities und lernten die materielle Kultur und Kommunikation in Religion und Politik kennen. Dies erfolgt in einem interdisziplinär angelegten Projekt mit verschiedenen Kooperationspartnern. 

Das Endprodukt ist eine umfassende digitale Edition, wie es sie noch nicht für ein mehrsprachiges antikes Dokument gibt. Die Studierenden werden mit der Quelle und den digitalen Techniken vertraut gemacht. 

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