Die beiden hier beschriebenen Lehr-Lernprojekte im Curriculum der Lehramtsstudiengänge zielen auf drei Kernbereiche innovativer Lehr-Lernformen ab: kooperatives Lernen, kognitive Aktivierung durch die Arbeit mit Lerntagebüchern und verstärkten Theorie-Praxis-Transfer. Im Folgenden finden Sie einen Kurzabriss der Projektideen und Vorgehensweise, sowie weiterführende Dokumente und Kontaktdaten.

Farbfotografie aus dem hinteren Bereich eines Klassenzimmers mit Kindern und einer Lehrerin, die an einer Tafel steht.
Eine Lehr-Lern-Situation, Foto: Colourbox

Auf einen Blick

  • Projektleitung: Prof. Dr. Henrik Saalbach, Dr. Anika Bürgermeister
  • Fachrichtung: Bildungswissenschaften
  • Förderung: Lehr-Lern-Projekt der LaborUniversität (StiL) und Lehrpraxis im Transfer plus
  • Förderzeitraum: 2016-18
  • Projektumfang: Modulebene, LiT-Förderung 2016 gemeinsam mit den Standorten Pädagogische Psychologie und Evangelische Theologie an der TU Dresden
  • Schlagwörter: Kooperatives Lernen, Lernportfolio, Peer-Feedback, kognitive Aktivierung, Pädagogische Psychologie, Lehramtsstudium

Kooperation, kognitive Aktivierung und Peer-Feedbacks im Lehramtsstudium – So kann es gehe

Das Projekt “Kooperatives Lernen im Rahmen eines kognitiv aktivierenden Seminarkonzeptes” orientiert sich an den Standards für Lehrerbildung der KMK (2014) und den Kriterien guter Lehre innerhalb des Rahmencurriculums “Psychologie in den Lehramtsstudiengängen” der DGPs (2008). Es zielt dabei auf drei Kernbereiche innovativer Lehr-Lernformen ab: kooperatives Lernen, kognitive Aktivierung durch Lernen mit Lerntagebüchern und verstärkten Theorie-Praxis-Transfer. 

Die Zielgruppe des Projekts sind Lehramtsstudierende verschiedener Schulformen im 3. und 4. Fachsemester, die an zwei Pflichtmodulen der Pädagogischen Psychologie teilnehmen. 

Es bestehen folgende Herausforderungen in der universitären Lehre, denen mit dem hier beschriebenen Lehr-Lern-Projekt begegnet werden soll: 

  1. Hohe Studierendenzahlen in der universitären Lehramtsausbildung bringen die Gefahr von Anonymität und geringer sozialer Eingebundenheit mit sich, was in Folge zu verminderter Lernmotivation und Leistungsentwicklung bei den Studierenden führen kann. Darüber hinaus stellt die Zusammenarbeit der Lernenden untereinander im Rahmen des Studiums ein noch zu seltenes Element dar, ist aber im späteren Beruf als Lehrkraft von großer Bedeutung –sowohl für die Qualität des Unterrichts, als auch für die psychische Gesundheit der Lehrpersonen (Rothland, 2007). 

  2. Seminarkonzepte basieren häufig auf einem rezeptiven Lernverständnis, in denen Studierenden Theorien und Konzepte auf die Lehrperson zentriert vermittelt werden und ihr erworbenes Wissen summativ durch eine Klausur am Ende des Semesters abgeprüft wird. Dies bringt eine fehlende vertiefte inhaltliche Auseinandersetzung mit Seminarinhalten mit sich und kann nur in begrenztem Maße nachhaltiges Lernen fördern (Schaper, 2012). 

  3. Dem häufig diskutierten fehlenden Theorie-Praxis-Bezug bzw. der großen Kluft zwischen Wissen und Handeln wird mit einem speziellen Workshopkonzept begegnet. Hierbei wird den Studierenden die Möglichkeit gegeben, Praxiserfahrung zu sammeln indem sie theoretische Modelle praktisch umsetzen und ihren Kommilitonen vermitteln. 

Die Projektidee liegt darin, den bestehenden Herausforderungen universitärer Lehre mit einem Seminarkonzept zu begegnen, das durch eine Didaktik gekennzeichnet ist, die auf ein tiefes Verständnis der Seminarinhalte, kognitive Aktivierung und aktive Einbindung der Lernenden abzielt. 

Den ersten Schwerpunkt bildet das kooperative Lernen, welches durch eine Vielzahl von Maßnahmen gefördert und auf verschiedenen Ebenen implementiert wird. Zentral ist hierbei die Arbeit in Lernteams, die darauf abzielt, dass Lernende in wechselseitigem Austausch Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben. Kooperative Lernformen bieten dabei eine Struktur, die es heterogenen Lerngruppen ermöglicht, individuelle aber vor allem gemeinsame Ziele zu erreichen. 

Zweiter Schwerpunkt des Seminarkonzeptes ist die Methode des Lerntagebuchs. Die Studierenden haben die Aufgabe, sich eigenverantwortlich und selbstgesteuert mit Fachtexten auseinanderzusetzen, die erarbeiteten Informationen mit Vorwissen zu verknüpfen und Implikationen für die Praxis zu ziehen. Dabei reflektieren sie den persönlichen Lernprozess und Kompetenzgewinn und erreichen eine tiefe Verarbeitung von Lerninhalten. Ziel ist es dabei, den Erwerb flexiblen Wissens zu fördern und die Entwicklung von Handlungskompetenzen zu unterstützen. Die fortlaufende Kontrolle des Lernfortschritts wirkt der Bildung von Fehlvorstellungen entgegen. 

Dritte Säule des Projektes ist ein Workshopkonzept, welches auf den Theorie-Praxis-Transfer abzielt. In Lernteams erfolgt eine kollegiale Auseinandersetzung mit Fachliteratur mit dem Ziel, einen Teil einer Seminareinheit selbstgesteuert zu planen, die Seminargruppe durch den Einsatz vielfältiger Methoden zu aktivieren und durch Transferübungen den Erwerb von Handlungswissen zu ermöglichen. Unter Berücksichtigung der Rückmeldung der Seminarleitung und der Teilnehmenden erfolgt anschließend eine Workshopreflexion. Diese zielt auf die Ableitung von Entwicklungszielen der eigenen Lehrkompetenz ab und bietet großes Lernpotenzial in der Lehramtsausbildung. 

Sowohl die Bewertung der Lerntagebücher als auch die der Workshopplanung und -reflexion erfolgt durch transparente Kriterien und lässt sich somit kompetenzorientierten Prüfungsformen zuordnen. Ein Forschungsbezug ist gegeben, indem eine wissenschaftliche Begleitung des Projektes u.a. die Bedingungen untersucht, unter denen sich kooperative Lernformen am besten implementieren lassen. Diese Evaluationsergebnisse sind für die Initiierung von Optimierungsprozessen des Seminarkonzeptes unabdingbar.

m Zentrum formativer Beurteilung stehen der Lernprozess (im Gegensatz zum Lernprodukt bei summativer Beurteilung) und die Lernentwicklung von Lernenden mit dem Ziel, Informationen über die Diskrepanz zwischen dem aktuell erreichten Lernstand und den bestehenden Lernzielen zu gewinnen, diese zu interpretieren und zu nutzen. Die lernförderlichen Wirkungen dieser Ansätze werden auf eine intensivere Auseinandersetzung und somit einem vertieften Verständnis von zugrundliegenden Lernzielen und Beurteilungskriterien zurückgeführt. 

Die Relevanz formativen Assessments wird zunehmend auch für die Hochschulbildung herausgestellt– insbesondere, um die Fähigkeit selbstregulativen Lernens bei Studierenden zu fördern (Schneider & Mustafic, 2015). Hier möchte das Projekt “FormAL” anknüpfen und diesen Ansatz in den Hochschulkontext implementieren. Das Projekt stellt dabei eine Weiterentwicklung des Projektes „Kooperatives Lernen im Rahmen eines kognitiv aktivierenden Seminarkonzeptes“ dar (Prof. Dr. Saalbach; Dr. Bürgermeister, Dr. Robert Wilkens). 

Kern des Seminarkonzeptes ist ein Portfolioansatz, bei dem die Prüfungsleistung der Studierenden aus der Gestaltung und Durchführung eines praxisorientierten Workshops sowie aus der semesterbegleitenden Abgabe von Lerntagebucheinträgen besteht. 

Die Studierenden äußerten in diesem Zusammenhang immer wieder den Wunsch, eine zwischenzeitliche Rückmeldung zu ihren Lerntagebüchern zu erhalten. Aus diesem Grund wurden Ideen entwickelt, wie das Peer-Feedback in die Module implementiert werden könnte.  

Ziel war es, in der ersten Hälfte der Projektlaufzeit ein Online-Tool in Kooperation mit der Universität Freiburg (Dr. Inga Glogger-Frey) zu entwickeln und zu pilotieren, das die Studierenden beim Schreiben der Lerntagebücher unterstützen kann. Um das Element des Peer-Feedbacks curricular zu verankern, wurde außerdem die Ordnung zu den Prüfungsleistungen überarbeitet, so dass das Schreiben von 3 Peer-Feedbacks im Laufe eines Semesters eine verpflichtende Prüfungsleistung für die Studierenden darstellt. 

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