Pressemitteilung 2019/006 vom

Die Universität Leipzig informiert über die klassischen Pressemitteilungen hinaus in Form von Kurznachrichten über aktuelle Themen. Heute mit Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins vom Institut für Anorganische Chemie der Universität Leipzig, die als Mitglied in die Europäische Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde, biologischen Forschungsergebnissen zur Kampfbereitschaft von Feldgrillen von Tier- und Verhaltensphysiologen der Universität Leipzig und einem Pilotprojekt im Rahmen des Nachwuchsförderprogramms der Medizinischen Fakultät, das Unterstützungsangebote für junge Erwachsene mit Krebs entwickelt.

Wurde erst kürzlich mit der Leipziger Universitätsmedaille geehrt: Pro. Dr. Evamarie Hey-Hawkins

Wurde erst kürzlich mit der Leipziger Universitätsmedaille geehrt: Pro. Dr. Evamarie Hey-Hawkins, Foto: Swen Reichhold / Universität Leipzig

Evamarie Hey-Hawkins als erste Leipziger Universitätsprofessorin in die Europäische Akademie der Wissenschaften aufgenommen

In Anerkennung ihrer internationalen wissenschaftlichen Leistungen wurde Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins, Professorin am Institut für Anorganische Chemie der Universität Leipzig, im Dezember 2018 als Mitglied in die Europäische Akademie der Wissenschaften (European Academy of Sciences, EurASc) aufgenommen. Hey-Hawkins, die zum Dies academicus im vergangenen Jahr mit der Universitätsmedaille der Universität Leipzig und im Mai 2017 mit dem Verdienstorden des Freistaats Sachsen ausgezeichnet wurde, freut sich sehr über diese internationale Würdigung. „Als erste Leipziger Universitätsprofesssorin in die renommierte Europäische Akademie der Wissenschaften aufgenommen zu werden, ist für mich eine ganz besondere Ehre. Ich freue mich auf die bevorstehenden wissenschaftlichen Aufgaben auf europäischer Ebene - Herausforderungen gibt es genug“, sagt die 61-Jährige.

Die Europäische Akademie der Wissenschaften (EurASc) wurde am 17. Dezember 2003 gegründet. Sie hat ihren Sitz in Brüssel und etwa 600 Mitglieder, darunter 65 Nobelpreisträger und Fields-Medaillengewinner aus 45 Ländern. EurASc ist eine unabhängige internationale Vereinigung angesehener Wissenschaftler, deren Ziel es ist, die besten europäischen Wissenschaftler mit einer Vision für ein vereinigtes, nationale Grenzen überschreitendes Europa auszuwählen.

Kontakt: Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins (Institut für Anorganische Chemie), +49 341 97-36170; hey@uni-leipzig.de

 

 

Kämpfen oder fliehen? - Wie Grillen ihre Wahl treffen

Wenn der Wettbewerb hoch ist, kann für bestimmte Lebewesen ihr Fortbestehen davon abhängen, ob sie die richtige Wahl zwischen Kampf oder Flucht treffen. Wie Feldgrillen diese Entscheidung treffen, haben Wissenschaftler vom Institut für Biologie der Universität Leipzig herausgefunden. Die Insekten werden von chemischen Stoffen beeinflusst, die potenzielle Vor- und Nachteile des Kampfes signalisieren, um ihre Fluchtneigung zu senken oder zu erhöhen. Die Leipziger Forscher haben diese Substanzen und sensorische Informationen von kämpfenden Feldgrillen gezielt manipuliert, um den Gründen ihres Verhaltens auf die Spur zu kommen.

Der Tier- und Verhaltensphysiologe Prof. Dr. Paul Stevenson, der die Studie mit seinem Mitarbeiter Dr. Jan Rillich durchgeführt hat, erläutert, warum sich Feldgrillen besonders gut für ihre Untersuchungen geeignet haben: „Ihre Kämpfe sind spektakulär und leicht quantifizierbar, aber vor allem treffen ihre weniger komplexen Gehirne instinktiv Entscheidungen, das heißt ohne bewusste Begründung, was sie leichter nachvollziehbar macht.“ Die Wissenschaftler stellten zunächst fest, dass positive Erfahrungen, wie der Besitz einer wertvollen Ressource, die chemische Substanz Octopamin (das Äquivalent zu Noradrenalin bei Insekten) im Gehirn der Tiere bilden. Diese Substanz erhöht tendenziell die Kampfbereitschaft. Weiterhin fanden sie heraus, dass Grillen während eines Kampfes die sensorischen Wirkungen der Aktionen ihres Gegners – wie Bedrohungen oder Bisse – addieren. Schließlich fliehen sie, wenn die kritische Schwelle erreicht ist, weil Stickoxid freigesetzt wird, das im Gehirn den Befehl dazu gibt. Zudem befördert Stickoxid die Bildung des Botenstoffs Serotonin, der dazu führt, dass sich Verlierer nach dem Kampf einige Zeit unterwürfig verhalten.

„Interessanterweise beeinflussen dieselben Arten von chemischen Stoffen auch die Aggressionen bei Säugetieren, einschließlich des Menschen, aber ihre natürliche Rolle bei der Kontrolle der Entscheidung, zu kämpfen oder zu fliehen, ist noch unklar“, sagt Stevenson. Sein Forscherteam untersucht derzeit die Auswirkungen wiederholter Niederlagen, die bei Menschen, Mäusen und anscheinend auch Grillen depressive Symptome auslösen.

Kontakt: Prof. Dr. Paul A. Stevenson, +49 341 97-36879, stevenson@rz.uni-leipzig.de, Informationen zu früheren Studien

 

 

Peer2Me: Mentoren für junge Erwachsene mit Krebs gesucht
Soziale Unterstützung ist während einer Krebserkrankung im jungen Erwachsenenalter von zentraler Bedeutung. Das haben Studien der Leipziger Forschungsgruppe „Junge Erwachsene mit Krebs“ gezeigt. Betroffene wünschen sich besonders den Austausch mit anderen jungen Patienten, die die Erkrankung bereits überstanden haben. Denn oftmals möchten sie nicht die eigene Familie belasten. Ein Pilotprojekt im Rahmen des Nachwuchsförderprogramms der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig soll nun diesem Unterstützungsbedarf nachkommen. In einer Peer-Support Intervention werden junge ehemalige Krebspatienten als Mentoren geschult und stehen anschließend dem jungen Patienten mit einer aktuellen Krebsdiagnose begleitend und beratend zur Seite. Ziel des Forschungsprojektes ist es, Unterstützungsangebote für junge Erwachsene mit Krebs in Form eines peer-gestützten Mentorenprogramms zu entwickeln und umzusetzen. Die Studie analysiert zugleich, wie diese Angebote angenommen und erlebt werden. Weiterhin interessiert die Forscher, wie sich das psychische Befinden, die soziale Unterstützung und die Krankheitsbewältigung verändert.

Für diese Studie können sich Interessierte melden, die zwischen 18 und 39 Jahre alt sind, in der Vergangenheit eine Krebserkrankung hatten und einen aktuell erkrankten Menschen als Mentor unterstützen möchten.

Kontakt: Dr. Diana Richter, +49 341 97-15426, aya-projekt@medizin.uni-leipzig.de

 

Katrin Henneberg

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