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Die Universität Leipzig hat ihren 616. Geburtstag mit einem vielfältigen Veranstaltungsreigen und zahlreichen Gästen gefeiert. Der Dies academicus am 2. Dezember 2025 bot Studierenden, Mitarbeitenden und der interessierten Öffentlichkeit Ein- und Ausblicke, Führungen hinter den Kulissen und Diskussionsrunden, Gelegenheiten für regen Austausch und das Stärken von Beziehungen. Am Nachmittag wurden Professor:innen in den Ruhestand verabschiedet, und beim mittlerweile traditionellen Adventsliedersingen kam vorweihnachtliche Stimmung auf. Höhepunkt war am Abend der Jahresempfang der Universität, in dessen Rahmen Rektorin Prof. Dr. Eva Inés Obergfell und Oberbürgermeister Burkhard Jung die neue Kooperationsvereinbarung zwischen Universität und Stadt Leipzig unterzeichneten.

Über den Tag hinweg reichten die Programmangebote vom „KI Stammtisch mit Kaffee“ über eine Diskussionsrunde zu Arbeitszeitmodellen und einem Workshop zur Komplexität des Klimawandels bis hin zu Minisprachkursen und Führungen durch Ausstellungen, Sammlungen und Werkstätten. Die Bibliotheca Albertina lud gleich zu mehreren Veranstaltungen ein. „Für uns war der Dies academicus ein voller Erfolg“, berichtet Caroline Bergter, an der Universitätsbibliothek für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. „Wir freuen uns besonders, dass wir Universitätsangehörige aus verschiedenen Statusgruppen und Bereichen erreichen und mit unserem Programm ansprechen konnten.“ Besonders heiß begehrt seien die Führung durch sonst verborgene Albertina-Bereiche und die Einblicke in die Werkstätten gewesen.

Verabschiedung von Professor:innen

Am frühen Nachmittag fand im Alten Senatssaal die Verabschiedung der in den Ruhestand getretenen Professor:innen statt. Rektorin Obergfell dankte Professor Jürgen Haase (Physik), Professor Thomas Hofsäss (Erziehungswissenschaften), Professor Diethelm Klesczewski (Jura), Professor Erhard Rahm, (Informatik) und Professor Hubertus Wirtz (Medizin) für ihre Leistungen in Forschung, Lehre und akademischer Selbstverwaltung. So war Jürgen Haase elf Jahre lang als Dekan tätig, Professor Hofsäss acht Jahre lang als Prorektor.  „Sie haben sichtbare Spuren in der akademischen Gemeinschaft und der Universität hinterlassen. Ihr Einfluss wird weit über Ihre aktive Zeit hinausreichen: Ihre Arbeit lebt in den Studiengängen, den Forschungsprojekten und in den Herzen Ihrer Studierenden und Kolleginnen und Kollegen fort“, sagte Eva Obergfell. „Ich möchte Sie ermutigen, Ihre Verbindung zu unserer Universität aufrechtzuerhalten und zu vertiefen.“

GEMEINSAMES Singen plus Weihnachtsgeschichte der anderen Art

Im voll besetzten Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli fand am späteren Nachmittag das Advents- und Weihnachtsliedersingen statt. Studierende und Mitarbeitende stimmten gemeinsam die Lieder an und ließen sich Heißgetränke schmecken. Universitätsmusikdirektor David Timm begleitete sie auf dem Klavier und an der Orgel. Universitätsprediger Prof. Dr. Dr. Andreas Schüle erzählte zwischendurch mit viel Humor die Weihnachtsgeschichte aus der Perspektive von Ochs und Esel. 

Musik gab es natürlich auch beim Jahresempfang am Abend, ebenfalls im Paulinum, dargeboten vom Universitätschor und von der Uni-Bigband. Der Chor feiert übrigens im kommenden Jahr sein 100-jähriges Bestehen mit einem vielversprechenden Programm.

Neben dem Oberbürgermeister konnte Rektorin Obergfell weitere Gäste aus der Politik, zudem aus Wissenschaft, Wirtschaft, Justiz, Medien und Gesellschaft begrüßen, darunter Prof. Dr. Claudia Becker, Rektorin der Unibund-Partnerin Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zudem waren viele Dekann:innen und weitere Führungskräfte der Universität zugegen, natürlich auch die Geschäftsführung des Student:innenRates. 

Jahresrückblick in (bewegten) Bildern

 „Wir sind geehrt, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind – denn ohne Sie ist die Entwicklung der Universität Leipzig nicht möglich, ist unser Anspruch an Exzellenz in Forschung und Lehre, internationale Vernetzung und regionale Wirksamkeit nicht realisierbar“, sagte die Rektorin. Zuvor hatten die Gäste durch eine unterhaltsam gestaltete Zusammenstellung von Fotos und Videos einen Eindruck von den Höhepunkten des Jahres bekommen, inklusive eines Hinweises auf das neue Jahresmagazin der Universität, das druckfrisch zum Mitnehmen bereitlag. Die Rubrik „Im Fokus“ ist dabei dem neuen Exzellenzcluster Leipzig Center of Metabolism (LeiCeM) gewidmet – „ein Triumph des Zusammenwirkens verschiedener Disziplinen innerhalb unserer Universität und mit starken Partnern außerhalb“, wie die Rektorin in ihrer Begrüßungsrede sagte. 

Kooperationsvereinbarung von Stadt und Universität unterzeichnet

Das Stichwort Zusammenwirken sollte von verschiedenen Seiten noch mehrfach genannt werden. Nicht ohne Grund: „Verbindendes Thema dieses Abends ist das Miteinander“, konstatierte die Rektorin. Gemeint war damit natürlich die Möglichkeit, sich bei Snacks und Getränken auszutauschen und Netzwerke zu vertiefen, was die Gäste im Anschluss ans Programm ausgiebig taten. 

Gemeint war aber nicht zuletzt auch der Hauptpunkt des Programms: die Unterzeichnung der neuen Kooperationsvereinbarung von Stadt und Universität. Sie gilt bis 2031 und knüpft an die seit 2012 bestehenden Vereinbarungen an. „Wir leben in Leipzig von klugen Köpfen, und wir sind gut beraten, immer wieder zu bedenken, was die Universität uns wissenschaftlich geben kann“, sagte der Oberbürgermeister in seinem kurzen Impulsvortrag. „Wenn wir uns zusammentun, können wir viel bewirken.“ Rektorin Obergfell betonte, dass in der Vereinbarung strategische Handlungsfelder definiert worden seien, „um Universitäts- und Stadtentwicklung gemeinsam voranzubringen“.

Preise der Universitätsgesellschaft verliehen

Beim Jahresempfang wurden zudem drei Preise der Universitätsgesellschaft verliehen, dotiert mit insgesamt 12.500 Euro. Das übernahmen Vorstandmitglied Mandy Baum (Leitung Stiftungen der VNG) und der Geschäftsführende Vorstand Dr. Robert Benjamin Biskop. Der Preis für besonderes Engagement im Studium ging an Constantin Meyer zu Allendorf. Der Jura-Student (9. Fachsemester) habe „durch beharrliches Wirken auf verschiedenen Ebenen zur grundlegenden Modernisierung von Strukturen der studentischen Vertretung“ beigetragen, sagte Biskop in der Laudatio. „Sein Engagement zeichnete sich dadurch aus, dass er stets über die unmittelbaren Interessen der Studierendenschaft hinaus die Fakultät als Ganzes im Blick behielt. Als Initiator des ‚Bundes Mitteldeutscher Fachschaftsräte‘ schuf er eine Allianz mit den Universitäten Jena und Halle, um Reformen wie den Bachelor of Law mit überregionalem Nachdruck voranzutreiben.“ Des Weiteren sei es Meyer zu Allendorf gelungen, die oft beklagte „Jurablase“ zugunsten eines breiteren gesellschaftlichen Diskurses zu öffnen. 

Die Universitätsgesellschaft Leipzig vergab den Preis für besondere Leistungen in der Lehre diesmal an das Team der fakultätsübergreifenden Exkursion zur Schimpansen-Auffangstation Chimfunshi in Sambia unter Leitung der Biologin Prof. Dr. Katja Liebal. Zum Team zählten Junior-Professorin Dr. Beryl Eusemann (Tierschutz und Ethologie), Dr. Kathrin Kopp und Prof. Dr. Wolfgang Blenau (Humanbiologie und Primatenkognition), Prof. Dr. Simone Reinhold (Grundschuldidaktik Mathematik) und Prof. Dr. Daniel Haun (Leiter der Abteilung für vergleichende Kulturpsychologie des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie). „Das humboldtsche Bildungsideal fordert die Einheit von Forschung und Lehre. Doch exzellente Lehre muss oft noch einen Schritt weitergehen: Sie muss Disziplinen vernetzen, den geschützten Raum des Hörsaals verlassen und sich komplexen, realen Herausforderungen stellen“, sagte Robert Biskop. „Wir ehren heute ein Team von sechs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die genau diesen Anspruch in beispielhafter Weise eingelöst haben.“

Last but not least wurde der Preis für besondere Leistungen in Forschung und Transfer vergeben, und zwar für das Projekt „Audiovisuelle Medieninhalte auf Basis von künstlicher Intelligenz: Analyse der Herausforderungen und Potentiale von Deepfakes im Verbund von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft“. In der Laudatio hieß es: „In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion zunehmend verwischt, reicht es nicht mehr aus, Phänomene nur zu beobachten. Wissenschaft sollte auch Orientierung bieten. Das Team, das wir heute auszeichnen, hat sich genau dieser Aufgabe verschrieben.  Dr. Alexander Godulla ist Professor für Empirische Kommunikations- und Medienforschung, Dr. Christian Pieter Hoffmann ist Professor für Kommunikationsmanagement, und Daniel Bendahan Bitton ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Herrn Godulla. Mit ihrem Projekt zur Analyse von Deepfakes leisten sie weit mehr als exzellente Grundlagenforschung. Sie betreiben Wissenschaftskommunikation als aktive Unterstützung für Medienmündigkeit, Partizipation und Demokratie.“