Pressemitteilung 2019/010 vom

Am 22. Januar beginnt das diesjährige Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Zu dem dreitägigen Treffen kommen über 2.500 international führende Wirtschaftsexperten, Politiker, Intellektuelle und Medienschaffende zusammen, um über die aktuellsten Fragen der Welt zu diskutieren. Prof. Dr. Gunther Schnabl vom Institut für Wirtschaftspolitik der Universität Leipzig spricht im nachfolgenden Interview über Erwartungen an das "World Economic Forum" (WEF), die Absage führender Politiker und über mögliche Kandidaten für die künftige EU-Kommissionpräsidentschaft.

Prof. Dr. Gunther Schnabl

Prof. Dr. Gunther Schnabl Foto: Swen Reichhold/Universität Leipzig

1. Was sind Ihrer Ansicht nach die Haupt-Knackpunkte des Treffens?

Es kommen etwa 2.500 Prominente aus Wirtschaft, Politik, öffentlichen Institutionen und Medien aus aller Welt, um die aktuellsten Trends zu diskutieren, zum Beispiel dieses Jahr „Globalisierung 4.0“. Da das Weltwirtschaftsforum international viel Aufmerksamkeit erfährt, kommen wichtige öffentliche Entscheidungsträger gerne. Das Forum wird zum großen Teil von multinationalen Unternehmen mit einem Umsatz von über 5 Milliarden US-Dollar finanziert. Die Präsidenten dieser Unternehmen können gegen eine Mitglieds- und Teilnahmegebühr von rund 60.000 Schweizer Franken in den Dialog mit einflussreichen Persönlichkeiten treten. Wenn man mit Angela Merkel, Theresa May, Mario Draghi oder Christine Lagarde ins Gespräch kommt, kann das sehr nützlich sein.

 

2. Was ist vom Weltwirtschaftsforum zu erwarten, wenn so wichtige Teilnehmer wie US-Präsident Trump oder der französische Präsident Macron fehlen?

In den letzten drei Jahrzehnten hat – insbesondere durch die Geldpolitiken der Zentralbanken – die Einkommens- und Vermögensungleichheit in den meisten Ländern stark zugenommen. Während die Gehälter von Spitzenmanagern und Wallstreet-Bankern drastisch gestiegen sind, stagniert das Lohnniveau breiter Bevölkerungsschichten. In dieser Welt ist es für Politiker nicht mehr so attraktiv, sich vor Kameras mit den Reichen und Mächtigen der Welt zu zeigen. Im Gelbwestenkonflikt ist es für Frankreichs Präsident Macron heikel, in der Schweiz mit Wirtschaftsbossen Champagner zu trinken. Auch Trump sagt, dass er sich für den kleinen Mann in den USA einsetzt.

 

3. Der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, wünscht sich, dass Angela Merkel nach ihrer Kanzlerschaft EU-Kommissionschefin wird. Sehen Sie das als realistisches Szenario an?

Angela Merkel unterstützt Manfred Weber als Kandidaten für den Chefposten. Das müsste auch Schwab wissen. Herr Schwab hat betont, dass Europa neben der europäischen Integrationskraft von Angela Merkel auch dringend Reformen braucht. Angela Merkel hat in Europa große Zeichen der Solidarität gesetzt. Für die Reformen, die notwendig sind, um den alten Kontinent im globalen Wettbewerb fit zu machen, steht die Bundeskanzlerin hingegen nicht. Herr Schwab wollte wohl mit dem Vorschlag in Deutschland etwas Aufmerksamkeit für sein Event erreichen.  

 

Hinweis:

Prof. Dr. Gunther Schnabl ist einer von mehr als 150 Experten der Universität Leipzig, auf deren Fachwissen Sie mithilfe unseres Expertendienstes zurückgreifen können.

 

zum Seitenanfang