Am Beispiel des Musikinstrumentenmuseums der Karl-Marx-Universität Leipzig wird in dem Buch beschrieben, wie staatliche Eingriffe die Sammlungskonzepte und Bestände formten. „Das ist die erste Monographie zum DDR-Sammelwesen generell”, sagt Focht. Sein neues Buch wurde am 100. Todestag von Paul de Wit vorgestellt, der in Leipzig über eine bedeutende Sammlung von Musikinstrumenten verfügte. Dieser Tag gilt als Gründungstag des Musikinstrumentenmuseums der Universität Leipzig, das einen Großteil der Sammlung des niederländischen Verlegers in seinem Bestand hatte. In der DDR wurde diese allerdings nach und nach gegen Devisen veräußert. Auch Plünderungen in der Nachkriegszeit setzten dem Bestand zu. „Museale Sammlungen wurden verhökert”, berichtet Focht, der gemeinsam mit Fricke zwölf Jahre an dem Buch gearbeitet hat.
Das Museumswesen leide bis heute unter dem damaligen Ausverkauf von Kulturgütern. Insgesamt, so die Recherche Fochts, wurden auf Beschluss des Ministerrates über zwei Millionen DDR-Bürger:innen durch Enteignung um ihre Kulturgüter gebracht, unter ihnen Antiquariatshändler:innen, Oppositionelle, Systemkritiker:innen und Instrumentalmusiker:innen. Heute lagert ein kleiner Teil dieser Bestände nach Angaben Fochts im Magazin des Museums im GRASSI, weil Herkunft und Persönlichkeitsrechte der historischen Stücke meist nicht geklärt sind. (Anmerkung der Redaktion: Dieser Satz wurde am 16.12.2025 korrigiert.)
verstärkte forschung zu DDR-Geschichte und Transformationszeit
Die Provenienzforscherin Heike Fricke befasst sich im ersten Teil der Neuerscheinung mit bürgerlichen Sammlungsmotivationen und setzt sie in einen internationalen Zusammenhang. Dafür hat sie unter anderem am Metropolitan Museum New York in Briefen Paul de Wits dessen Motive für die Sammlung von Musikinstrumenten erkundet.
Die Arbeit Frickes und Fochts leistet nach den Worten von Prof. Dr. Markus A. Denzel, Dekan der Fakultät für Geschichte, Kunst und Regionalwissenschaften der Universität Leipzig, einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Geschichte der DDR und ihres Verhältnisses zur Kunst. Forschende aus verschiedenen Diziplinen der Universität planten, ihre Kräfte zu bündeln und sich künftig verstärkt mit der Geschichte der DDR und der Transformationszeit aus kulturhistorischer Perspektive auseinandersetzen und. Das Buch „Die DDR als Sammlerin” passe perfekt in diesen Forschungskontext.
Prof. Dr. Brigitte Latzko, Prorektorin für Talententwicklung: Studium und Lehre, sprach in ihrem Grußwort von „Schätzen”, die die Universität Leipzig zu bieten habe. „Sie ist auch akademische Heimat von kritischen Geistern. Das zeigt sich heute hier”, betonte sie.