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Am 8. April ist "Tag der Roma". Obwohl Sinti und Roma schon seit vielen hundert Jahren in Deutschland leben, werden sie noch immer stark diskriminiert. Diese als Antiziganismus bezeichnete Abwertung beobachtet PD Dr. Oliver Decker von der Universität Leipzig schon lange. Im Interview spricht er über Beobachtungsfehler, Ressentiments und wie sie abgebaut werden können.

PD Dr. Oliver Decker

PD Dr. Oliver Decker Foto: Swen Reichhold / Universität Leipzig

Sinti und Roma leben seit hunderten Jahren in Deutschland. Warum werden sie noch immer ausgegrenzt und diskriminiert?

Es hilft, diese massive Aggression gegenüber Menschen zu verstehen, wenn wir sie weniger als Vorurteil, sondern als Ressentiment verstehen. Bei Vorurteilen wird häufig auch im Alltag von einer Art „Beobachtungsfehler“ ausgegangen: Wer sie hat, so die Annahme, verallgemeinert seine Erfahrung mit Angehörigen bestimmter Gruppen auf die Gesamtgruppe. Menschen, die andere Menschen abwerten, weil sie diese als „fremd“, „abweichend“ oder „irgendwie anders“ wahrnehmen, folgen aber meist einem Bedürfnis. Es sind motivierte Vorurteile oder eben Ressentiments – die Aggressionen dienen etwa der Selbstaufwertung, dem Wunsch nach übersichtlichen Verhältnissen und Kontrolle oder der Ambivalenz, die mit der eigenen Unterwerfung unter Regeln einhergeht. Gerade dieser letzte Aspekt hat wahrscheinlich viel mit der Abwertung von Sinti und Roma zu tun, denn die Eigenschaften, die ihnen zugeschrieben werden, geben darüber Auskunft: Sie seien „kriminell“, hielten „sich nicht an Regeln“, seien „faul“. Wer sein eigenes Leben nicht leben durfte, hasst oft das Leben der Anderen.

 

Sie erheben in der Leipzig-Studie zum Autoritarismus seit 2002 auch die Einstellungen gegenüber Sinti und Roma in Deutschland. Im vergangenen Jahr sprachen Sie von einer "massiven Abwertung" dieser Gruppe. Was sagen Ihre Zahlen konkret?

In unserer Leipzig-Studie fanden wir 2018 bei 56 Prozent der Deutschen Zustimmung zur Aussage „Ich hätte Probleme damit, wenn sich Sinti und Roma in meiner Gegend aufhalten“. Knapp 50 Prozent konnten sich mit der Aussage einverstanden erklären, wonach „Sinti und Roma aus den Innenstädten verbannt werden sollten“. Rund 60 Prozent der Befragten hielten es für richtig, dass „Sinti und Roma zur Kriminalität neigen“. Eine derart massive Abwertung erfährt kaum eine andere Gruppe in Deutschland.


Wie lassen sich Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen in der Gesellschaft abbauen?

Aufgrund der sogenannten „Kontakthypothese“ gehen wir davon aus, dass Ressentiments gegenüber „Anderen“ durch Kontakte zu Angehörigen solcher konstruierten Gruppen abgebaut werden. Dabei müssen wir aber auch immer bedenken, dass es Menschen gibt, deren Bedürfnis nach Abwertung anderer so groß ist, dass sie die Ressentiments auch beibehalten, wenn sie einzelne Menschen aus der „fremden“ Gruppe kennen und möglicherweise sogar als Einzelpersonen schätzen. Wer massiv autoritär orientiert ist oder grundsätzlich davon ausgeht, dass es eine „natürliche“ Konkurrenz zwischen sozialen Gruppen gibt, der wird Menschen, die er als „anders“ oder „abweichend“ wahrnimmt, auch weiterhin abwerten.

 

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