Pressemitteilung 2018/166 vom

Der Mensch verbringt ein Drittel seines Lebens mit Schlafen. Doch wie viele Stunden Schlaf braucht der Mensch tatsächlich? Und was führt zu gutem Schlaf? Dr. Andrea Bosse-Henck ist Leiterin des Schlaflabors am Zentrum für Innere Medizin des Universitätsklinikums Leipzig. Sie hat Antworten auf diese Fragen.

Schlaflaborleiterin Dr. Andrea Bosse-Henck

Schlaflaborleiterin Dr. Andrea Bosse-Henck Foto: privat

1. Wie viel Schlaf braucht der Mensch?

Die Schlafdauer hängt sehr vom Alter- aber auch von individuellen Besonderheiten ab. Die richtige Schlafmenge ist erreicht, wenn sich die Person tagsüber ausgeschlafen, leistungsfähig und fit fühlt. Die optimale Schlafdauer für Erwachsene beträgt 7 bis 8 Stunden. Babys benötigen 14 bis 15 Stunden Schlaf, Kleinkinder 12 bis 14 Stunden, Schulkinder sollten 9 bis 11 Stunden schlafen. Aufgrund der vielfältigen Umstellungen im Hormonhaushalt brauchen auch Teenager zwischen 8 bis 10 Stunden Schlaf.

Für all die Menschen, die unter "Sozialem Jetlag" mit Schlafdefizit unter der Woche leiden, gibt es auch eine gute Nachricht: es ist sinnvoll, das Schlafdefizit am Wochenende durch etwas mehr Schlaf auszugleichen.

2. Ist es gesünder, im Dunkeln zu schlafen? Wenn ja, warum?

Unser Schlaf-Wach-Rhythmus, der sich über tausende von Jahren entwickelt hat, wird hauptsächlich durch das Licht gesteuert. Licht hält uns wach und macht uns wach. So reduziert Sonnenlicht die Ausschüttung des schlaffördernden Hormons Melatonin, welches bei Dunkelheit vermehrt gebildet wird. In den Augen gibt es Rezeptoren, die auf Licht reagieren und so die Melatoninproduktion in der Zirbeldrüse steuern. Das erklärt, weshalb ein idealer Schlafplatz möglichst dunkel sein sollte. Inzwischen ist auch bekannt, dass Blautöne im Licht- wie sie z.B. von Smartphone, Fernseher oder Laptops ausgesendet werden- eine besonders starke Signalwirkung auf die Zirbeldrüse haben und somit die Produktion des Schlafhormones stören. Diese Geräte sollten deshalb wenigstens  1 Stunde vor Schlafbeginn nicht mehr genutzt werden und aus dem Schlafzimmer verbannt werden.

3. Sind die schulischen Leistungen abhängig vom Unterrichtsbeginn?

Der optimale Beginn des Unterrichts ist immer wieder in der Diskussion, sollte aber aus schlafmedizinischer Sicht nur im Kontext mit der nächtlichen Schlafdauer und dem gesamten Tagesablauf der Kinder gesehen werden. Vielleicht wäre ein später Schulbeginn gegen 9 Uhr für einige Kinder günstiger- aber dadurch wird auch die Freizeit nach der Schule verkürzt, was viele Kinder nicht wollen. In einer eigenen kleinen Studie wurde die Vigilanzleistung (Daueraufmerksamkeit) am Montagmorgen von Schülern einer 10. Klasse im Zusammenhang mit der Schlafdauer am Wochenende untersucht. Dabei führten schon 34 Minuten mehr Schlaf am Wochenende zu signifikant besseren Leistungen im Vigilanztest. Der Untersuchungszeitpunkt (1. oder 2. Stunde) hatte keinen Einfluss. Bemerkenswert war, dass mehr als 2/3 der Schüler Freitag und Samstag erst nach Mitternacht zu  Bett gingen, während die Gesamtgruppe am Sonntag gegen 22.37 Uhr das Bett aufsuchte. Somit wurde in den Wochenendnächten die Schlafphase nach hinten verschoben und ein "Minijetlag "am Montagmorgen ist die Folge. Es ist also wichtig, neben Qualität und Dauer des Schlafes auch die Schlafgewohnheiten der Jugendlichen zu erfassen.