Übergeordnetes Ziel ist, die sorbische Sprache, Geschichte und Kultur sichtbarer zu machen und Forschung und Lehre dahingehend zu fokussieren. So sollen künftig mehr Studieninteressierte für das Fach gewonnen werden und damit der Fachkräftenachwuchs, etwa im Bereich Lehramt, gesichert werden. Die angestrebte Erhöhung der Studierendenzahlen sowohl im Lehramt als auch in Bachelor-, Master- und Promotionsprogrammen soll u.a. durch eine gezielte Ansprache von Muttersprachlerinnen und Muttersprachlern und durch nationale und internationale Kooperationen gelingen. Die Weiterentwicklung des Curriculums wird erfolgen, wobei u.a. digitale Sprachtechnologien und eine stärkere Praxisorientierung eine Rolle spielen werden.
Auch die Forschung soll mit nationalen und internationalen Kooperationen unterstützt werden. Die notwendige personelle Basis für die Umsetzung des Konzepts wird mit neuen Professuren sowie wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bzw. Lehrenden verbreitert.
Darüber hinaus sieht das neue Konzept eine Reihe von begleitenden Maßnahmen vor, die kurzfristig als auch mittelfristig umgesetzt werden sollen, darunter:
- Einrichtung eines Runden Tisches mit den sorbischen Akteuren (Domowina, Sorbisches Institut, Rat für sorbische Angelegenheiten beim Sächsischen Landtag, Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden beim Landtag Brandenburg Stiftung für das Sorbische Volk) und weiteren Gästen
- Ausbau der Informationskampagne zum Studienangebot an der Universität Leipzig an sorbischen Schulen, insbesondere dem Sorbischen Gymnasium Budyšin (Bautzen) und dem Niedersorbischen Gymnasium Chóśebuz (Cottbus)
- Sprachraum-Orientierung: Ausbau der Zusammenarbeit mit sorbischen Schulen, Ver- bänden und kulturellen Einrichtungen
Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow betont die Bedeutung der Sorabistik:
„Mit der Weiterentwicklung des Profils in Leipzig setzen wir bewusst einen Schwerpunkt im Bereich der akademischen sorabistischen Ausbildung. Es ist Anspruch und Verantwortung des Freistaats die sorbische Minderheit, ihre Sprache und Kultur zu fördern. Dazu gehören zuvorderst auch Lehre und Forschung als Voraussetzung für eine lebendige und sich fortentwickelnde Kulturpflege des sorbischen Volkes. Ich freue mich, dass es gelungen ist, im engen Schulterschluss zwischen Universität und den sorbischen Institutionen den Fokus genau darauf auszurichten und danke dem Rektorat der Universität ausdrücklich für die gute Arbeit.“
Die Rektorin der Universität Leipzig, Professorin Eva Inés Obergfell ergänzt:
„Die Universität Leipzig schafft mit dem zukunftsfähigen Konzept einen verbindlichen Rahmen, innerhalb dessen alle beteiligten Akteurinnen und Akteure ihre Zusammenarbeit gestalten und weiterentwickeln können. Wir unterstützen die Gemeinschaft der Sorbinnen und Sorben gern, und wir sehen mit unseren zentralen Kooperationspartnern und durch die Nutzung von Synergien gute Entwicklungschancen. Die skizzierten Maßnahmen werden die Qualität des Studiums und den Studienerfolg weiter verbessern können, sodass es, ein entsprechendes Studieninteresse vorausgesetzt, auch mehr Absolventinnen und Absolventen geben kann. Die starke wissenschaftliche Fundierung im Lehramtsstudium ist dabei eine der Stärken der Lehrkräftebildung an der Universität Leipzig.“
Die Beauftragte der Sächsischen Staatsregierung für Angelegenheiten der Sorben, Franziska Brech sagte mit Blick auf die Weiterentwicklung der Sorabistik:
„Das Institut für Sorabistik an der Universität Leipzig hat herausragende Bedeutung für die Pflege und Weiterentwicklung der sorbischen Sprache und Kultur. Am Institut werden die Fachkräfte – Sprach- und Kulturwissenschaftler, Lehrer und Lehrerinnen – ausgebildet, die für eine zukunftsfähige sorbische Kultur- und Bildungslandschaft im sorbischen Siedlungsgebiet wichtig sind. Ich begrüße es deshalb sehr, dass ausgehend von dem vorliegenden Konzept die Arbeit des Instituts gestärkt und die Kooperation mit den sorbischen Akteuren intensiviert wird. Ich danke Herrn Staatsminister Gemkow und der Universität Leipzig vielmals für das Engagement und werde eine gelingende Umsetzung gern unterstützen.“
Der Vorsitzende der Domowina und Vorsitzender des Rates für sorbische Angelegenheiten im Sächsischen Landtag, Dawid Statnik, fügt hinzu:
„Lipsk | Leipzig ist die Wiege der akademischen Sorabistik. In den vergangenen Jahren berichteten Studierende zunehmend über Qualitätseinbußen in der Lehre am dortigen Institut. Mit dem neuen Konzept soll dem Anspruch des sorbischen Volkes Rechnung getragen werden, bestehende Sprachräume zu schützen und neue auszubauen. Dafür sind Fachkräfte an sorbischen Schulen sowie an sorbischen Institutionen erforderlich. Das überarbeitete Konzept ist ein Neustart. Die Einrichtung des Runden Tisches begrüße ich. Er bietet die Chance, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen, unterschiedliche Perspektiven zu bündeln und gemeinsam tragfähige Lösungen zu erarbeiten.“
In die Erarbeitung des Konzepts waren u.a. die Beauftragte der sächsischen Staatsregierung für sorbische Angelegenheiten, das brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK), die Domowina als Dachverband der sorbischen Minderheit sowie der Rat für sorbische Angelegenheiten des Freistaats Sachsen einbezogen worden.
Hintergrund
Die im Freistaat Sachsen und im Land Brandenburg lebenden Sorben/Wenden sind eine der vier anerkannten autochthonen Minderheiten/Volksgruppen in Deutschland. Die Pflege und Entwicklung der sorbischen Sprache durch Schule, vorschulische und kulturelle Einrichtungen hat in Sachsen Verfassungsrang. (Art. 6 Absatz 1 Satz 2 Sächsische Verfassung)
Danach werden die Lebensbedürfnisse des sorbischen Volkes in der Landes- und Kommunalplanung berücksichtigt. Daraus leitet sich das Ziel der Sicherstellung einer ausreichenden Ausbildung sorbischsprachiger Lehrkräfte für Schulen, für die vorschulische Bildung sowie von Fachkräften für kulturelle Einrichtungen ab. Im Sächsischen Sorbengesetz § 12 Abs. 2 (SächsSorbG) ist der Unterhalt einer universitären Forschungs- und Lehreinrichtung für Sorabistik an der Universität Leipzig verankert. Das Gesetz vom 31. März 1999 bildet zudem eine wesentliche Grundlage für die Förderung der sorbischen Sprache und Kultur im Freistaat Sachsen.