Pressemitteilung 2018/307 vom

Die Weihnachtsmarktsaison hat begonnen, und sie wird mancherorts bis zum 30. Dezember ausgedehnt. Die Märkte sind ein wichtigter Wirtschaftsfaktor für die Städte geworden. "Weihnachtsmärkte haben in Deutschland eine sehr lange Tradition, aber gerade im Zeitalter virtueller Marktplätze stellen sie einen Gegenpol zur digitalen Angebotswelt dar", sagt Prof. Dr. Gerd Hessert, Honorarprofessor für Handelsmanagement an der Universität Leipzig. Weitergehende Öffnungszeiten im November und über den Heiligabend hinaus hält er aber für "nicht zielführend". Hingegen "sollte der Einzelhandel an allen Tagen, auch an Sonntagen, geöffnet sein".

Herr Professor Hessert, inwiefern sind Weihnachtsmärkte ein Wirtschaftsfaktor für die Städte?

Weihnachtsmärkte haben in Deutschland eine sehr lange Tradition, aber gerade im Zeitalter virtueller Marktplätze stellen sie einen Gegenpol zur digitalen Angebotswelt dar. Ihr Geschäftsmodell basiert ausschließlich auf dem Erlebnis. Die vorweihnachtlich inszenierten, stimmungsvollen Stadtplätze treffen mit einer emotionalen Ansprache den Zeitgeist und erfreuen sich mit deutschlandweit wahrscheinlich 85 Millionen Besuchern wachsender Beliebtheit. Begegnung, Wohlfühlen und Konsum stehen bei den Besuchern im Vordergrund. Dabei sind sie durchaus bereit, bei einem Besuch durchschnittlich rund 20 Euro pro Kopf auszugeben. Weihnachtsmärkte stellen damit ein Milliardengeschäft für die Städte dar. Bei der Einordnung der wirtschaftlichen Bedeutung müssen zudem weitere Verbundeffekte berücksichtigt werden.

Wer profitiert denn von den Weihnachtsmarktbesuchern?

Zunächst profitieren vor allem direkt die Marktbetreiber und Schausteller von der Ausgabebereitschaft der Besucher. Darüber hinaus erzielen die Taxiunternehmen, öffentlichen Verkehrsmittel, Restaurants und Hotels durch Übernachtungen der auswärtigen Gäste zusätzliche Umsätze. Auch der innerstädtische Einzelhandel kann die hohe Besucherfrequenz nutzen und höhere Umsätze generieren. Keinesfalls sollte aber der langfristige Imageeffekt für die Stadt selbst unterschätzt werden.   

Vielerorts wird die Dauer der Weihnachtsmärkte immer länger. Bringt das was?

Bei den großen Weihnachtsmärkten steigt die Gesamt-Besucherzahl bei längerer Öffnungsdauer, wenn auch die durchschnittliche Besucherzahl pro Tag abnimmt. Gerade aber die bekanntesten Weihnachtsmärkte sind schon recht lange geöffnet, der Leipziger Weihnachtsmarkt 2018  in der Zeit vom 27.11. bis 23.12. an 27 Tagen. Weitergehende Öffnungszeiten im November und über den Heiligabend hinaus sind nicht zielführend. Bei kleineren Weihnachtsmärkten sollte die erreichbare Besucherzahl auf wenige Tage konzentriert werden.

Was können Städte generell tun, um aus den Märkten noch mehr Nutzen zu ziehen?

Es geht vor allem darum, die Stadt als Gesamt-Inszenierung zu vermarkten und nachhaltig zu positionieren. Der Einzelhandel sollte an allen Tagen, auch an Sonntagen, geöffnet sein, was weitere Besucher anziehen würde. Die Angebote an kulturellen Veranstaltungen könnten in der Weihnachtsmarktzeit verstärkt, die Kirchen und Museen der Stadt erlebbarer gemacht, Stadtführungen für auswärtige Besucher organisiert und die Stadt durch Vertreter in Foren und Veranstaltungen präsentiert werden. Durch spezielle kindgerechte Angebote kann zudem ein Weihnachtszauber für die ganze Familie entstehen. 

Hinweis:
Gerd Hessert ist einer von mehr als 150 Experten der Universität Leipzig, auf deren Fachwissen Sie mithilfe unseres Expertendienstes zurückgreifen können.

 

Carsten Heckmann

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